Selten fand ich so eine Bereitschaft sich fotografieren zu lassen wie in Hampi. Manchmal wurde ich geradezu bestürmt und um Fotos gebeten, die dann unter Gelächter auf dem Kameradisplay bewundert wurden. Einige konnten mir E-Mailadressen angeben, denen ich ihre Fotos zusenden kann. Für andere druckte ich einige Bilder grad vor Ort aus und brachte sie vorbei. Mit glänzenden Augen nahmen sie den Auszug in die Hand und trugen es in der Nachbarschaft herum. Kann es ein grösseres Lob für einen Fotografen geben als diese Freude zu erleben?
Ein junger Blondschopf, den ich über „vibes“ und andere herzlich esoterische Phrasen reden hörte, um einer bildhübschen Yogalehrerin zu beindrucken, schleppt eine Profikamera herum. Im Restaurant meine Mahlzeit kauend, erlebe ich wie er die Belegschaft herum dirigiert um einzelne Portraits und Gruppenfotos zu machen. Als ich ihm den Tipp geben will wo man gut und günstig Ausdrucke erstellen kann, um den Leuten was zurück zu geben, beginnt er mit Ausflüchten. Die angegebenen Hindernisse wären zu überwinden, doch er verheddert sich in weiteren Ausreden. Leider bringt er sich dabei nicht nur um einige Karmapunkte, sondern verpasst auch, was wirklich schade ist, die glänzenden Augen der Beschenkten.
Kategorie: Uncategorized
Indien; Hampi
Weit verstreut liegen die grossen Felsbrocken und rostbraunrote Hügel um Hampi herum. Davor, dahinter und manchmal auch darauf stehen mehr oder weniger verfallene Tempel. Dazwischen ödes Felsland, Bananen- oder Zuckerrohrplantagen. Der Thungabadra-Fluss teilt die Landschaft in „drüben“ oder „diesseits“ ein. Stundenlang kann man unbehelligt durch die Landschaft wandern, verwachsenen Wege oder ausgetretenen Pfaden folgen, Hügel hoch und runter steigen.
Der Ort Hampi ist auf ein kleines Viertel zusammengeschrumpft, nachdem die Regierung beschloss „etwas“ aus Hampi zu machen. Viele Wohn-, Geschäfts- und Gästehäuser wurden enteignet und die Besitzer mit kleinen Abfindungen abgespeist. Einige Kilometer ausserhalb wurde ihnen ein Stück ödes Land zur Bebauung überlassen. Ohne Strom- oder Wasseranschluss, geschweige denn von Kanalisation. Die Enteigneten sahen sich gezwungen in den umlegenden Dörfer einzumieten, wo die Mietpreise drastisch anstiegen. Somit bleibt den Leuten kaum was übrig, um auf dem von der Regierung „grosszügig“ geschenktem Boden zu bauen. Was mit die Regierung mit dem Grundstück macht, dass sie an sich riss, kann mir niemand genau sagen. Die Gebäude wurden alle dem Erdboden gleich gemacht. Manche mutmassen es gäbe neue grössere Parkplätze, ein Mitarbeiter des archäologischen Departements erklärt, es werden weitere Ausgrabungen gemacht und andere denken, die Regierung will nur die Anzahl Übernachtungsplätze reduzieren und Touristen in die grossen Hotels im nahen Hospet zwingen.
Etwas vom alten Charme ist aber in den alten Gassen hängen geblieben. Kühe kauen am Abfall, Kinder springen die Strassen auf und ab und alte Leute spielen ein Brettspiel mitten auf der Gasse, während daneben Kleider oder Haare an einem Wasserhahn gewaschen werden.
Indien; Cupcake Queen of Bangalore
Dieser Einladung konnte ich einfach nicht widerstehen. Sonali backt für’s Leben gern Cupcakes/Muffins und bereitet die Tage einige Kreationen für ein nachbarschaftliches Weihnachtsfest vor. Mit Familie und Freunde werden verschiedene Teige gemischt, gerührt und gebacken, Zuckerguss und Verzierungen kreiert und schliesslich alles säuberlich für den Anlass am Sonntag aufbewahrt. Das Resultat kann sich sehen und schmecken lassen. Der Anlass wird dann auch zum Erfolg und Leute stehen für die süsse Abwechslung an.
Sri Lanka; Highlights in the Highlands
Wer die Hauptsehenswürdigkeiten in Sri Lanka besuchen will muss tief in die Tasche greifen. Die Regierung hat sich offensichtlich zum Ziel gemacht gut betuchte Pauschaltouristen zu schröpfen und Langzeit-Traveler und Rucksacktouristen von der Insel abzuschrecken. Nur so kann man sich die neue Preispolitik erklären. Touristenmagnete wie der Tempel von Sigriya, Ruinen von Polonarruwa oder ähnliche archäologische Ausgrabungen werden mit Preisen von 25 – 30US$ vergoldet. Tendenz steigend. Das Kombiticket wurde gleichzeitig abgeschafft und damit der Gewinn weiter optimiert. Pauschaltouristen von nahen, internationalen Strandhotels werden in grossen, klimatisierten Reisebusse heran gekarrt, durch die Anlagen geschleust und zielgerichtet in „ausgewählten“ Manufakturen getrieben. Das darunter vor allem die kleinen Geschäfte, Restaurants, Taxifahrer, Gästehäuser leiden, weil immer weniger Individualreisende diesen Abriss mitmachen, scheint die Regierung zu ignorieren. Auch meine Devise lautet, einmal gönne ich mir den Besuch, aber ein zweites Mal mache ich einen Bogen um die Sehenswürdigkeiten, oder gar um die ganze Insel.
Nach viel Kultur, alten, behauenen Steinen und bunten Wand-Gemälden ist wieder Natur und Bewegung angesagt. Das Hochland ruft mit kühleren Temperaturen, üppigen Wälder, grünen Teeplantagen und einigen Wanderrouten. In Ella lockt der gleichnamige Hausberg mit schöner Aussicht, aber auch Wasserfällen, kleinen Tempel und Höhlen.
Bereits auf der Weiterreise nach Nuwara Eliya sind wir eine eigene, kleine Reisegruppe, die per Zug durch das Hochland SriLankas gondelt. Zu viert finden wir ein Gästehaus mit schrillem Anstrich und lustigem Manager. Für die Mahlzeiten werden wir in winzigen Restaurants zum grossen Familientisch bugsiert und mit Reis und Curry gestopft. Ein Verdauungsspaziergang bringt uns mitten durch den örtlichen Golfplatz in die Nähe von Teeplantagen. Eine mit Rasen bestückte Dachterrasse eines noblen Hotels lockt zum Ceylon-Tee. So elegant wie möglich versuchen wir die gefüllte Teetasse an den Mund zu führen und dabei ein süffisantes Lächeln aufzusetzen. Ein erhabener Blick über die Plantagen zur Stadt hinunter bestärkt das Gefühl gerade etwas Besonderes zu geniessen. Und das tun wir wahrlich.
Etwas mehr Schweiss und Willenskraft erfordert der Aufstieg zum Adam’s Peak. Nachts um zwei Uhr stehen drei schläfrige, junge Frauen neben mir und teilen meine Freude über den klaren Sternenhimmel nur bedingt. Stufe für Stufe erklimmen wir den Berg. Je nach Quelle sollen es zwischen 5200 und 5500 Stufen sein, die hoch zum Gipfel und zum Tempel führen. Mit gemütlichen, aber stetem Tempo überholen wir alle vor uns Vorausgegangenen. Klagende Worte ertönen aus den schnaufenden, rastenden Mitsteiger, während wir vier leise leidend an ihnen vorbei ziehen. Nach genau zwei Stunden erblicken wir bei aufkommendem Wind das verschlossene Tempeltor. Ein Raum davor schützt uns vor Kälte und Wind. Langsam füllt sich dieser mit weiteren, meist westlichen Touristen die allesamt den Sonnenaufgang hier oben erleben wollen. Pilger sind nur eine handvoll auszumachen. Die Pilgersaison beginnt mit dem Vollmond im Dezember, wenn der Tempel auch das Allerheiligste öffnet und den Blick zum Fussabdruck Buddhas freigibt. Andere glauben, es wäre der Abdruck von Adam, als er das Paradies verliess und seinen ersten Fuss auf die Erde setzte. Ein kleiner Schritt für einen Mann, aber… Naja, das hatten wir doch schon mal!
Lisa verliess unsere Gruppe, um weitere Highlights von SriLanka zu erkunden, während wir restlichen drei ein paar Tage wohlverdienten Urlaub an der Südküste genossen. Berichte von Kälte und Schnee in Europa ertränkten wir in den warmen Fluten des indischen Ozeans 😉
Sri Lanka; Felsentempel bei Sigiriya, Höhlentempel in Dambulla
Sri Lanka; Kandy
Meine Finger drücken den Reis zu kleinen Bällchen, geben etwas von der scharfen Curry am Tellerrand hinzu und mengen von der delikaten Kokosnuss-Gemüsepaste bei. Genüsslich schiebe ich das würzige Essen in Mund, gefolgt von mehreren Augenpaaren. Jal’s Mutter sagt etwas auf singhalesisch und deutet auf mich. „Sie will wissen, ob das Essen zu scharf ist. Soll sie weniger Chilli verwenden?“ übersetzt mir der 35jährige, der in Dubai wohnt und zurzeit bei seinen Eltern auf Besuch weilt. Mein Mund brennt, aber hinter der Schärfe folgt ein vollmundiger Geschmack nach etlichen Gewürzen dieser Insel. Ich beruhige die Mutter und lobe ihr vorzügliches Essen. Erstaunlich was sie in der simplen Küche auf dem Holzfeuer zustande bringt.
Jal und ich verlassen das Haus durchqueren den Garten mit Gemüsebeeten, Papaya-Bäumen, Kokospalmen, Avocados und sogar einzelne Ananas, kommen an den familieneigenen Teeplantagen vorbei und überqueren brachliegende Reisfelder. Reis anzubauen und zu ernten wäre aufwendiger und kostenintensiver als der indische Billigreis vom Markt, erklärt mir der Bauernsohn.
Im Dorf nehmen wir uns ein „Tuktuk“, ein dreirädriges, knatterndes Zweitakt-Vehikel, das hierzulande als Taxi genutzt wird. Damit klappern wir mehrere Tempel der Gegend ab, besuchen eine Teefabrik und landen über Umwege in Kandy. Jal als Einheimischer, darf überall gratis rein, während die Touristen, für hiesige Verhältnisse tief in die Tasche greifen muss. Immerhin hilft mir die srilankische Begleitung, dass ich in den Restaurants nicht allzu sehr abgezockt werde. Bei der abendlichen Vorführung des „Kandyan Dance“ und Feuershow bin ich dann wieder ganz der Tourist.
Ganz anders verhält es sich am nächsten Tag im kleinen Dorf von Jal. Seine Mutter ist nicht nur eine fabelhafte Köchin, sondern auch die Mathe-Lehrerin in der örtlichen Schule. Ihre Einladung, einen Blick ins Klassenzimmer zu werfen, nehme ich gerne an. Am Eingang der ehemals christliche Missionsschule steht ein Buddha-Schrein mit Weihrauch und kleinen Opfergaben. In zwei Gebäuden sind insgesamt vier Klassen zu ca. 25 Schüler untergebracht. In Nebenräumen befinden sich Lehrerzimmer, Bibliothek, sowie ein Sitzungszimmer, das auch für den Chemieunterricht und –Experimente benutzt wird. Bemerkenswert ist wie die Kinder konzentriert der Lehrerin lauschen, obwohl die Klassen nur von dünnen, halbhohen Wänden abgegrenzt werden.
Die Regierung bietet den Kindern nicht nur eine kostenlose, obligatorische Schulbildung an, sondern bietet auch die Schulbücher, Schuluniform und ein Frühstück, bestehen aus Reis und Curry, gratis an. Die Frühstückspause nutzen die Lehrer mich bei Tee und Gebäck über die Unterschiede und Besonderheiten der europäischen Schulen zu befragen und mir ihre Chemie-Utensilien und Bibliothek zu zeigen. Mit einem Ständchen der Schüler werde ich verabschiedet.
Nacht über Dubai
Vom Dach eines Wolkenkratzers zeigt sich Dubai von seiner schillerndsten Seite. Noch bevor die Stadt im Dunkeln unter zu gehen droht, setzt sie sich aus lauter Lichtpunkten neu zusammen.
Über www.couchsurfing.org bot mir Christian freundlicherweise seine Couch ein. Er führte mich auch auf die Dachterrasse, von wo aus wir einen gigantischen Blick über das nächtliche Dubai genossen.
sandige Piste in Oman
Auf der Suche nach einem ruhigen Campingplatz kann man in Oman schon mal auf eine sandige Schotterpiste kommen. Der PKW machte es aber ganz gut.
Oman; Maskat, Wadi Shab und der Souk von Nizwa
Der Duft des Weihrauchs führt mich von den verwinkelten Gassen in den alten Souk von Maskat. Unter einem hölzernen, mit Schnitzereien und Bildern verzierten Dach werden Parfum, Duftstoffe, silberne Dolche, Gewürze, Textilien und viel Touristenramsch angeboten. Es scheint kein Kreuzfahrtschiff im Hafen zu liegen. Der Markt ist ruhig. Träge sitzen die Händler zwischen ihren Waren und springen beflissen auf wenn sich ihnen doch ein potenzieller Kunde nähert. Ich erliege nicht ihren Preisungen, trinke stattdessen lieber einen Kaffee mit Blick über den Hafen am Ende des schattigen Marktes. In der Mittagshitze machen viele ihre Läden zu, geben sich bei der flauen Kundschaft lieber einer Siesta hin oder besuchen die kühle Moschee. Der Sultan hat seinem Volk eine riesige Moschee geschenkt. Sie steht unmittelbar neben der Stadtautobahn wäre aber auch so nicht zu übersehen gewesen. Alles daran und darin ist neu, gross und opulent. Marmorböden mit dicken Teppichen bedeckt, Wände mit Mosaiken und Türen mit Schnitzereien verziert. Klein kommen sich der Gläubige, und der Tourist, in der riesigen Gebetshalle unter den swarovski-glitzernden Kristalllüstern vor. Das soll wohl auch so sein. Staunend kommen Busladungen von Touristen rein, folgen dem Reiseführer durch die Vorgärten zu den Waschräumen, um dann kameraklickend ins Heiligtum zu treten.
Von der grossen Terrasse von Kevins Penthouse-Wohnung schaue ich auf den nächtlichen Stadtverkehr, der unter mir vorbeibraust. Der Ire bestätigt meine Erfahrungen auf arabischen Strassen. Geschwindigkeitslimiten werden nicht eingehalten, Verkehrsregeln nicht beachtet. Das Gesetz des Stärkeren gilt. Darwin wäre stolz auf die Araber. Mit dem kühlen Bier in der Hand unterhalten wir uns über Oman, seine Bewohner und die Gastarbeiter, die hier ihr Glück versuchen. Wenn auch Maskat nicht so schillernd und protzig wie das benachbarte Dubai ist, so steckt viel mehr Lebensqualität in Oman. Dies bestätigen mir etliche Fremdarbeiter, wie auch Tori, die sich später zu uns gesellt. Auch sie drehte ihrer Heimat, den Philippinen, den Rücken, erlag dem Reiz des Orients und dem Versprechen einer guten Zukunft. Zu dritt machen wir uns nächsten tags auf nach der Schönheit des Landes zu forschen. Eine neue Autobahn schneidet sich schnurstracks durch die flirrende Wüste. Uraltes Gebirge liegt faltig und rissig am Ende der öden Steinwüste, die bis an die Küste lechzt. Auf halber Strecke machen wir Halt in einem kleinen Fischerdorf, wo die Einheimischen wirklich noch Fischer sind. „Guck mal wie schön es hier ist! Der Ort hat grosses Potenzial ein touristischer Anziehungspunkt zu werden“, äussert sich Kevin. Eine kleine Halbinsel vorm Ort bildet einen natürlichen Hafen. Der gepflegte Park, mit Blick auf die bunten, am Strand ruhenden Fischerboote, wird von einigen Familien zum Picknick benutzt. Ein alter Wachturm ragt still aus dem Wasser der Bucht, bietet ein weiteres Fotosujet in dieser idyllischen Gegend.
Nach etwa 200 Kilometer, ein Klacks in diesem Land, fahren wir auf einen vollbesetzten Parkplatz am Rande einer Schlucht, wo ein Fluss in das Meer mündet. Ein Getümmel an verschleierten Frauen neben westlichen Bikini-Girls, Omanis in ihren weissen Dishdash neben bunten T-Shirts, planschenden Kinder neben Sonnenbadende. Durchs seichte Wasser watende Erholungsuchende machen zwei Allradfahrzeuge Platz, die ihr Offroadvergnügen auf Wanderwegen suchen. Ich lasse meine teure Nikon lieber im Auto zurück, packe aber die kleine Schnappschusskamera ein. Damit habe ich gut getan. Über Felsbrocken klettern, durch hüfttiefes Wasser waten, an Wänden vorbei zwängen und an Palmen vorbeiwandern, diese Schlucht hat alles zu bieten. Zwischendurch ein erfrischendes Bad im lauen Wasser und anderen beim Springen von hohen Felsvorsprüngen zujubeln.
Um die Kultur nicht zu kurz kommen zu lassen fahren wir noch am neuen Opernhaus von Maskat, wiederum ein Geschenk des Sultans an sein Volk, vorbei, um auf eine Party mit Salsa (absolut hip in Maskat) und Shisha (Wasserpfeife) zu gehen.
Nizwa besticht nicht nur mit seinem mächtigen Fort und der interessanten Ausstellung darin, sondern hat auch seinen Souk für Touristen richtig schön herausgeputzt. Frisches Gemüse und Obst, Fleischwaren und Fisch, aber auch Tonkrüge und jede Menge Waffen, von alten Musketen bis zu silbernen Krummdolche sind zu finden. Das quirlige Treiben hält mich nicht all zu lange auf. Die Wüste ruft. Gegen Abend zweige ich von der Hauptstrasse in eine Schotterpiste die bald sandiger wird. Umdrehen ist wegen den Sandwällen an der Seite nicht möglich. So bin ich gezwungen weiter zu fahren bis eine festere Fläche neben der Piste das befahren mit dem PKW erlaubt. Die mit Akazien bestückte Ebene zieht sich bis zum Hajar-Gebirge hin, das nun am Horizont rot von der Abendsonne angeleuchtet wird. In friedvoller Stimmung baue ich mein Zelt auf und schaue zu wie die Sonne den Sternen Platz macht.
Oman; Hajar-Gebirge
Der Wind hat sich gelegt. Die dünnen Zeltwände zittern nur noch wenn ich mich im Schlafsack drehe. Den musste ich mir nachts holen weil es deutlich kühler wurde. Winter in der omanischen Wüste. Vor dem Sonnenaufgang stehe ich vor dem winzigen Zelt, esse Früchte zum Frühstück. Als grosser Ball zieht sich die Sonne hinterm Horizont hervor. Kräftiges Licht überstrahlt die blassen Farben des Morgens und vertreibt auch die letzten Sterne. Zelt und Matratze sind schnell im Kofferraum verstaut. Unterwegs denke ich an den vorherigen, ersten Tag in Oman zurück. Sohar, die Stadt in der angeblich Sindbad geboren sein soll, war eher enttäuschend. Keine richtige Altstadt auszumachen, keine verwinkelte Medina mit geheimnisvollen Türen, mit versteckten Winkeln, in denen noch Teile des Schatzes des berühmten Seefahrers auf ihre Entdeckung warten. Der vielgerühmte Strand war ein kilometerlanger Sandstreifen begrenzt durch eine ebenso lange Betonpromenade. Immerhin fand ich an der Küste diesen Strandabschnitt zwischen zwei Ortschaften. Familien kommen hierher zum Picknicken, Verliebte fahren für ein verstecktes Tete-a-tete her, Kinder spielen am Meer mit Muscheln und Jugendliche joggen von einem Ort zum anderen. Am späten Abend sind sie alle wieder weg und lassen mich mit ihrem Müll alleine. Unbehelligt kann ich hier campen.
Ich erreiche wieder das Hajar-Gebirge, das ich schon auf dem Weg nach Oman überquerte. Die Strassen sind in einem ausserordentlich guten Zustand. Nur mit der Beschilderung hapert es ab und zu. Manchmal sind die Wegweiser nur in einer Richtung angebracht, oder sie fehlen plötzlich gänzlich. Das führte mich auch schon zu einer kafkaesken Rundreise durch die Berge. Verheissungsvolle Wege führten mich ins Leere, änderten unvorhersehbar ihre Richtung, endeten in einem Dorf vor einer unüberwindbaren Felswand und führten mich schliesslich wieder zum Ausgangspunkt zurück. Auch gelegentliches Nachfragen in der dünnbesiedelten Bergwelt half nicht, denn man zeigte mir mehrmals den Weg zurück, wo ich herkam. Irgendwann schien ich die richtige Strasse erwischt zu haben, kreuzte gar wieder meine alte Spur und es tat sich der Berg – wie ein Sesam-Öffne-Dich – vor mir auf und liess mich auf die andere Seite. Diesmal frage ich in Al Hazm nach dem Weg nach Rustaq. Ein freundlicher Omani im traditionellen Dishdash lädt mich erst zum Kaffee ein, der in kleinen Tassen und mit viel Zucker serviert wird, und erklärt mir seelenruhig den Weg, will wissen woher ich komme und wohin ich gehe. Gute, alte Nomaden-Manier.
Die Wassertemperatur der Quelle in Rustaq soll etwa 45°C betragen. Das schreckt mich nicht ab. Nach zwei Campingnächten lechze ich nach einem Bad. Es braucht wiederum mehrmaliges Nachfragen bis ich die kleine Quelle entdecke. Sie liegt ummauert hinter einer schmucklosen Moschee. Durch einen schmalen Kanal wird das Quellwasser in ein Badeareal geleitet, das wiederum ummauert ist. Eine Sektion für muslimische Männer, eine weitere für muslimische Frauen reserviert. Da ich dazu erst konvertieren müsste, lass ich es bleiben. Schliesslich führt mich die Route über Nakhla, was eine weitere Badegelegenheit verspricht.
Die Festung von Nakhla ist tatsächlich so sehenswert wie es mein bescheidener Reiseführer verspricht. Viele verschachtelt angelegte Räume mit bunten Kissen ausgestattet, zinnen bewehrte Terrassen mit grandiosem Ausblick über die Oasenstadt und dickwandige Türme mit Kanonen bestückt wird es zur Traumburg eines jeden Knabentraums. Ich lasse mir Zeit zur Besichtigung, erfühle das Alter der groben Wände, rieche den Staub der Jahrhunderte in stickigen Gemächern, erdenke mir das Leben vergangenen Epochen.
Schweiss auf meiner Stirn erinnert mich wieder an die Gegenwart und die Dringlichkeit des Bades. Nicht weit entfernt finde ich die versprochene Quelle. Neben dem grossen Parkplatz fliesst ein bescheidenes Flüsschen. Immerhin scheint es Wasser zu geben. Noch auf dem Parkplatz weist ein grosses Schild in mehreren Sprachen auf das wertvolle Gut Wasser hin und mahnt diese Ressource zu schützen und vor allem nicht zu verschmutzen. Gleich vor diesem Schild werden Autos gewaschen. Eine ölige Lache zieht quer durch den Parkplatz hinab zum Flussbett. Kopfschüttelnd erreiche ich die eigentliche Quelle. Aus einem tiefen Loch im Fels sprudelt zirka 32°C warmes Badewasser in ein Becken. Ich geselle mich zu den Jungs, die fröhlich drin planschen. Wohlig umspült mich das temperierte Nass, erfrischt und belebt, besser als jede Duschgelwerbung es beschreiben könnte.
Lange bin ich an diesem Abend noch wach. Nicht wegen des erfrischenden Bades, sondern weil mein vermeintlich idyllischen Campingplatzes in einem tiefem Talkessel auch noch bis zehn Uhr nachts von Baustellenlärm tangiert wird. In der Nähe wird an einer neuen Strasse gebaut, scheinbar ohne Unterbruch. Im Dunkeln packe ich mein Zelt, fahre ein paar Dutzende Kilometer zurück und finde schliesslich am Fuss des Gebirges auf einer steinigen Ebene ein ruhiges Schlafplätzchen unter glitzerndem Sternenhimmel. Eine letzte Sternschnuppe erfüllt mir den Wunsch eines erholsamen Schlafes 🙂

































































































