Oman; Maskat, Wadi Shab und der Souk von Nizwa

Der Duft des Weihrauchs führt mich von den verwinkelten Gassen in den alten Souk von Maskat. Unter einem hölzernen, mit Schnitzereien und Bildern verzierten Dach werden Parfum, Duftstoffe, silberne Dolche, Gewürze, Textilien und viel Touristenramsch angeboten. Es scheint kein Kreuzfahrtschiff im Hafen zu liegen. Der Markt ist ruhig. Träge sitzen die Händler zwischen ihren Waren und springen beflissen auf wenn sich ihnen doch ein potenzieller Kunde nähert. Ich erliege nicht ihren Preisungen, trinke stattdessen lieber einen Kaffee mit Blick über den Hafen am Ende des schattigen Marktes. In der Mittagshitze machen viele ihre Läden zu, geben sich bei der flauen Kundschaft lieber einer Siesta hin oder besuchen die kühle Moschee. Der Sultan hat seinem Volk eine riesige Moschee geschenkt. Sie steht unmittelbar neben der Stadtautobahn wäre aber auch so nicht zu übersehen gewesen. Alles daran und darin ist neu, gross und opulent. Marmorböden mit dicken Teppichen bedeckt, Wände mit Mosaiken und Türen mit Schnitzereien verziert. Klein kommen sich der Gläubige, und der Tourist, in der riesigen Gebetshalle unter den swarovski-glitzernden Kristalllüstern vor. Das soll wohl auch so sein. Staunend kommen Busladungen von Touristen rein, folgen dem Reiseführer durch die Vorgärten zu den Waschräumen, um dann kameraklickend ins Heiligtum zu treten.

Von der grossen Terrasse von Kevins Penthouse-Wohnung schaue ich auf den nächtlichen Stadtverkehr, der unter mir vorbeibraust. Der Ire bestätigt meine Erfahrungen auf arabischen Strassen. Geschwindigkeitslimiten werden nicht eingehalten, Verkehrsregeln nicht beachtet. Das Gesetz des Stärkeren gilt. Darwin wäre stolz auf die Araber. Mit dem kühlen Bier in der Hand unterhalten wir uns über Oman, seine Bewohner und die Gastarbeiter, die hier ihr Glück versuchen. Wenn auch Maskat nicht so schillernd und protzig wie das benachbarte Dubai ist, so steckt viel mehr Lebensqualität in Oman. Dies bestätigen mir etliche Fremdarbeiter, wie auch Tori, die sich später zu uns gesellt. Auch sie drehte ihrer Heimat, den Philippinen, den Rücken, erlag dem Reiz des Orients und dem Versprechen einer guten Zukunft. Zu dritt machen wir uns nächsten tags auf nach der Schönheit des Landes zu forschen. Eine neue Autobahn schneidet sich schnurstracks durch die flirrende Wüste. Uraltes Gebirge liegt faltig und rissig am Ende der öden Steinwüste, die bis an die Küste lechzt. Auf halber Strecke machen wir Halt in einem kleinen Fischerdorf, wo die Einheimischen wirklich noch Fischer sind. „Guck mal wie schön es hier ist! Der Ort hat grosses Potenzial ein touristischer Anziehungspunkt zu werden“, äussert sich Kevin. Eine kleine Halbinsel vorm Ort bildet einen natürlichen Hafen. Der gepflegte Park, mit Blick auf die bunten, am Strand ruhenden Fischerboote, wird von einigen Familien zum Picknick benutzt. Ein alter Wachturm ragt still aus dem Wasser der Bucht, bietet  ein weiteres Fotosujet in dieser idyllischen Gegend.

Nach etwa 200 Kilometer, ein Klacks in diesem Land, fahren wir auf einen vollbesetzten Parkplatz am Rande einer Schlucht, wo ein Fluss in das Meer mündet. Ein Getümmel an verschleierten Frauen neben westlichen Bikini-Girls, Omanis in ihren weissen Dishdash neben bunten T-Shirts, planschenden Kinder neben Sonnenbadende. Durchs seichte Wasser watende Erholungsuchende machen zwei  Allradfahrzeuge Platz, die ihr Offroadvergnügen  auf Wanderwegen suchen. Ich lasse meine teure Nikon lieber im Auto zurück, packe aber die kleine Schnappschusskamera ein. Damit habe ich gut getan. Über Felsbrocken klettern, durch hüfttiefes Wasser waten, an Wänden vorbei zwängen und an Palmen vorbeiwandern, diese Schlucht hat alles zu bieten. Zwischendurch ein erfrischendes Bad im lauen Wasser und anderen beim Springen von hohen Felsvorsprüngen zujubeln.

Um die Kultur nicht zu kurz kommen zu lassen fahren wir noch am neuen Opernhaus von Maskat, wiederum ein Geschenk des Sultans an sein Volk, vorbei, um auf eine Party mit Salsa (absolut hip in Maskat) und Shisha (Wasserpfeife) zu gehen.

Nizwa besticht nicht nur mit seinem mächtigen Fort und der interessanten Ausstellung darin, sondern hat auch seinen Souk für Touristen richtig schön herausgeputzt. Frisches Gemüse und Obst, Fleischwaren und Fisch, aber auch Tonkrüge und jede Menge Waffen, von alten Musketen bis zu silbernen Krummdolche sind zu finden. Das quirlige Treiben hält mich nicht all zu lange auf. Die Wüste ruft. Gegen Abend zweige ich von der Hauptstrasse in eine Schotterpiste die bald sandiger wird. Umdrehen ist wegen den Sandwällen an der Seite nicht möglich. So bin ich gezwungen weiter zu fahren bis eine festere Fläche neben der Piste das befahren mit dem PKW erlaubt. Die mit Akazien bestückte Ebene zieht sich bis zum Hajar-Gebirge hin, das nun am Horizont rot von der Abendsonne angeleuchtet wird. In friedvoller Stimmung baue ich mein Zelt auf und schaue zu wie die Sonne den Sternen Platz macht.

Oman; Hajar-Gebirge

Der Wind hat sich gelegt. Die dünnen Zeltwände zittern nur noch wenn ich mich im Schlafsack drehe. Den musste ich mir nachts holen weil es deutlich kühler wurde. Winter in der omanischen Wüste. Vor dem Sonnenaufgang stehe ich vor dem winzigen Zelt, esse Früchte zum Frühstück. Als grosser Ball zieht sich die Sonne hinterm Horizont hervor. Kräftiges Licht überstrahlt die blassen Farben des Morgens und vertreibt auch die letzten Sterne. Zelt und Matratze sind schnell im Kofferraum verstaut. Unterwegs denke ich an den vorherigen, ersten Tag in Oman zurück. Sohar, die Stadt in der angeblich Sindbad geboren sein soll, war eher enttäuschend. Keine richtige Altstadt auszumachen, keine verwinkelte Medina mit geheimnisvollen Türen, mit versteckten Winkeln, in denen noch Teile des Schatzes des berühmten Seefahrers auf ihre Entdeckung warten. Der vielgerühmte Strand war ein kilometerlanger Sandstreifen begrenzt durch eine ebenso lange Betonpromenade. Immerhin fand ich an der Küste diesen Strandabschnitt zwischen zwei Ortschaften. Familien kommen hierher zum Picknicken, Verliebte fahren für ein verstecktes Tete-a-tete her, Kinder spielen am Meer mit Muscheln und Jugendliche joggen von einem Ort zum anderen. Am späten Abend sind sie alle wieder weg und lassen mich mit ihrem Müll alleine. Unbehelligt kann ich hier campen.

Ich erreiche wieder das Hajar-Gebirge, das ich schon auf dem Weg nach Oman überquerte. Die Strassen sind in einem ausserordentlich guten Zustand. Nur mit der Beschilderung hapert es ab und zu. Manchmal sind die Wegweiser nur in einer Richtung angebracht, oder sie fehlen plötzlich gänzlich. Das führte mich auch schon zu einer kafkaesken Rundreise durch die Berge. Verheissungsvolle Wege führten mich ins Leere, änderten unvorhersehbar ihre Richtung, endeten in einem Dorf vor einer unüberwindbaren Felswand und führten mich schliesslich wieder zum Ausgangspunkt zurück. Auch gelegentliches Nachfragen in der dünnbesiedelten Bergwelt half nicht, denn man zeigte mir mehrmals den Weg zurück, wo ich herkam. Irgendwann schien ich die richtige Strasse erwischt zu haben, kreuzte gar wieder meine alte Spur und es tat sich der Berg – wie ein Sesam-Öffne-Dich – vor mir auf und liess mich auf die andere Seite. Diesmal frage ich in Al Hazm nach dem Weg nach Rustaq. Ein freundlicher Omani im traditionellen Dishdash lädt mich erst zum Kaffee ein, der in kleinen Tassen und mit viel Zucker serviert wird, und erklärt mir seelenruhig den Weg, will wissen woher ich komme und wohin ich gehe. Gute, alte Nomaden-Manier.

Die Wassertemperatur der Quelle in Rustaq soll etwa 45°C betragen. Das schreckt mich nicht ab. Nach zwei Campingnächten lechze ich nach einem Bad. Es braucht wiederum mehrmaliges Nachfragen bis ich die kleine Quelle entdecke. Sie liegt ummauert hinter einer schmucklosen Moschee. Durch einen schmalen Kanal wird das Quellwasser in ein Badeareal geleitet, das wiederum ummauert ist. Eine Sektion für muslimische Männer, eine weitere für muslimische Frauen reserviert. Da ich dazu erst konvertieren müsste, lass ich es bleiben. Schliesslich führt mich die Route über Nakhla, was eine weitere Badegelegenheit verspricht.

Die Festung von Nakhla ist tatsächlich so sehenswert wie es mein bescheidener Reiseführer verspricht. Viele verschachtelt angelegte Räume mit bunten Kissen ausgestattet, zinnen bewehrte Terrassen mit grandiosem Ausblick über die Oasenstadt und dickwandige Türme mit Kanonen bestückt wird es zur Traumburg eines jeden Knabentraums. Ich lasse mir Zeit zur Besichtigung, erfühle das Alter der groben Wände, rieche den Staub der Jahrhunderte in stickigen Gemächern, erdenke mir das Leben vergangenen Epochen.

Schweiss auf meiner Stirn erinnert mich wieder an die Gegenwart und die Dringlichkeit des Bades. Nicht weit entfernt finde ich die versprochene Quelle. Neben dem  grossen Parkplatz fliesst ein bescheidenes Flüsschen. Immerhin scheint es Wasser zu geben. Noch auf dem Parkplatz weist ein grosses Schild in mehreren Sprachen auf das wertvolle Gut Wasser hin und mahnt diese Ressource zu schützen und vor allem nicht zu verschmutzen. Gleich vor diesem Schild werden Autos gewaschen. Eine ölige Lache zieht quer durch den Parkplatz hinab zum Flussbett. Kopfschüttelnd erreiche ich die eigentliche Quelle. Aus einem tiefen Loch im Fels sprudelt zirka 32°C warmes Badewasser in ein Becken. Ich geselle mich zu den Jungs, die fröhlich drin planschen. Wohlig umspült mich das temperierte Nass, erfrischt und belebt, besser als jede Duschgelwerbung es beschreiben könnte.

Lange bin ich an diesem Abend noch wach. Nicht wegen des erfrischenden Bades, sondern weil mein vermeintlich idyllischen Campingplatzes in einem tiefem Talkessel auch noch bis zehn Uhr nachts von Baustellenlärm tangiert wird. In der Nähe wird an einer neuen Strasse gebaut, scheinbar ohne Unterbruch. Im Dunkeln packe ich mein Zelt, fahre ein paar Dutzende Kilometer zurück und finde schliesslich am Fuss des Gebirges auf einer steinigen Ebene ein ruhiges Schlafplätzchen unter glitzerndem Sternenhimmel. Eine letzte Sternschnuppe erfüllt mir den Wunsch eines erholsamen Schlafes 🙂

 

Dubai; shopping and more…

Eine unwirkliche Welt tut sich vor mir auf. Gebäude die in Himmel ragen, mehrspurige Autobahnen, überall Shoppingcentre and Funparks. Es fühlt sich an wie ein riesiges Disneyland. Dass hier Leute leben und arbeiten ist schwer zu glauben, doch einige Freunde tun das hier. Sie erzählen vom Alltag, nehmen mich mit zum nächtlichen Volleyball oder zur Wassershow vor dem höchsten Gebäude der Welt.
Shopping ist natürlich ebenso angesagt. Gerne begleite ich Freunde durch die alten Souks und in die modernen Einkaufshäuser. Von Klamotten über elektronischem Spielzeug bis hin zu Möbel ist alles zu haben. Wenn aber ein simpler Schuhbändel reisst sucht man stundenlang für Ersatz 😉
Wenn eine Einkaufspause angesagt ist, sind neben Cafés und Restaurants auch andere Ablenkungen vorhanden. Ob ein riesiges Aquarium, echtes Eisfeld oder Spielhölle samt Achterbahn, alles da in Dubai, alias To-Buy!

Tunesien; El Jem und Kairouan

Mein Reiseführer versprach ein mindestens so grosses, wenn nicht grösseres Amphitheater wie das Colloseum in Rom. Nun, in Rom war ich nie, aber was mir in El Jem zu Gesicht kam, liess mir den Mund offen stehen. Und das mitten auf der Strasse als ich mit gut 100km/h um eine lange Kurve zog. Die gewaltigen Mauern sind schon von weit her sichtbar. Einen Stadtplan brauchte ich nicht, sondern peilte einfach die sonnenbeschienen Aussenwände an.
Im Inneren irrte ich durch hohe Torbögen, überblickte die Arena und Stadt und schlich mich durch die unterirdischen Gänge. An ruhigen Momenten versuchte ich mir vorzustellen wer oder was hier vor gut 1800Jahren (!) durchgegangen, ausgeharrt, gejubelt hat. Wenn diese Wände sprechen könnten, würde es ganze Geschichtsbücher, Horrorstories und Theaterdramen ausfüllen. Hie und da berühre ich ehrfurchtsvoll einen Stein oder eine Schwelle. Einkerbungen aus Hunderten von Jahren, bis hin zu den Unverbesserlichen aus der Neuzeit, säumen die Torbögen und Seitenwände. Kratzen Schicht für Schicht die Erinnerungen aus dem Sandstein.

Sieben Pilgerreisen nach Kairouan ersetzen die Pilgerfahrt nach Mekka, so heisst es. Dementsprechend braucht die Stadt auch ein grosses Gebetshaus, die die Massen der Gläubigern aufnimmt . Doch die grosse Moschee schluckt nicht nur die Walfahrer, sondern durch ein ausgeklügeltes System das Regenwasser, das in unterirdischen Zysterne geleitet wird und für rituelle Waschungen zur Verfügung steht. Der Regen aber, der an meinem Besuchstag mir gnädig dieses Sammelsystem vorführte, setzte die Sonnenuhr mitten auf dem Innenhof ausser Betrieb. Diese diente dazu die richtigen Gebetszeiten einzuhalten. Was aber wenn es regnet?
Vielleicht verweilt man dann etwas länger beim Teppichhändler, der aufdringlich sein Wort bricht und es nicht bei einem kurzen Tee bewenden lässt. Viel zu sehr lockt der schnöde Mammon der Pilger und Touristen. So werde auch ich in einen ehemaligen Gouvernorspalast gelockt, darf „gratis“ Fotos schiessen und im hintersten Raum einen Tee entgegen nehmen. Schnelle Hände und Worte entrollen Teppiche und Lobpreisungen vor mir, versperren mir geschickt den Ausweg.
Ohne Teppich ziehe ich weitere Kreise in der Medina, ziehe mich in die eine enge Gasse zurück, finde mich in einem kleinen Park wieder oder lasse mich für eine Tasse starken Kaffees nieder und beobachte das Geschehen auf dem Markt. Wenn ich auch in Kairouan keinen fliegenden Teppich gefunden habe, so beflügelt die Stadt die Fantasie doch ungemein.

Honda Varadero’s Sandfahrt / sand driving

Die Honda Varadero zwar eine super Tourenmaschine aber für Pistenfahrten oder offroad zu schwer und behäbig. Schon gar wenn sie vollgepackt ist. Trotzdem liess es sich auf der Tunesientour nicht immer vermeiden Pisten zu umgehen. Auch dieser kleine Sandverwehung musste gemeistert werden.

Honda Varadero is undoubtely a good touring machine, but not made for rough road or even offroad. Despite that i had to manage some rougher roads in Tunisia and also that little sandhill on the way.

Tunesien; Dahar-Gebirge

Berge mit kurvigen Strassen wollte ich fahren, abgeschiedene Dörfer, die an den Felshängen kleben, finden und burgartige Wohnsiedlungen, Ksar genannt, besuchen. Das alles gibt’s in den Dahar-Bergen im südlichen Tunesien. Leicht legt sich das Motorrad in die Kurven, schraubt sich höher an die Ostseite der kargen Bergkette bis ich hinunter ans Meer sehen kann. Dort unten hinter dem Dunstschleier liegt die Insel Djerba. In der Hochsaison nähern sich von dort Busse, wie Raupen die über den Salat herfallen, spucken Hunderte von Pauschaltouristen in kleinen Dörfern aus. Heute bin ich fast alleine unterwegs. Und das ist gut so. Längere Streckenabschnitte sind mit Kies belegt, auf dem ich dahin schlittere, den aufwirbelnden Staub und Steine der anderen Verkehrsteilnehmer aus dem Weg zu fahren versuche.
Die Zufahrt zu einem Ksar über eine steile unbefestigte Piste hätte ich fast sein lassen, fasste dann doch etwas Mut und fand ein Juwel einer Wohnburg. Wie kleine doppelstöckige Reihenhäuschen schmiegen sie sich eng aneinander, die Rückwand an steiler Felswand gedrängt. Sogar der zerfallene Teil des Ksar hat seinen Reiz, doch ein grosser Teil wurde wieder aufgebaut und zum Hotel umfunktioniert.
Ein Glas Tee stärkt vor der holprigen Weiterfahrt nach Guermassa. Froh meine Beine vertreten zu können, erklimme ich den steilen Weg zu verlassenen Bergdorf hoch. Die Bewohner verliessen ihre Höhlen zugunsten neuer Häuser im Tal. Die Eingänge der Höhlenwohnungen wurden mit Steinmauern umfriedet, worin die Tiere gehalten wurden. Viele Artefakte, wie grosse Tonkrüge, Eisenbeschläge, Mahlsteine, liegen noch herum.
Eine Abkürzung über eine Schotterpiste nach Chenini birgt eine kleine Überraschung in Form eines tiefsandigen Flussbettes. Die Piste an und für schon strapazierte nicht nur die Maschine sondern auch meine Nerven. Und nun diese Passage mit einer abschliessenden Sandverwehung. Immer auf dem Gas bleiben, war vor einigen Tagen Helmuts Tipp, und den beherzigte ich …und kam durch, bzw. drüber.
Chenini war’s aber auch Wert. Die tiefstehende Sonne leuchtete die an die Felsen gebauten Lehmhäuser an und gab ihnen einen märchenhaften Anstrich. Ein herrliches Bild um einen weiteren Reisetag zu beenden.

 

Tunesien; Die Höhlenwohnungen in Matmata

Eigentlich nur ein staubiges Kaff eingepresst zwischen Sahara und Dahargebirge. Viel zu sehen gibt’s hier nicht. Grosse, kraterähnliche Löcher im Boden weisen aber auf die Besonderheit dieser Region hin. Traditionelle Häuser sind in Boden gebaut. Einen grossen Schacht bildet der Innenhof, von wo aus sternförmig die Schlaf- und Aufenthaltsräume in den lehmigen Boden getrieben werden. Darin ist es im Sommer angenehm kühl und im Winter heimelig warm. Ich begnügte mich nicht nur mit einem Spaziergang durchs Dorf, sondern wollte auch in einer solchen Höhlenwohnung übernachten. Nicht nur eine simple Höhle soll es sein. Eine der Höhlenhotels hielt als Filmkulisse für „Star Wars“-Filme her. Da wollte ich die Nacht verbringen. Der Glanz der Filmtage verblich zwar, die Duschen waren verdreckt und funktionierten nicht, die Klos waren undicht und Abwasser rann quer über den Boden. Immerhin waren die Betten in den Zimmer annehmbar, wenn auch nur mit eigenem Bettzeug, bzw. Schlafsack. Ein Teil des Hotel liessen mich aber wieder in andere Planeten versetzen. So speiste ich vor einem intergalaktischem Tor …dessen Zugangscode mir leider nicht bekannt war.

 

Die wüste Tour zum anderen Planeten

Plötzlich standen sie da. Wie rangebeamt. Die zwei Landrover Defender mit ihren Fahrern Helmut und Thomas. Einige Biere am Abend und schon war es besiegelt. Ich folgte ihnen nächstentags in die Öde mit der Varadero. Mein gesamtes Gepäck wurde in Thomas Wagen geladen um meine Maschine leichter zu machen. Das Rütteln auf der Wellblechpiste war trotzdem fast nicht auszuhalten. Verkrampft hielt ich mich am Lenker fest, jede Sekunde mit Kontrollverlust rechnend. Ich starrte beschwörend auf die  Piste, hoffte der Untergrund bleibe hart und befahrbar. Doch Kies und Sand verwandelten den Boden unter den Rädern zu einer schwammig unberechenbaren Masse. Immer auf dem Gas bleiben, so wie Helmut mir riet, damit ich die Spur halten konnte. Leicht gesagt, dachte ich mir während es mich durch Mark und Bein schüttelte. Passiert ist es dann im Tiefsand, beim Versuch eine kleine  Düne zu erklimmen. Zu zögerlich am Gashahn gedreht und schon kippte das schwere Motorrad auf die Seite, begrub meinen Fuss darunter. Zum Glück war Thomas schnell zur Stelle und befreite mich aus der misslichen Lage. Von nun an überliess ich das Sandspielen den Landy-Fahrer. Mir tropfte der Schweiss schon aus jeder GoreTex-Pore.

Die versteinerten Dünen und kristallenen Wüstenrosen schienen es anzukünden. Das intergalaktische Dorf wurde nicht für Menschen gebaut, sondern wurde von Bürger anderen Sternen bewohnt. Runde Formen und sand- bis ockerfarbener Anstrich gaukelten normale Behausungen vor, wären da nicht gebogene Rohren aus dem Erdinneren, seltsame Installationen neben den Eingängen und technische Vorrichtungen auf den Plätzen gewesen. Meine metallische Maschine landete offensichtlich am richtigen Platz, gab sogar Grund für technisches Fachsimpeln und offene Bewunderung seitens einiger Erdlinge mit breitkrempigen Kopfbedeckungen. Nähere Betrachtung der Häuser brachten dann aber viel Maschendraht und Pappmaché hervor. Wir waren am Drehort der „Star Wars“-Filme angekommen!

Für die Rückfahrt tat sich ein unerwartet einfacher, weil neu asphaltierter, Weg auf. In gefühlter Lichtgeschwindigkeit düsten wir an Oasen vorbei und glitten sachte über den grossen Salzsee Chott El Jerid, wo uns eine kurze Rast auf das Ende des Tages einstimmte.