OST-EUROPA-MOTORRADTOUR #25(a): Chernobyl; Check-Points, verlassene Dörfer und ein neuer Sarkophag

Punkt 8:00 Uhr Abfahrt von Kiew, hiess es. Wenn aber der Reisebus erst um 5 vor 8 erscheint und die Teilnehmer nach gebuchten Touren kontrollieren muss, wird’s kaum klappen. Dafür schafften wir es pünktlich zum morgendlichen Berufsverkehr in die Innenstadt. Immerhin war ein kurzer Stopp zum Kaffee tanken eingeplant. Der musste reichen bis zum ersten Check-Point an der 30km-Zone um den verunfallten Atomreaktor.  Hier wurden alle Pässe kontrolliert und mit den Genehmigungen verglichen, die die Reiseagentur im Voraus besorgen musste.

Bei der nordukrainischen Stadt Chernobyl kam ein Reaktor eines Atomkraftwerks in der Nacht vom 26./27. April 1986 ausser Kontrolle und explodierte. Die Folgen waren katastrophal und auf der ganzen Welt zu spüren, bzw. messbar. Radioaktives Material verbreitete sich und machte die nächste Umgebung des Katastrophengebiet für mindestens 20’000 Jahre unbewohnbar. Alle Bewohner innerhalb 30 km wurden evakuiert. Verlassene Dörfer und ganze Städte, allen voran die Stadt Pripyat, die nur knapp drei Kilometer vom explodierten Reaktor lag.

Die ersten Besuche galten verlassenen Dörfer, ihre einfallenden Häuser und düsteren Schulen. In Kindergärten zeugen zurückgelassene Puppen und Schulbücher von ihrer Vergangenheit. Die Natur erobert sich langsam wieder ihr Territorium zurück.

Natürlich gibt’s auch Mahnmale, Gedenkstätte und Erinnerungstafeln, die das Unvergessliche in Erinnerung behalten wollen. Schon fast idyllisch mutet die Umgebung der Kirche an. Sanfte Sonnenstrahlen lassen die Trauben reifen, die wie alles hier, aus einem radioaktiven Boden wächst. Auch die Lenin Statute aus der Zeit der Sowjetunion strahlt ruhig vor sich hin. Selbstbewusst und trotzig steht sie da. Während alle andere Lenin Statuen der Welt gestürzt wurden, darf sie hier weiter vor sich hin strahlen.

Die Spannung steigt mit der Dosis der empfangenen Gammastrahlung. Wir nähern uns der Unfallstelle vor 31 Jahren. Schon von Weitem glitzert der neue Sarkophag silbrig in der Sonne. Nach der Katastrophe wurde eiligst ein Betonbunker über den strahlenden Reaktor errichtet. Dieser musste aber durch eine bessere Lösung ersetzt, bzw überbaut werden. In jahrelanger Arbeit wurde eine Hülle erbaut, die dann über den noch immer strahlenden Reaktor geschoben wurde. Hier eine Animation: https://www.youtube.com/watch?v=6wso-xD0FnU

Der Geigerzähler, der die Radioaktivität misst zeigt noch immer gut über 1.0 msv/h an. Normalwerte sind zwischen 0,1 und 03 msv/h.

 

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