Indien; Die Höhlentempel von Ellora und Ajanta

Der alte Teeverkäufer schenkt mir mit zittrigen Händen den Chai in ein Glas, das er zuvor in abgestandenem Wasser gespült hat. Ich sende kräftigende Gedanken an meinen Magen und Immunsystem als ein kleines Mädchen verschmitzt um die Ecke guckt. Mit ihrem Pagenkopf, das ein schmales Gesicht umrahmt, ihren lustigen, funkelnden Augen und dem lächelnden, kräuselnden Lippen erinnert sie mich schlagartig an Amelie aus dem gleichnamigen Film. Baba, ruft sie dem Alten zu und erzählt ihm etwas auf Marathi, der lokalen Sprache hier in Aurangabad. Eigentlich erwartete ich in diesem islamischen Stadtteil enge Gassen und kleine Kaffeehäuser mit Shisha rauchenden Männern. Doch es entpuppte sich als weitere typisch indische Kleinstadt. Staubige, Schlaglöcher versehrte Strassen gesäumt von kleinen Geschäften mit verblichenen Schildern und zerteilt von stinkenden, zähfliessenden Bächen, die eigentlichen Abwasserkanälen glichen. Die relative Nähe zu den weltberühmten Höhlentempeln macht Aurangabad zu einem Ausgangspunkt für ihre Besichtigungen.
Ellora ist eine gute Stunde Busfahrt entfernt. Die über 30 Höhlentempel sind in verschiedenen Gruppen aufgeteilt und liegen teilweise verstreut in der hügeligen Gegend. Der beeindruckendste Bau ist mit Sicherheit der Kailasa Tempel. Mit einfachen Werkzeugen wurde ein riesiger, mehrstöckiger Tempel mit Bögen und Brücken aus dem Felsen gemeisselt, Arkaden und Säulen stehen gelassen und unzählige Figuren, Gottheiten und mythologische Geschichten in Stein verewigt.
Der stoischer Blick und das stille Harren dieser steinernen Zeitzeugen liegen im krassen Gegensatz zu der lärmenden Menge der indischen Besucher, die sich durch das Gelände wälzt. Kaum erkennen sie einen Touristen, erhöht sich der ohnehin schon beträchtliche Schallpegel und gipfelt in lauten Rufen „Hello, hello! What is your country? What is your name? “ Genau so oft hört man die Forderung:“ One photo!“ Manchmal fragen die Inder einfach um ein Bild mit einem Ausländer für sich, meistens aber wollen sie nur abgelichtet werden, unnatürlich ernst in die Kamera blickend, und dann wieder wegrennen. Sobald man den Hügel zu den versteckteren Tempeln hochsteigt findet man sich in ruhigen Gefilden wieder. Für einige Minuten verschnaufen, eine kleine, ungestörte Rast einlegen.
Ajanta hat nicht so fein bearbeitete Skulpturen zu bieten, dafür sind einige Höhlen mit wundervoll farbigen Wandmalereien versehen. Ein Wunder wie die Farben über die Jahrhunderte hinweg bestehen konnten. Trotz Verbot wird immer wieder der Fotoblitz in den düsteren Gewölben eingesetzt und die Figuren betatscht, was gut an den blank polierten Busen der steinernen Schönheiten zu sehen ist. Es gilt auch hier: Schönheit ist vergänglich.

Bilder Ellora:

Bilder Ajanta:

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