Motorradtour 2018: Marokko, best of!

Marokko, immer wieder erstaunt mich das Land mit seinen landschaftlichen und kulturellen Gegensätze. Von den grünen Hügeln im Norden, über das schroffe Atlasgebirge bis in den tiefen, sandigen Süden der Sahara. Durch staubige Dörfer, in denen verschleierte Frauen und spielende Kinder auf der Strasse spielen, an üppig grünen Oasen vorbei zu den grossen Städten, in denen die Moderne und die Tradition miteinander verschmelzen.

Überall im Lande kann man herrliche Kurvenstrecke finden, die jedes Motorradfahrerherz höher schlagen lässt. So auch die Bergststrecke von Al Hoceima nach Fes. Die winkligen Altstadtgassen wirken wie ein Labyrinth, in denen ein fremder schnell die Orientierung verliert. Wieder hinaus gefunden, quere ich die mächtigen Berge des Atlas. In tiefen Tälern leuchtet das Grün von Oasen hinauf, zeigen den Weg zu Dörfern und Übernachtungsplätzen. Dann aber kommt ein grosses Nichts. Die Wüste beginnt fast unmittelbar an den Südhänge des Gebirges. Eine gute Asphaltstrasse bringt die Reisenden durch die steinige Ebene. Hin und wieder tauchen Sanddünen auf, die immer mehr und höher werden. Der starke Wind weht ungehindert über die Ebene, bringt an manchen Stellen Sand auf die Fahrbahn. Als ich unvermittelt mit etwa 100 km/h auf solch eine versandete Strasse geriet, das schwer bepackte Motorrad gerade noch schlingernd durch die Gefahrenzone brachte, nahm ich die Warnschilder auch etwas ernster. Später versuchte ich meine neue, offroad-gepriesene Honda Africa Twin Adventure Sports ohne Gepäck im Gelände zu bewegen. Und ja, sie ist trotz ihrer Grösse und Gewicht für den geübten Fahrer ein erstaunliches Endurofahrzeug. Aber eben, für den geübten Fahrer. Ich hingegen bin auf meinen Motorradreisen höchstens auf Schotter gefahren, von dem ich immer möglichst schnell wieder runter wollte. Hier aber war die Gelegenheit mich etwas mehr dem Geländefahren anzunähern. Und das brauchte ich dann auch auf dem Weg zurück in die Berge. Grosse Regenfälle liessen trockene Bergbäche zu reissenden Flüssen anschwellen, zwangen mich zu Wasserdurchfahrten und auf losen Grund, wo die Strasse teilweise weggeschwemmt wurde.

Mehr als zehn Jahre sind vergangen, seit dem ich das erste Mal marokkanischen Boden betreten habe. Aus dieser Zeit waren immer noch Kontakte erhalten, die mittlerweile zu Freunde wurden. Nirgends auf dieser Welt erfuhr ich eine so grosse und selbstlose Gastfreundschaft, wie in diesem Land. Und so wurde auch dieses mal die Wiedersehen mit Freunden zu einem Fest. Ob in Tighrir, nah der Todhra-Schlucht, in Tafroute oder in Agadir, überall wo ich auf alte Bekannte stiess, wurde ich mit offenen Armen und Herzen  empfangen. Alte Geschichten wurden aus der Erinnerung geholt und neue dazu gefügt. Es wurde Minztee getrunken und Bäuche mit Tajine und Couscous gefüllt. Und wie immer, wurde der Abschied mit dem Versprechen versüsst, sich im nächsten Jahr wieder zu sehen, Inshallah.

Neben der herrlichen Landschaften darf man einige Städte nicht ausser acht lassen. Neben dem bereits erwähnten Fes besuchte ich auch Agadir, das mir Freunde dort näher brachten. Dann folgten die Küstenstadt Essaouira und das touristische Marrakesh, das trotz allem, immer wieder tolle Photosujets zeigt. Die Wasserfälle von Ouzoud wollte ich erst auslassen, weil ich dachte, ich würde genug Wasser von den Schweizer Alpen fallen sehen. Ein Schweizer Motorradfahrer, mit dem ich zuvor in Sidi Ifni einen gemütlichen und unterhaltsamen Abend zusammen verbracht hatte, legte mir aber diese Fälle ans Herz. Überzeugt hatte mich schliesslich das Argument, dass eine tolle, kurvenreiche Strecke dahinführe. Und er hatte Recht behalten. Die Fälle an und für sich waren bereits ein Besuch wert. Die, meist einheimischen, Besucher zu beobachten war aber genauso unterhaltsam. Die jungen Männer unterzogen sich Mutproben, in dem sie über Abschrankungen kletterten und möglichst nah am Abgrund posierten, oder von mehreren Metern hohen Klippen sprangen. Die jungen Frauen, adrett in Sonntagskleidern und Schmuck behangen, lächelten nett in die Kameras ihres Auserwählten. Kinder stoben die Treppen rauf und runter, oder planschten fröhlich im natürlichen Pool.

Der letzte wirkliche Stop galt Chefchouen. Diese Stadt im Riffgebirge wurde durch ihre blau getünchten Häuser berühmt. Dementsprechend nahm auch der Tourismus hier zu. Und trotzdem ist es immer noch ein Highlight, durch die Gassen zu schlendern, an einem Teehaus den Minztee zu schlürfen oder einfach das Blau der Stadt auf sich wirken zu lassen…

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