Einige Bilder aus Dubai:
Einige Bilder aus Dubai:
Eine unwirkliche Welt tut sich vor mir auf. Gebäude die in Himmel ragen, mehrspurige Autobahnen, überall Shoppingcentre and Funparks. Es fühlt sich an wie ein riesiges Disneyland. Dass hier Leute leben und arbeiten ist schwer zu glauben, doch einige Freunde tun das hier. Sie erzählen vom Alltag, nehmen mich mit zum nächtlichen Volleyball oder zur Wassershow vor dem höchsten Gebäude der Welt.
Shopping ist natürlich ebenso angesagt. Gerne begleite ich Freunde durch die alten Souks und in die modernen Einkaufshäuser. Von Klamotten über elektronischem Spielzeug bis hin zu Möbel ist alles zu haben. Wenn aber ein simpler Schuhbändel reisst sucht man stundenlang für Ersatz 😉
Wenn eine Einkaufspause angesagt ist, sind neben Cafés und Restaurants auch andere Ablenkungen vorhanden. Ob ein riesiges Aquarium, echtes Eisfeld oder Spielhölle samt Achterbahn, alles da in Dubai, alias To-Buy!
Mein Reiseführer versprach ein mindestens so grosses, wenn nicht grösseres Amphitheater wie das Colloseum in Rom. Nun, in Rom war ich nie, aber was mir in El Jem zu Gesicht kam, liess mir den Mund offen stehen. Und das mitten auf der Strasse als ich mit gut 100km/h um eine lange Kurve zog. Die gewaltigen Mauern sind schon von weit her sichtbar. Einen Stadtplan brauchte ich nicht, sondern peilte einfach die sonnenbeschienen Aussenwände an.
Im Inneren irrte ich durch hohe Torbögen, überblickte die Arena und Stadt und schlich mich durch die unterirdischen Gänge. An ruhigen Momenten versuchte ich mir vorzustellen wer oder was hier vor gut 1800Jahren (!) durchgegangen, ausgeharrt, gejubelt hat. Wenn diese Wände sprechen könnten, würde es ganze Geschichtsbücher, Horrorstories und Theaterdramen ausfüllen. Hie und da berühre ich ehrfurchtsvoll einen Stein oder eine Schwelle. Einkerbungen aus Hunderten von Jahren, bis hin zu den Unverbesserlichen aus der Neuzeit, säumen die Torbögen und Seitenwände. Kratzen Schicht für Schicht die Erinnerungen aus dem Sandstein.
Sieben Pilgerreisen nach Kairouan ersetzen die Pilgerfahrt nach Mekka, so heisst es. Dementsprechend braucht die Stadt auch ein grosses Gebetshaus, die die Massen der Gläubigern aufnimmt . Doch die grosse Moschee schluckt nicht nur die Walfahrer, sondern durch ein ausgeklügeltes System das Regenwasser, das in unterirdischen Zysterne geleitet wird und für rituelle Waschungen zur Verfügung steht. Der Regen aber, der an meinem Besuchstag mir gnädig dieses Sammelsystem vorführte, setzte die Sonnenuhr mitten auf dem Innenhof ausser Betrieb. Diese diente dazu die richtigen Gebetszeiten einzuhalten. Was aber wenn es regnet?
Vielleicht verweilt man dann etwas länger beim Teppichhändler, der aufdringlich sein Wort bricht und es nicht bei einem kurzen Tee bewenden lässt. Viel zu sehr lockt der schnöde Mammon der Pilger und Touristen. So werde auch ich in einen ehemaligen Gouvernorspalast gelockt, darf „gratis“ Fotos schiessen und im hintersten Raum einen Tee entgegen nehmen. Schnelle Hände und Worte entrollen Teppiche und Lobpreisungen vor mir, versperren mir geschickt den Ausweg.
Ohne Teppich ziehe ich weitere Kreise in der Medina, ziehe mich in die eine enge Gasse zurück, finde mich in einem kleinen Park wieder oder lasse mich für eine Tasse starken Kaffees nieder und beobachte das Geschehen auf dem Markt. Wenn ich auch in Kairouan keinen fliegenden Teppich gefunden habe, so beflügelt die Stadt die Fantasie doch ungemein.
Die Honda Varadero zwar eine super Tourenmaschine aber für Pistenfahrten oder offroad zu schwer und behäbig. Schon gar wenn sie vollgepackt ist. Trotzdem liess es sich auf der Tunesientour nicht immer vermeiden Pisten zu umgehen. Auch dieser kleine Sandverwehung musste gemeistert werden.
Honda Varadero is undoubtely a good touring machine, but not made for rough road or even offroad. Despite that i had to manage some rougher roads in Tunisia and also that little sandhill on the way.
Berge mit kurvigen Strassen wollte ich fahren, abgeschiedene Dörfer, die an den Felshängen kleben, finden und burgartige Wohnsiedlungen, Ksar genannt, besuchen. Das alles gibt’s in den Dahar-Bergen im südlichen Tunesien. Leicht legt sich das Motorrad in die Kurven, schraubt sich höher an die Ostseite der kargen Bergkette bis ich hinunter ans Meer sehen kann. Dort unten hinter dem Dunstschleier liegt die Insel Djerba. In der Hochsaison nähern sich von dort Busse, wie Raupen die über den Salat herfallen, spucken Hunderte von Pauschaltouristen in kleinen Dörfern aus. Heute bin ich fast alleine unterwegs. Und das ist gut so. Längere Streckenabschnitte sind mit Kies belegt, auf dem ich dahin schlittere, den aufwirbelnden Staub und Steine der anderen Verkehrsteilnehmer aus dem Weg zu fahren versuche.
Die Zufahrt zu einem Ksar über eine steile unbefestigte Piste hätte ich fast sein lassen, fasste dann doch etwas Mut und fand ein Juwel einer Wohnburg. Wie kleine doppelstöckige Reihenhäuschen schmiegen sie sich eng aneinander, die Rückwand an steiler Felswand gedrängt. Sogar der zerfallene Teil des Ksar hat seinen Reiz, doch ein grosser Teil wurde wieder aufgebaut und zum Hotel umfunktioniert.
Ein Glas Tee stärkt vor der holprigen Weiterfahrt nach Guermassa. Froh meine Beine vertreten zu können, erklimme ich den steilen Weg zu verlassenen Bergdorf hoch. Die Bewohner verliessen ihre Höhlen zugunsten neuer Häuser im Tal. Die Eingänge der Höhlenwohnungen wurden mit Steinmauern umfriedet, worin die Tiere gehalten wurden. Viele Artefakte, wie grosse Tonkrüge, Eisenbeschläge, Mahlsteine, liegen noch herum.
Eine Abkürzung über eine Schotterpiste nach Chenini birgt eine kleine Überraschung in Form eines tiefsandigen Flussbettes. Die Piste an und für schon strapazierte nicht nur die Maschine sondern auch meine Nerven. Und nun diese Passage mit einer abschliessenden Sandverwehung. Immer auf dem Gas bleiben, war vor einigen Tagen Helmuts Tipp, und den beherzigte ich …und kam durch, bzw. drüber.
Chenini war’s aber auch Wert. Die tiefstehende Sonne leuchtete die an die Felsen gebauten Lehmhäuser an und gab ihnen einen märchenhaften Anstrich. Ein herrliches Bild um einen weiteren Reisetag zu beenden.
Eigentlich nur ein staubiges Kaff eingepresst zwischen Sahara und Dahargebirge. Viel zu sehen gibt’s hier nicht. Grosse, kraterähnliche Löcher im Boden weisen aber auf die Besonderheit dieser Region hin. Traditionelle Häuser sind in Boden gebaut. Einen grossen Schacht bildet der Innenhof, von wo aus sternförmig die Schlaf- und Aufenthaltsräume in den lehmigen Boden getrieben werden. Darin ist es im Sommer angenehm kühl und im Winter heimelig warm. Ich begnügte mich nicht nur mit einem Spaziergang durchs Dorf, sondern wollte auch in einer solchen Höhlenwohnung übernachten. Nicht nur eine simple Höhle soll es sein. Eine der Höhlenhotels hielt als Filmkulisse für „Star Wars“-Filme her. Da wollte ich die Nacht verbringen. Der Glanz der Filmtage verblich zwar, die Duschen waren verdreckt und funktionierten nicht, die Klos waren undicht und Abwasser rann quer über den Boden. Immerhin waren die Betten in den Zimmer annehmbar, wenn auch nur mit eigenem Bettzeug, bzw. Schlafsack. Ein Teil des Hotel liessen mich aber wieder in andere Planeten versetzen. So speiste ich vor einem intergalaktischem Tor …dessen Zugangscode mir leider nicht bekannt war.
Plötzlich standen sie da. Wie rangebeamt. Die zwei Landrover Defender mit ihren Fahrern Helmut und Thomas. Einige Biere am Abend und schon war es besiegelt. Ich folgte ihnen nächstentags in die Öde mit der Varadero. Mein gesamtes Gepäck wurde in Thomas Wagen geladen um meine Maschine leichter zu machen. Das Rütteln auf der Wellblechpiste war trotzdem fast nicht auszuhalten. Verkrampft hielt ich mich am Lenker fest, jede Sekunde mit Kontrollverlust rechnend. Ich starrte beschwörend auf die Piste, hoffte der Untergrund bleibe hart und befahrbar. Doch Kies und Sand verwandelten den Boden unter den Rädern zu einer schwammig unberechenbaren Masse. Immer auf dem Gas bleiben, so wie Helmut mir riet, damit ich die Spur halten konnte. Leicht gesagt, dachte ich mir während es mich durch Mark und Bein schüttelte. Passiert ist es dann im Tiefsand, beim Versuch eine kleine Düne zu erklimmen. Zu zögerlich am Gashahn gedreht und schon kippte das schwere Motorrad auf die Seite, begrub meinen Fuss darunter. Zum Glück war Thomas schnell zur Stelle und befreite mich aus der misslichen Lage. Von nun an überliess ich das Sandspielen den Landy-Fahrer. Mir tropfte der Schweiss schon aus jeder GoreTex-Pore.
Die versteinerten Dünen und kristallenen Wüstenrosen schienen es anzukünden. Das intergalaktische Dorf wurde nicht für Menschen gebaut, sondern wurde von Bürger anderen Sternen bewohnt. Runde Formen und sand- bis ockerfarbener Anstrich gaukelten normale Behausungen vor, wären da nicht gebogene Rohren aus dem Erdinneren, seltsame Installationen neben den Eingängen und technische Vorrichtungen auf den Plätzen gewesen. Meine metallische Maschine landete offensichtlich am richtigen Platz, gab sogar Grund für technisches Fachsimpeln und offene Bewunderung seitens einiger Erdlinge mit breitkrempigen Kopfbedeckungen. Nähere Betrachtung der Häuser brachten dann aber viel Maschendraht und Pappmaché hervor. Wir waren am Drehort der „Star Wars“-Filme angekommen!
Für die Rückfahrt tat sich ein unerwartet einfacher, weil neu asphaltierter, Weg auf. In gefühlter Lichtgeschwindigkeit düsten wir an Oasen vorbei und glitten sachte über den grossen Salzsee Chott El Jerid, wo uns eine kurze Rast auf das Ende des Tages einstimmte.
Das verängstigte Blöken des Schafes ist verschwunden. Stattdessen steigt mir ein durchdringender Grillduft in die Nase. Fettiges Fleisch des geschächteten Schafes brutzelt auf dem Rost im Hinterhof des Patrons. Neben dem einfachen Grill liegen noch die weissen Beine des Lammes, die Hufe zu mir gerichtet. Das islamische Opferfest ist im Gange. Einige schwere Tropfen fallen wie Tränen vom Himmel, versiegen aber bald wieder. Gedämpftes Licht dringt durch die graue Wolkendecke und legt die ohnehin leeren Strassen lahm. Alle Geschäfte haben geschlossen, gefeiert wird in den Häusern unter Familie und Freunden. Nur in dem Kaffeehaus neben meiner Unterkunft ist reges Leben auszumachen. Junge und alte Männer strömen herbei, nehmen auf den Plastikstühlen Platz. Zu westlicher Musik, die vom grossen LCD-Bildschirm flimmert, wird Kaffee geschlürft, Wasserpfeife gepafft und Neuigkeiten ausgetauscht. Die Frauen und Mädchen sind zu Hause und bereiten das Festmahl zu oder spazieren in kleinen Gruppen durch die Strassen. Gemütlichkeit ist angesagt.
Jetzt sehe ich es auch, dachte ich mir heute, als ich weiter Richtung Süden fuhr. Das besondere Licht und die Farben Tunesiens, wovon der Maler Paul Klee und seine Kollegen August Macke und Luis Moilliet, während ihrer Tunesienreise 1914 schwärmten. Die drei liessen sich davon für ihre weitere Werke inspirieren. Das Licht Tunesiens will ich ebenfalls einfangen. Mit meiner Kamera. Doch dazu kam ich noch gar nicht. Zu sehr zog es mich weiter nach Süden. Halten zum Fotografieren lag da gar nicht drin. Ganz zu schweigen vom mörderischen Strassenverkehr, der meine ganze Aufmerksamkeit abverlangt. Wenn nicht versteckte Schwellen oder Schlaglöcher die Fahrbahn unsicher machen, dann überholt sicher ein entgegenkommendes Fahrzeug ohne Rücksicht auf Gegenverkehr. So entging ich mehrmals um nur wenigen Zentimeter einem sicheren Flug über die bewundernswerte Landschaft.
Rechts von mir liegen die Tebessa-Berge, die die Grenze zu Algerien bilden. Vor mir breitet sich flaches, karges Land aus. Ein pastellfarbenes, helles Licht lässt den Horizont wachsen und zieht mich immer weiter hinein in das gesuchte Tunesien. Weniger Orte säumen die Strasse in die Wüste. Neben der Strasse sitzen junge und alte Männer bei Kaffee und Wasserpfeife und beobachten die Durchreisenden. Manchmal geselle ich mich dazu. Sofort wird mein Motorrad umringt und ich mit Fragen beworfen. Wieviel Kubik? Wie schnell geht sie? Wieviele Gänge? Und die wichtigste aller Fragen: Was kostet sie?
Vor Tozeur, das Tor zur Wüste, wird die Strecke eintönig und lässt nochmals in Gedanken die Bilder der letzten Tage hochkommen. Vor allem der Besuch der Ausgrabungsstätte Bulla Regia hat es mir angetan. Die baumeisterliche Leistung der alten Römer liessen mich staunen. Um der sommerlichen Hitze zu entkommen, gruben sie für herrschaftliche Villen ein weiteres Stockwerk in den Boden hinab und schmückten die Räume mit herrlichen Mosaiken. Aber seht selbst:
Nächtlicher Regen trommelt auf mein Zeltdach und liess mich nochmals zweifeln, ob es wirklich eine gute Idee war das Zelt vor dem Hotel aufzuschlagen. Doch die Erinnerung an die gezeigten Hotelzimmer, mit den ungemachten Betten, der zerquetschten Kakerlaken und dem nassen, mit glibberigem. braunem Zeug übersähtem Boden in der Dusche, liess die Zweifel verschwinden. Tatsächlich lachte am Morgen die Sonne. Ein Besuch der altrömischen Ruinenstadt stand nichts im Wege. Einige Bauten waren erhalten geblieben oder wieder restauriert, so dass die zweieinhalb Stunden Besichtigung im Nu verging. Aber macht euch selbst ein Bild(er):






