Tunesien; El Jem und Kairouan

Mein Reiseführer versprach ein mindestens so grosses, wenn nicht grösseres Amphitheater wie das Colloseum in Rom. Nun, in Rom war ich nie, aber was mir in El Jem zu Gesicht kam, liess mir den Mund offen stehen. Und das mitten auf der Strasse als ich mit gut 100km/h um eine lange Kurve zog. Die gewaltigen Mauern sind schon von weit her sichtbar. Einen Stadtplan brauchte ich nicht, sondern peilte einfach die sonnenbeschienen Aussenwände an.
Im Inneren irrte ich durch hohe Torbögen, überblickte die Arena und Stadt und schlich mich durch die unterirdischen Gänge. An ruhigen Momenten versuchte ich mir vorzustellen wer oder was hier vor gut 1800Jahren (!) durchgegangen, ausgeharrt, gejubelt hat. Wenn diese Wände sprechen könnten, würde es ganze Geschichtsbücher, Horrorstories und Theaterdramen ausfüllen. Hie und da berühre ich ehrfurchtsvoll einen Stein oder eine Schwelle. Einkerbungen aus Hunderten von Jahren, bis hin zu den Unverbesserlichen aus der Neuzeit, säumen die Torbögen und Seitenwände. Kratzen Schicht für Schicht die Erinnerungen aus dem Sandstein.

Sieben Pilgerreisen nach Kairouan ersetzen die Pilgerfahrt nach Mekka, so heisst es. Dementsprechend braucht die Stadt auch ein grosses Gebetshaus, die die Massen der Gläubigern aufnimmt . Doch die grosse Moschee schluckt nicht nur die Walfahrer, sondern durch ein ausgeklügeltes System das Regenwasser, das in unterirdischen Zysterne geleitet wird und für rituelle Waschungen zur Verfügung steht. Der Regen aber, der an meinem Besuchstag mir gnädig dieses Sammelsystem vorführte, setzte die Sonnenuhr mitten auf dem Innenhof ausser Betrieb. Diese diente dazu die richtigen Gebetszeiten einzuhalten. Was aber wenn es regnet?
Vielleicht verweilt man dann etwas länger beim Teppichhändler, der aufdringlich sein Wort bricht und es nicht bei einem kurzen Tee bewenden lässt. Viel zu sehr lockt der schnöde Mammon der Pilger und Touristen. So werde auch ich in einen ehemaligen Gouvernorspalast gelockt, darf „gratis“ Fotos schiessen und im hintersten Raum einen Tee entgegen nehmen. Schnelle Hände und Worte entrollen Teppiche und Lobpreisungen vor mir, versperren mir geschickt den Ausweg.
Ohne Teppich ziehe ich weitere Kreise in der Medina, ziehe mich in die eine enge Gasse zurück, finde mich in einem kleinen Park wieder oder lasse mich für eine Tasse starken Kaffees nieder und beobachte das Geschehen auf dem Markt. Wenn ich auch in Kairouan keinen fliegenden Teppich gefunden habe, so beflügelt die Stadt die Fantasie doch ungemein.

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