Der Wetterbericht für den Nordwesten sagt starken Regen voraus. So wählen wir die Route im Nordosten wofür die Voraussage ‚vielleicht weniger Regen‘ heisst. Die triefend nassen Zelte auf die Motorräder geschnallt, geht’s in die erste Regenwolke rein. Die autobahnähnliche Strecke ist so langweilig wie nass. Neben der Strasse finden sich abgebrochene Feldtore, eingestürzte, verlassene Häuser und verwahrloste Friedhöfe. Nicht eine sehr belebte Gegend, dafür kommen wir schnell voran. In John O’Groats erreichen wir den nördlichen Punkt. Der Wind schiebt uns beinahe über die Klippen. Mit Sicherheit werden aber die Regenwolken weggeschoben und die Zelte getrocknet.
Scotland, the highlands
Die Motorräder durchschneiden den leisen Wind, das sonore Brummen verliert sich über der grün-hügeligen Landschaft und die Sonne spiegelt Flecken vor den Augen. Wolken, harmlos und verspielt, ziehen heran, türmen und verdichten sich zu drohenden Monster. In der Einöde taucht ein Gebäude auf, bietet sich rettend an bevor die ersten Tropfen fallen. Der dünne, milchige Kaffee höhnt meinen Gaumen, doch in der warmen Stube lässt sich der Regenguss gut ausharren. Die Wirtin lächelt freundlich, verliert einige Worte über das Wetter und die Motorräder. Etwas zaghaft folge ich ihrer Aufforderung mich in der angrenzenden Bar umzusehen. Schweres, dunkles Interieur mit altmodischen Sitzbezügen wirken bieder und farblos. An der Wand hinter der Bar aber funkelt es. Dutzende von Flaschen hängen kopfüber wie Stalaktiten in der Trinkerhöhle. 337 verschiedene Whiskeysorten warten hier auf den Kenner. Noch bevor die Versuchung die Flaschen zum Tropfen bringen sind wir auf den Rädern, jagen den fliehenden Wolken nach, die einen dramatischen Kampf mit der Sonne fechten. Die schweren Steinhäuser und Schlösser trotzen der Witterungen, unsere Zelte tun jeweils ihr Bestes. Es gibt ja immer wieder Möglichkeiten Unterschlupf in einem Pub oder Whiskeyfabrik zu finden. Bei der Degustation des 18jährigen Whiskeys denken wir uns; Schottland ist doch gar nicht so übel.
Edinburgh, the „Fringe“ festival
The Fringe Festival! Dreitausend Vorführungen in drei Wochen. Ungezählte Strassenkünstler, Musiker, Magier und Gaukler mit der Kulisse der Altstadt. Strassencafés, Restaurants and Bars bis in die Morgenstunden. Und eine Einladung einer Reisebekanntschaft. Acht Jahre war die letzte Begegnung her, doch es war mir als wäre es letzte Woche gewesen. Sie hätte mich gerne in ihrer Herberge übernachten lassen, versicherte sie mir, aber die ist nur für Frauen offen. Immerhin kam ich in den Genuss eine hausgemachte, vegetarische Lasagne in eben dieser Herberge im Kreise einer netten, weiblichen Gesellschaft einzunehmen. Der anschliessende Besuch eines satirischen Kabaretts verlief etwas komplikationsreicher. Mein gelbes T-Shirt schien aus der Menge zu leuchten und animierten den Bühnenkomiker immer wieder mich für irgendwelche Sprüche aufzufordern. Doch was will ich verirrter Schweizer mit ihrem Glasgow-, Manchester- oder was-weiss-ich-für-ein-Akzent erwidern? Kylie, meine Begleitung, schien mich zwei Tage später aus Schuldgefühl in eine weitere Vorstellung einzuladen. Dieses Mal war es eine unverfängliche Zirkusvorstellung mit Akrobatik, Gesang, Magier, Tanz und Varieté mit viel Haut …und ich trug dunkle Kleidung.
Über Stunden liess ich mich durch die vollen Strassen treiben, schnappte einige Tricks hier auf oder horchte einige Takte dort. Das Leben pulsierte, die Masse bewegte sich und bot unentwegt lustige, spannende, nachdenkliche Momente, die mal mit Kamera, mal nur mit einem Gedanken oder einem Blick eingefangen werden konnte. Einige Impressionen davon könnt ihr in der Foto Galerie sehen.
Edinburgh, the old city
Die Altstadt zieht sich vom Schloss der „königlichen Meile“ entlang bis zum neuen schottischen Parlament. Cafes, Restaurants and Pubs neben Souvenirshops und Kiltmacher, buhlen um Käufer. Touristen hören den Strassenmusiker zu oder lassen sich mit berockten Dudelsackspieler ablichten. Das Klischee will erlebt und fotografiert werden. Da tun einige besinnliche Minuten im ruhigen Licht der Kerzen in der Kathedrale gut.
Edinburgh, das Schloss, the castle
Die Motorräder gleich vor das Shakespeares Pub gestellt. Wir sind im mittelalterlichen Edinburgh angekommen. Den ersten Eindruck wollten wir uns im Schloss, das über der Stadt thront, holen. Wie verirrtes Vieh werden die Besucher durch die Toren geschleust, in die Vorplätze des Schlosses getrieben, von wo aus sie sich verteilen, immer auf der Suche nach was Besonderem, was Neuem, was Ausserordentlichem oder einem Kaffee. Die Schlange der Besucher hat den Löwe als Zeichen der Macht schon längsten abgelöst. Wer geduldig wartet wird mit schmucken Rüstungen, imposanten Gemälde und dem modrigen Duft des Mittelalters belohnt. Die schottischen Kronjuwelen hinterlassen genau so ein starker Eindruck wie die dunklen Verliese im nachgeahmten Kerker. Jetzt aber wieder raus an die frische Luft der freien Strassen.
Welcome to Scotland
In Newcastle ausgeschlafen von der Fähre gerollt. England begrüsst meinen Motorradkumpel Steffen und mich mit Sonnenschein. Die ersten Kurven führen uns gegen Norden, non-stop am letzten Café von England vorbei. Der erste Kaffee gönnen wir uns später mit einmaliger Kulisse der Jedburgh Abtei. Doch zuvor muss noch die Grenze zu Schottland passiert werden. Standesgemäss werden Ankömmlinge mit klagenden Klänge aus dem Dudelsack empfangen, was mit klickenden Foto-Stakkato von Touristen beantwortet wird. Ein sonniger Spaziergang in Jedburgh, die ersten alt-schottischen Gemäuer inspizieren und erste Eindrücke von dem Land gewinnen. Wir sind angekommen.
Ablegen in Ijmuiden mit Kurs auf Newcastle
Amsterdam Impressionen
Nach langer Zeit wieder mal die Luft in den Grachten geschnuppert, Kaffee am Damrak und Bier am Niuwe Markt gertrunken …und viel mit alten Freunden gelacht. Hier einige Impressionen:
After long time i smelled the air of the canals again, drunk coffee and beer …and had a lot of laughter with old friends. See some impressions of the city:
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Mit Stolz und Dankbarkeit durfte ich meine Kuba-Fotos für den Bericht von einer Freundin und Journalistin Renata Malkes zur Verfügung stellen.
Proud and grateful to see my photos in the story about Cuba from my friend and journalist Renata Malkes.
Direkter Link zum Bericht:
Direct link to the story:
http://oglobo.globo.com/mundo/sem-fla-flu-na-ilha-dos-castros-13021532
und zur Fotoserie:
and to the photo gallery:
http://oglobo.globo.com/mundo/as-contradicoes-de-cuba-13019383
Stadtbummel in Beirut/Libanon
Nach dem Bürgerkrieg wurde richtig aufgeräumt. Neue Gebäude und restaurierte Sehenswürdigkeiten prägen das Stadtbild von Beiruts Zentrum. Unzerstört ist die Gastfreundschaft hier. Als ich einem Freund gegenüber mein Vorhaben erwähnte, die langen Stunden des Stop-Overs mit einem Stadtbummel verstreichen zu lassen, bekam ich postwendend eine Einladung für die Stadtführung. Seine Freundin holte mich vom Flughafen ab und erzählte mir bereits auf der kurzen Fahrt in die Stadt über das Leben hier. Manche Strassen sind für den Verkehr gesperrt. Schwer bewaffnete Einheiten kontrollieren die Zufahrt. Die Einwohner gehen aber unbeeindruckt ihrer Tätigkeit nach. So schlendern auch wir durch moderne Einkaufpassagen, vorbei an Moscheen und Kirchen und halten kurz vor Relikten aus der antiken Zeit. Während mir meine Begleiterin geduldig die Geschichte und neuere Entwicklungen erörtert, klicke ich mich durch die Strassen. Unser Spaziergang führt bis ans Meer und der Promenade entlang, auf der Sportler, Fischer und Schwimmer ihren Platz für ihre Passion finden. Nahe eines Vergnügungspark finden wir ein Café mit Blick auf die vorgelagerten Felsformationen. Ich erfrische mich an einem Limonensaft mit Minze, erfreue mich an der Pracht der Stadt und ihrer Umgebung, die so friedlich am Mittelmeer liegt.
Auf dem Weg zurück zum Flughafen, an Stacheldraht gesicherten Zonen vorbei, erörtern wir nochmals das Leben unter ständiger Gefahr eines Konfliktes und der Bombendrohungen. Nichts ahnend, dass in der gleichen Nacht eine Autobombe in der Nähe von unschuldigen Fussballfans in die Luft gehen wird. Glücklicherweise kam, ausser der Selbstmordattentäter, dabei niemand ums Leben.
