Valle de los Ingenios

 

Früher, da schossen mit dem Zuckerrohr auch die Auswüchse der Sklaverei und Intrigen in den Himmel. Legenden von Ärzten, die ihre Gutsherren vergiften um an ihre hässlichen Frauen zu kommen. Das nur um diese zu bezirzen, zu heiraten und einem schnelleren Ableben zu verhelfen, damit der Weg zum Erbe frei wird. In der Nachbarschaft streiten sich zwei Söhne um eine schöne Mulattin. Ein Wettbewerb sollte die Herrschaft über sie regeln. Wer höher baut oder tiefer gräbt bekommt die dunkle, gutgebaute Trophäe. Während der eine einen Brunnenschacht grub, baute der Zweite einen Turm zur Beobachtung der Sklaven auf den Felder. Die Bauten endeten unentschieden. Was mit der Mulattin passierte erfuhr ich nicht. Wahrscheinlich ist die in der Zwischenzeit von einem Dritten geschnappt worden.

Heute schnappen Touristen nur noch nach Luft wenn sie sich auf den Turm schleppen. Unten warten dann eine Reihe Verkäufer um ihre Ware los zu werden. Der gepflegte Tourist reist im überteuerten (Touri-) Zuge. Wir heuer ein noch teureres Taxi an. Die Hoffnung damit weiter zu kommen und mehr zu sehen schwindet spätestens als der Taxifahrer selbst nach dem Weg fragen muss. Die Frage nach weiteren sehenswerten Dinge oder Orte werden mit unverständlicher Miene quittiert. Neben einer ehemalige Hazienda, nun zum Restaurant und Reitstall ausgebaut, bietet eine Eisenbahnbrücke ein Fotosujet. Schöne Gegend hier, meinte der Taxifahrer und brachte uns zurück nach Trinidad.

Zeitreisen in Trinidad

Ernesto sitzt im Schatten neben seinen Gummistiefel. Die müssen heisse Füsse machen, bemerke ich. Ja, aber auf dem Feld bin ich froh um die Stiefel, entgegnete er mir. Die Stadt endet abrupt bei einem alten Haus umgeben von Büschen und Bäumen. Pferdekarren ziehen vorbei, rattern über jahrhundertalte Pflasterwege. Pferde werden mitsamt Lasso vor den Häusern parkiert, wo auch ein Metzger stolz sein halbes Schwein zeigt und das Kuba beflaggte T-Shirt über den Wanst spannt. In diesem abgelegenenTeil der Stadt scheint die Zeit noch stehen geblieben zu sein. Je mehr man sich dem Plaza Mayor, dem zentralen Platz der Stadt, kommt, desto eher wirkt es museal, weniger lebendig. Die Geschichte wird noch in den Kolonialhäusern am Leben gehalten. Dank meiner Begleiterin, die mir das Spanische geduldig und perfekt übersetzt, bekomme ich einige geschichtliche Hintergründe samt Klatsch und Tratsch zu hören. Dies muss natürlich abends weiter bei einem Bier erörtert werden. Ein sturmartiger Regenguss hindert am Verlassen der Bar. Also nochmals hinsetzen und den Kellner rufen. „Una cerveza, por favor!“

Die Strassen von Trinidad

Schelmisch guckt die Kleine durch das vergitterte Fenster auf mein Frühstück. Als ich die Kamera zücke schwingt sie reflexartig ihre Hüfte zur Seite und lächelt noch breiter. Es scheint ein gutes Omen für den Tag auf Trinidad’s Pflastersteinen zu sein. Das muss aber erst noch warten. Der scheue Junge auf dem Pferdekarren bringt vor Angst keinen Ton von sich. In der Bibliothek durchdringt beschämt das Klicken meiner Kamera durch die klosterhafte Stille. Der Drechsler zeigt mir grinsend durch das Kreischen seiner Maschinen, dass er taubstumm ist und deshalb meine Fragen nicht beantworten kann. Diego mit Down-Syndrom versucht gestenreich mich Blödmann auf irgendwas aufmerksam zu machen, was ich aber nicht kapiere. Und die fächelnde Schülerin hat nur einen verächtlich gelangweilten Blick für mich übrig. Wer kann’s ihr bei der Mittagshitze verübeln. Ricardo ist da schon etwas redseliger. Zwei seiner sechs bis sieben Zigarren täglich hat er immer griffbereit, wartet geduldig auf vorbeiziehende Touristen, die ihm Abwechslung und etwas Geld bringen. Mit ähnlicher Geduld musiziert die Band auf dem nächsten Platz, bringt die flirrende Luft zum Tanzen.
Angelica stolziert verspielt mit ihrem Sonnen-Regenschirm, während ihr Spielgefährte Maicol versucht sich einen gefundenen Riesenschuh überzuziehen. Von der Hitze fliehend, vorbei am Schweinekopf des Metzgers, findet sich ein kühler Innenhof, überwachsen mit Farnen, Efeu und Mangobäume. Erst gegen Abend macht man sich wieder auf um den Salsklängen auf den Plätzen zu lauschen oder -noch besser- gleich ausserhalb der Stadt in die Höhlen-Disco durch die Nacht tanzen.

 

Einen Tag in Cienfuego

 

Ha! Natürlich will er Geld. Und zwar aussschliesslich die kubanische Ausländerwährung `Cuban Convertibles`, kurz CUC genannt, die dem US Dollar etwa äquivalent ist. Wer so nett und gekonnt mit Strohut und Zigarre posiert hat’s aber auch verdient. Da mögen die Gebrüder Castros noch so sehr ihren Sozialismus von den Wänden predigen, sobald „Dollars auf Beinen“ auftauchen guckt man gerne von den Plakaten weg auf die Brieftaschen der Touristen. Genau so wechselhaft kann auch das Wetter hier sein. Brennt gerade noch die Sonne ihre stechenden Strahlen in die bleiche Haut, wird sie Minuten später von einem Regenguss gekühlt. Innert wenigen Momente nass werden oder irgendwo unterstehen und sich einige Minuten gedulden. Bald schon verziehen sich die Wolken wieder, damit der Nacken weiter brennen kann. Am Fischerhafen vorbei spaziert. Die aus Styropor gebaute Titanic ist auch noch nicht gesunken. Dafür könnte sie fast auf der wassergefüllten Allee in den Stadtpark schippern. Dort taucht eine 15jährige Prinzessin mit Gefolge auf, wird von allen Seiten fotografiert und bewundert, schleppt ihr Kleid kreuz und quer durch den Stadtpark und lächelt mit ihren Hochglanz-Vorbilder um die Wette. Wenn ein Mädchen ihr 15. Lebensjahr erreicht, wird das als Eintritt ins Erwachsenenalter gefeiert. Mit grossem Pomp wird aus dem Mädchen eine junge Frau. Vor dem Fotograf in Pose werfen ist dabei noch die kleinste Herausforderung. Das können die Kubanerinnen schon bestens von klein auf.

Kuba’s ewige Revolution

Dass die mobilisierte Menschenmasse in Kuba nicht ganz freiwillig zum 1.Mai Umzug aufmarschieren ist kein grosses Geheimnis mehr. Es wurde aber in den 55 Jahren seit der andauernden Revolution zum festen Bestandteil der Kultur. Aus der Pflicht wird ein Volksfest gemacht. Tanzend zu kubanischen Klänge bewegt sich die Masse vorwärts. Fahnen und Banner werden geschwungen, Sprüche skandiert. Auch aus dem Ausland begaben sich ganze Reisgruppe zu dem Ereignis. Auf ihren T-Shirts das Konterfei von „El Che“ bedruckt, lassen sie sich für’s heimische Fotoalbum fotografieren.

Die Route ist kürzer als gedacht. Über den „Platz der Revolution“, wo von Tribünen geladene Gäste runterschauen, geht’s in eine grosse Allee, wo sich die Massen aber bereits wieder zerstreuen. Weitergefeiert wird in den verschiedenen Quartieren und kleinen Bierbuden.

 

 

Die Strassenkreuzer von Havanna

Sie sind in Massen anzutreffen, haben schon längstens museumsreife erlangt und fahren trotzdem immer noch auf den Strassen Kubas; Amerikanische Strassenkreuzer aus den 50er Jahren und noch älter.

Viele sind in einem erbärmlichen Zustand, knattern, scheppern und rauchen. Andere wiederum wurden sorgfältig restauriert und dienen nun für Touristenfahrten für gutes Einkommen harter Devisen.

Havanna; Ankunft in Kuba

 

Havanna, die quirlige Hauptstadt Kubas. Alte sitzen vor ihre Häuser und schauen dem Treiben auf der Strasse zu, Menschen stehen Schlange um ihre Rationen auf den Lebensmittelkarten gegen Brot einzutauschen und Musiker verzaubern die Luft in der Hoffnung einige begehrte Dollars in ihren Hüten wieder zu finden.

Die ersten Eindrücke von Cuba sind geprägt vom Leben in den Gassen, von vorbeigleitenden Ami-Karossen aus den 50er Jahrenund der Musik und Tanz am Abend an der Uferpromenade.

 

 

Memory of the victims of Tsunami 2011.3.11 in Japan

A candle is burning on my desk, not only as a tribute for all the victims from the tsunami in Japan three years ago, but also as reminder to respect the power of nature over our (radioactive) technology. A radioactive-free future is possible …and needed!

Eine Kerze brennt auf meinem Schreibtisch. Zum Gedenken an die Opfer vom Tsunami am 11.März 2011, aber vor allem auch als Erinnerung, dass die Naturgewalten höher einzuschätzen sind als unsere (radioaktive) Technologie. Eine atomfreie Zukunft ist möglich …und nötig!

私たちは忘れてはいけない
より安全な未来への希望

WEF 2014 Davos; Letztes Schönreden

WEF 2014 Davos. Hinter verschlossenen Türen werden Milliardengeschäfte gemacht, über Politik verhandelt, mit Beziehungen gedealt. Vor Fotografen wird gelächelt, vor Fernsehkameras geheuchelt und vor Publikum Hände feierlich geschüttelt. Eine Sparte der“ öffentlichen Teilnahme“ für’s gemeine Volk bildet das Open Forum Davos. Eine Parallelveranstaltung zu dem jedermann/-frau eingeladen ist mit Grössen aus Politik und Wirtschaft über aktuelle Fragen zu diskutieren. Zur Verfügung stellten sich keine geringere als Kofi Annan, ehemaliger Generalsekretär der UNO, amtierender Bundespräsident Didier Burkhalter, Martin Schulz, Präsident des EU Parlament,  oder Vorsitzende und CEOs von Nestlé, Coursera, Swiss Air, Hublot, Julius Bär Bank oder Novartis.

Über diese Tage besuchte ich so viele Podiumsgespräche als möglich. Mit der letzten illustren Runde erreichte die Lobhudelei, über die Wirtschaft und Politik im allgemeinen und über die Schweiz und Schweizer/innen im Besonderen, ihren Höhepunkt. Das Thema ‚Die Schweiz nach Öffnung des Bankgeheimnis‘ wurde missbraucht um dem Publikum Sand in Form von positiven Phrasen und optimistischen Zukunftsvisionen in die Augen zu streuen. Die Gehirne des Publikums konnten aber nicht umnebelt werden, wie viele kritische Fragen ins offene Mikrofon zeigten. Angesprochene Themen wie Menschenrechtsverletzungen in Länder der neuen Märkten, Investitionsmangel in neue, zukunftsträchtige( Energie-)Märkte oder das Teilen des gerühmten Reichtum der Banken wurden wortreich umschifft. Das Forum-Gespräch im Internet: Hier klicken!

Wer am Samstag noch nicht abgereist war, hatte noch die letzte Möglichkeit am Frühstücksbuffet Kontakte zu knüpfen oder interne Themen zu erläutern. Letzte Statements wurden vor Kameras gegeben und noch einmal die frische, klare Alpenluft geschnuppert. Schon sind die Aufräumarbeiten im vollen Gange. Restaurants, Hotels und Läden brechen die WEF-Fassaden und Einrichtungen ab und verladen sie in grosse LKWs. Sie verschwinden in eine unbekannte Halle, so wie all die positiven Aussichten und Versprechen irgendwohin weggestellt werden und verstauben. Ob ich damit unrecht habe, wird die Zukunft zeigen.

Der abendliche Spaziergang oberhalb Davos lässt mich auf einen ruhigen Ort hinunterblicken und stelle fest: Die Kirche steht noch mitten im Dorf!

WEF 2014 – Davos; Jagd auf Prominente / chasing the VIPs

Kofi Annan, ehemaliger UNO-Generalsekretär, gehört unbestritten zu den populärsten Figuren am WEF. Dementsprechend gross war auch der Andrang als er am Open Forum Davos angekündigt wurde, um sich zum Thema Immigration zu äussern (http://www.openforumdavos.ch/de/ist-einwanderung-zu-begruessen-oder-nicht.html) . Eine halbe Stunde vor Beginn waren bereits alle Plätze vergeben. Empörte Stimmen aus der Menschenmasse fordern dennoch Einlass und warteten gedrängt vor dem Eingang. Mit etwas Glück wurde ich immerhin in den Nebensaal gelassen, wo weitere 60 Personen die Podiumsdiskussion am Bildschirm mitverfolgen konnten. So war ich von Kofi Annan nur durch eine Mauer und ein halbes Dutzend Polizeibeamten getrennt.

Draussen auf der Strasse macht sich ein Dudelsackspieler für Filmaufnahmen bereit und muss auch gleich als Fotosujet für knipswütige Passanten – zu denen ich mich selber zähle – herhalten. Professionelle Fotografen und Filmteams eilen durch die Strassen, halten Ausschau nach hochrangigen Persönlichkeiten oder warten neben ausgerolltem, roten Teppich vor dem Kirchner-Museum auf Prominenz.

Das abendliche Open Forum – Thema über Ethik und Kapitalismus liess Gemüter erhitzen (http://www.openforumdavos.ch/de/lohnt-sich-der-versuch-eines-ethischen-kapitalismus.html). Ob sich diese Gegensätzlichkeiten vereinen lassen konnte nicht geklärt werden. Das Ziel, eine Diskussion unter den Zuschauer zu entfachen, wurde mit Sicherheit erreicht. Diese Gespräche und Gedankenaustausch setzen sich bis in die Bar fort.