Tunesien; Tozeur

Das verängstigte Blöken des Schafes ist verschwunden. Stattdessen steigt mir ein durchdringender Grillduft in die Nase. Fettiges Fleisch des geschächteten Schafes brutzelt auf dem Rost im Hinterhof des Patrons. Neben dem einfachen Grill liegen noch die weissen Beine des Lammes, die Hufe zu mir gerichtet. Das islamische Opferfest ist im Gange. Einige schwere Tropfen fallen wie Tränen vom Himmel, versiegen aber bald wieder. Gedämpftes Licht dringt durch die graue Wolkendecke und legt die ohnehin leeren Strassen lahm. Alle Geschäfte haben geschlossen, gefeiert wird in den Häusern unter Familie und Freunden. Nur in dem Kaffeehaus neben meiner Unterkunft ist reges Leben auszumachen. Junge und alte Männer strömen herbei, nehmen auf den Plastikstühlen Platz. Zu westlicher Musik, die vom grossen LCD-Bildschirm flimmert, wird Kaffee geschlürft, Wasserpfeife gepafft und Neuigkeiten ausgetauscht. Die Frauen und Mädchen sind zu Hause und bereiten das Festmahl zu oder spazieren in kleinen Gruppen durch die Strassen. Gemütlichkeit ist angesagt.

 

Tunesien: Angekommen!

Jetzt sehe ich es auch, dachte ich mir heute, als ich weiter Richtung Süden fuhr. Das besondere Licht und die Farben Tunesiens, wovon der Maler Paul Klee und seine Kollegen August Macke und Luis Moilliet, während ihrer Tunesienreise 1914 schwärmten. Die drei liessen sich davon für ihre weitere Werke inspirieren. Das Licht Tunesiens will ich ebenfalls einfangen. Mit meiner Kamera. Doch dazu kam ich noch gar nicht. Zu sehr zog es mich weiter nach Süden. Halten zum Fotografieren lag da gar nicht drin. Ganz zu schweigen vom mörderischen Strassenverkehr, der meine ganze Aufmerksamkeit abverlangt. Wenn nicht versteckte Schwellen oder Schlaglöcher die Fahrbahn unsicher machen, dann überholt sicher ein entgegenkommendes Fahrzeug ohne Rücksicht auf Gegenverkehr. So entging ich mehrmals um nur wenigen Zentimeter einem sicheren Flug über die bewundernswerte Landschaft.
Rechts von mir liegen die Tebessa-Berge, die die Grenze zu Algerien bilden. Vor mir breitet sich flaches, karges Land aus. Ein pastellfarbenes, helles Licht lässt den Horizont wachsen und zieht mich immer weiter hinein in das gesuchte Tunesien. Weniger Orte säumen die Strasse in die Wüste. Neben der Strasse sitzen junge und alte Männer bei Kaffee und Wasserpfeife und beobachten die Durchreisenden. Manchmal geselle ich mich dazu. Sofort wird mein Motorrad umringt und ich mit Fragen beworfen. Wieviel Kubik? Wie schnell geht sie? Wieviele Gänge? Und die wichtigste aller Fragen: Was kostet sie?
Vor Tozeur, das Tor zur Wüste, wird die Strecke eintönig und lässt nochmals in Gedanken die Bilder der letzten Tage hochkommen. Vor allem der Besuch der Ausgrabungsstätte Bulla Regia hat es mir angetan. Die baumeisterliche Leistung der alten Römer liessen mich staunen. Um der sommerlichen Hitze zu entkommen, gruben sie für herrschaftliche Villen ein weiteres Stockwerk in den Boden hinab und schmückten die Räume mit herrlichen Mosaiken. Aber seht selbst:

Tunesien: römische Ruinenstadt ‚Douggha‘

Nächtlicher Regen trommelt auf mein Zeltdach und liess mich nochmals zweifeln, ob es wirklich eine gute Idee war das Zelt vor dem Hotel aufzuschlagen. Doch die Erinnerung an die gezeigten Hotelzimmer, mit den ungemachten Betten, der zerquetschten Kakerlaken und dem nassen, mit glibberigem. braunem Zeug übersähtem Boden in der Dusche, liess die Zweifel verschwinden. Tatsächlich lachte am Morgen die Sonne. Ein Besuch der altrömischen Ruinenstadt stand nichts im Wege. Einige Bauten waren erhalten geblieben oder wieder restauriert, so dass die zweieinhalb Stunden Besichtigung im Nu verging. Aber macht euch selbst ein Bild(er):BildBildBildBildBildBildBildBild

Überfahrt!

Die neuste, modernste und schnellste Fähre zwischen Genua und Tunis wurde mir versprochen. Alles gut und recht, wenn da nur nicht die fast fünfstündige Verspätung gewesen wäre. So verbrachte ich genau soviel Zeit auf der Fähre wie bei anderen Gesellschaften auch. Meinen gebuchten Sessel durfte ich frei auswählen, sofern ich willig war über das Gepäck und am Boden schlafenden Menschen zu steigen, um an freie Plätze zu gelangen. Da hatten es die Pauschal-Abenteurer mit ihren von den Offroadtour-Führer gebuchten Zimmer schon besser. Aber die versammelten sich sowieso erst mal lieber an Deck und stiessen auf einen gelungenen Tourstart an, während ihre Pässe und Fahrzeugpapiere von den Organisatoren abgestempelt wurden. Meine Wenigkeit teilte das Vergnügen mit den Hunderten von Tunesiern, die für die bevorstehenden Feiertage nach Hause reisen, am Zollschalter auf dem Schiff anzustehen. Irgendwann nach Mitternacht hatte ich auch den Stempel im Pass und suchte einenPlatz um zu dösen, was gleich neben der Toilette etwas schwierig war. Im Halbschlaf dachte ich so für mich:Ich bin wieder unterwegs…

 

 

Start in Tunesien

Was erwartet man von der Kornkammer Tunesiens? Richtig: Regen! Denn sonst wuerde ja kaum was wachsen. Der Unterschied zu Mitteleuropa zu dieser Jahreszeit sind bestimmt die angenehmeren Temperaturen. Alte roemische Hinterlassenschaften machen die Reise in Nordtunesien trotzdem zu einem Highlight. Im Moment kaempfe ich leider mit dem Computer im Internetcafe um die Bilder von den Ruinen von Douggha hochzuladen. Sie werden aber bald folgen.