Die wüste Tour zum anderen Planeten

Plötzlich standen sie da. Wie rangebeamt. Die zwei Landrover Defender mit ihren Fahrern Helmut und Thomas. Einige Biere am Abend und schon war es besiegelt. Ich folgte ihnen nächstentags in die Öde mit der Varadero. Mein gesamtes Gepäck wurde in Thomas Wagen geladen um meine Maschine leichter zu machen. Das Rütteln auf der Wellblechpiste war trotzdem fast nicht auszuhalten. Verkrampft hielt ich mich am Lenker fest, jede Sekunde mit Kontrollverlust rechnend. Ich starrte beschwörend auf die  Piste, hoffte der Untergrund bleibe hart und befahrbar. Doch Kies und Sand verwandelten den Boden unter den Rädern zu einer schwammig unberechenbaren Masse. Immer auf dem Gas bleiben, so wie Helmut mir riet, damit ich die Spur halten konnte. Leicht gesagt, dachte ich mir während es mich durch Mark und Bein schüttelte. Passiert ist es dann im Tiefsand, beim Versuch eine kleine  Düne zu erklimmen. Zu zögerlich am Gashahn gedreht und schon kippte das schwere Motorrad auf die Seite, begrub meinen Fuss darunter. Zum Glück war Thomas schnell zur Stelle und befreite mich aus der misslichen Lage. Von nun an überliess ich das Sandspielen den Landy-Fahrer. Mir tropfte der Schweiss schon aus jeder GoreTex-Pore.

Die versteinerten Dünen und kristallenen Wüstenrosen schienen es anzukünden. Das intergalaktische Dorf wurde nicht für Menschen gebaut, sondern wurde von Bürger anderen Sternen bewohnt. Runde Formen und sand- bis ockerfarbener Anstrich gaukelten normale Behausungen vor, wären da nicht gebogene Rohren aus dem Erdinneren, seltsame Installationen neben den Eingängen und technische Vorrichtungen auf den Plätzen gewesen. Meine metallische Maschine landete offensichtlich am richtigen Platz, gab sogar Grund für technisches Fachsimpeln und offene Bewunderung seitens einiger Erdlinge mit breitkrempigen Kopfbedeckungen. Nähere Betrachtung der Häuser brachten dann aber viel Maschendraht und Pappmaché hervor. Wir waren am Drehort der „Star Wars“-Filme angekommen!

Für die Rückfahrt tat sich ein unerwartet einfacher, weil neu asphaltierter, Weg auf. In gefühlter Lichtgeschwindigkeit düsten wir an Oasen vorbei und glitten sachte über den grossen Salzsee Chott El Jerid, wo uns eine kurze Rast auf das Ende des Tages einstimmte.

 

 

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