Aqaba, das untere Ende

 

Okay, seien wir mal ganz ehrlich: Aqaba hat nicht wirklich was zu bieten. Eine in der Hitze schlummernde Stadt, die nicht mal zum Abend erwacht. Nachtleben hat sich in die Wüste davongemacht. Strände bieten nur wenigen Einheimischen ein bisschen Meer zum planschen. Die Tauchreviere sind teilweise vermüllt. Und auch der Rest -von Moschee bis zu Mc Donalds- kann man woanders besser finden. Einziger Trost finde ich im überteuerten Café mit leckerem Eiskaffee und nettem Kellner und dem billigen Hookah (Wasserpfeife) –Garten mit Fussball-WM Übertragung und kaltem Hibiskus Getränk.

Im Wüstental Wadi Rum

 

 

Steile Felswände grenzen die Wüste immer wieder ein. Dazwischen winden sich unzählige Spuren wie ein Labyrinth, in dem sich unser Fahrer blind auskennt. Zielsicher landen wir an verschiedenen herausragende Örtlichkeiten wie die Quelle von Lawrence von Arabien, seiner damaligen Hütte, einem natürlichen Felsenbogen oder einer roten Düne zum Sandboarden. Immer wieder Felszeichnungen und eingemeisselte uralte Schriften, die gemäss unserem Fahrer Ahmed mehr als 2000 Jahre alt sein sollen und den Islam beschreiben. „Moment mal! Die religiösen Schriften sind älter als die Religion selber?“ frage ich Ahmed. Der bejaht und zeigt eine weiter Inschrift, die den Namen Mohammed (den Gründer des Islams) zeigen soll. Ebenfalls über 2000 Jahre alt, wird im Brustton der Überzeugung von Ahmed beteuert. Stumm scheint’s die kleine Reisegruppe zu schlucken.

Die Felsenstadt Petra

 

In Fels gehauene Geschichte, in Gruften begrabene Vergangenheit, in Höhlen versteckte Geheimnisse. Petra.

Ein Regenbogen begrüsst uns am Eingang. Gezaubert aus der Verschwendung von Wasser, das einmal sorgfältig gesammelt durch die enge Schlucht geleitet wurde. Ein ausgeklügeltes System versorgte die Felsenstadt mit allem was es brauchte. An weiten Handelsrouten gelegen entstand hier eine Metropole des Überflusses, das viele Tempel, Gebäude, Strassen und Gräber zurückliess. Heute ziehen jeden Tag Hunderte von Touristen durch, auf dem Weg ihren Abenteuerdurst zu stillen. Die stolzen Nomaden helfen ihnen dabei, führen sie in Pferdekarren oder auf Kamel- und Eselsrücken durch die Schluchten und auf Berghöhen. Einige bleiben wenige Stunden, andere ein paar Tage. Die gesamte Stadt wird man aber nie zu Gesicht bekommen. Es gibt zu viele versteckte Täler und Gräber in der Felsenwüste. Ganz zu schweigen von all den archäologischen Schätzen, die noch immer unterm festen Sandboden begraben liegen.

 

 

 

Kings Road: Madaba – Berg Nebo – Totes Meer – Burg Kerak

Kings Road: Madaba – Berg Nebo – Totes Meer – Burg Kerak    

 

In kurzer Zeit fanden sich fünf Reisende zusammen, die gemeinsam ein Auto mit Fahrer charten, um eine Tour von Amman bis Petra zu unternehmen. Statt im Bus auf der langweiligen Wüstenautobahn nach Süden zu brettern, wollen wir auf der abwechslungsreichen Kings Road einige interessante Orte anfahren. Madaba besticht durch das Mosaik einer Landkarte in der Michaelskirche. Auf dem Berg Nebo soll Moses dazumal übers Tote Meer ins gelobte Land geblickt haben, es aber bekannter weise nie erreicht haben. Auch wir kommen nur bis zum Toten Meer, wo wir an einem öffentlichen Strand über Müll hinweg ins Wasser steigen. Einige Rohbauten versprechen Touristen anzulocken, und hoffentlich den Strand aufzuräumen. Die klotzige Burg Kerak aus der Zeit der Kreuzritter enthüllt unerwartet viele versteckte und verschachtelte Gänge und Räume in ihrem Inneren. Wir durchstöbern es bis uns der Hunger in die nächste Schnellimbissbude treibt. Der Rest der Fahrt führt durch abwechslungsreiche Wüstengegend. Trockene Hochebenen wechseln mit zerklüfteten Tälern ab. Staudämme und kleine Grünflächen zaubern Farbtupfer in die Landschaft. Kurven und Schafherde bremsen die zügige Reise, die dann in Wadi Musa bei einem Ständchen in Gästehaus endete.

Die Säulen von Jerash

 


 

 

Eine altrömische Stadt liegt zerstört unter der glühenden Sonne Jordaniens. Säulen der Vergangenheit weisen den Weg durch die Geschichten der ehemaligen Einwohner, der Pferderennen im Hippodrom, den Spielen in den Theatern bis hin zu den Opfergaben in den Tempeln. Einfach eintauchen, sich in die Zeiten zurückversetzen und treiben lassen.

Ankommen in Amman

 

 

Das erste sichere Zeichen, dass ich in Jordanien gelandet bin, brachte mir der Muezzin vom nahesten Minarett. Ein tiefgehender Gesang, melodiös und harmonisch. Kein schepperndes Geplärre wie von anderen Orten gewohnt. Es begleitete mich durch die dunklen Strassen zur Unterkunft und am nächsten Morgen aus der Stadt zum toten Meer.

Der hohe Salzgehalt lässt Salz sogar am Grund des Toten Meeres auskristallisieren. Bunte Muster zieren den Küstenverlauf. Schlieren bilden sich sobald man die Oberfläche berührt. Doch das eindruckvollste ist der Auftrieb wenn man im warmen Wasser schwimmt. Einfach reinliegen und treiben lassen.

Die Zitadelle mit ihren römischen Überresten und der Zeit der  Omayyaden gibt nicht nur einen Überblick der Stadt, sondern bietet den Kindern auch genug wind ihren Drachen steigen zu lassen.

Durch die schmalen Gassen hinunter zu den Märkten, vorbei an Kaffebars, Falafelküchen und zwielichtigen Kinos.

Vor Tagesende noch ein letztes untrügliches Zeichen der arabischen Welt; das gemütliche Paffen einer Wasserpfeife.

Bewohner aus Camagüey

 

2014 Cuba-412  Everardo ist Nichtraucher. Seine Lunge verträgt es nicht, erklärt er mir. Die riesigen Zigarren, die er mit sich rumträgt und auch daran kaut, sind tatsächlich kalt. Eine reine Touristenattraktion, mit der er etwas Geld verdient. Jeden Tag sitzt er am Plaza de San Juan de Dios und erwartet die Busladungen von Pauschaltouristen.

2014 Cuba-448

 

Pedro wechselt vor dem Teatro Principal die Zündkerzen aus. Seine 30jährige, deutsche MZ läuft aber wie geschmiert, versichert er mir. Natürlich braucht sie Wartungen, aber die lässt sich an der elektronikfreien Maschine problemlos selber machen.

2014 Cuba-453

Baber murmelt fast unverständlich in seinen Bart. Argwöhnisch betrachtet er mich. Fremde kaufen selten bis gar nie bei ihm ein. Mit einem Karren schiebt er sein Gemüse jeden Tag in die Stadt und versucht etwas davon in den Gassen zu verkaufen. Ob er immer am selben Ort steht, frage ich ihn. Mit einer ausladenden Armbewegung meint er; Nein, in der ganzen Stadt.

2014 Cuba-457

2014 Cuba-458

 

Norberto bringt sich in Pose sobald sich jemand mit Kamera nähert oder zumindest wie ein Tourist aussieht. Die frapante Ähnlichkeit mit der Bronzefigur neben ihm klärt er    schnell auf. Er war vor über zehn Jahren das Modell für die Künstlerin, die etliche Skulpturen für den Platz de Carmen schuf. Heute will auch er was von den Devisen abbekommen, die Fremde ins Land schwemmen.

2014 Cuba-483

Omar hält schwitzend sein Fahrradtaxi am Strassenrand. Während die Rolling Stones mit 40 Sattelschlepper auf Welttour sind, braucht er gerade mal sein Dreirad um die sämtlichen Instrumente einer Band zu transportieren.

2014 Cuba-456

 

Jorge und Enier graben im Innenhof für eine Kanalisation. Mir fallen Jorges Narben auf. Besonders die an der Kehle. Wie vermutet von einer Trachotomie (Atemröhrenschnitt zur künstlichen Beatmung). Als Kind fiel er von grösserer Höhe und verletzte sich schwer. Das ist aber lange her und heut bin ich wieder ganz gesund, sagt er und schaufelt weiter.

 

2014 Cuba-454

 

Die Dame schaut verschmitzt zur Touristengruppe, die ich gerade fotografiere. Dann beginnt sie zu erzählen. Nein, sie wohne nicht schon immer in Camagüey. Als sie von ihrem Heimatort in der von Santiago de Cuba berichtet bekommt sie glasige Augen und der blick schweift in die Ferne. Sie redet schnell, ergriffen, so dass ich nur einen Teil verstehe. Unmissverständlich ist aber die Sehnsucht, die geweckt wurde und auch keine weiteren Erklärungen mehr braucht.

2014 Cuba-417

 

 

 

Alianda wird mir von ihrer Mutter vorgestellt als ich in einer Bar am Schreiben war. Während die Mutter an der Türe verharrt setzt sich die junge Kubanerin ungefragt an meinen Tisch und guckt mir beim Schreiben zu. Geduldig warten die zwei ob ich ein Gespräch einfädeln und ein Getränk spendieren werde. Vermeintlich reiche Touristen sind Ziel von vielen Frauen (und ihren Müttern) und werden als Chance der Armut zu entkommen gesehen.

2014 Cuba-420

 

 

Yuly verwundert sich, was ich denn so viel zum Schreiben hätte. Neugierig guckt sie in mein Heft, kann aber weder meine Schrift entziffern, noch die deutsche Sprache verstehen. Sie besorgte sich so eben einige Eier für ihre Familie. Gleich um die Ecke wohnt sie mit ihrer Mutter und ihrer 10-monatigen Tochter, erfahre ich. Der Vater des Kindes sei mit einem Boot nach Florida geflüchtet. Seit dem habe sie nichts mehr von ihm gehört.

2014 Cuba-4772014 Cuba-475

 

 

 

Zwei Männer unterhalten sich an der Bar, rufen mir zu, ich solle ein Foto machen. Der Dicke wohnt in der Stadt, während der Jüngere ein Exil-Kubaner aus Miami ist. Er komme etwa alle zwei Monate nach Kuba auf Besuch. Probleme bei der Ein- und Ausreise (als Exil-Kubaner) habe er nie gehabt, versichert er mir. Viele Junge wollen „rüber“ ins gelobte Land, wo Wohlstand herrscht. Er hat’s geschafft.

2014 Cuba-484

 

 

 

Pedro, der Taubstumme, hält sich gerne bei den Touristen auf, liest ihnen von den Lippen und ergattert sich ab und zu ein Bier mit seiner lustigen Art. Ich treffe ihn öfters an. Ein herzensguter Mensch, der nach einem Arbeitsunfall den Job verlor und seither arbeitslos ist. Irgendwelche Entschädigungen oder finanzielle Unterstützung kriegt er nicht. Trotzdem hat er seinen Humor und gute Laune behalten. Nur manchmal, wenn ich ihn in der Bar bei Neuankömmlinge beobachte wie er den Clown spielt, würde ich gerne auch unter diese Maske schauen können.

2014 Cuba-497

 

 

 

Antonio stolpert in die Bar. Er bettelt jeden für einen Schluck Alkohol oder einige Cents an. In seinem Kiefer ist ein einzelner, schwarzer Zahn übrig geblieben. Die Leute treiben Schabernack mit ihm, ziehen ihn wegen dem einzelnen Zahnstummel auf. Er präsentiert ihn mir für ein Foto in der Hoffnung auf etwas Geld. Der Zahn ist nicht was mich interessiert. Ich will sein wahres Gesicht sehen.

 

 

 

 

 

Cuba; Im Labyrinth von Camagüey

 

Die Strassen sind verwinkelt, biegen mal nach links oder folgen sachte und unbemerkt einer Rechtskurve. Sie gleichen nicht -wie im Reiseführer beschrieben- einer arabischen Medina, sondern unterliegen einer ganz eigener undurchschaubarer Struktur. Vielleicht ist das gerade der Reiz, der auf mich wirkt. Stunden- und tagelang ziehe ich durch die Gassen, gucke in Innenhöfe, entdecke neue, kleine Plätze und dunkle Kneipen. In einigen davon setze ich mich nieder, beobachte das Treiben oder schreibe in mein Heft. Meist bleibe ich nicht alleine, werde entweder schon auf der Strasse angesprochen oder in der Bar mit einem Augenzwinkern aufgefordert ein Getränk zu spendieren. Und doch wirken die Menschen etwas reservierter, weniger aufdringlicher. Wenn man sie anspricht sind sie aber offen, erzählen von ihrem Leben, lassen einen kleinen Einblick. Hier erst einmal einige Impressionen aus der Stadt. Mehr Geschichten von ihren Bewohner werden folgen.

Spaziergang durchs Quartier Tivoli

 

 

Der Stadtteil Tivoli in Santiago de Cuba gilt als lebhaft. Da muss ich hin. Am frühen Abend sind die Strassen voll spielenden Kinder, schwatzenden Jugendlichen und Erwachsene, die ruhig die Szene beobachten. Einige verkaufen Früchte und Gemüse aus ihrem Garten, andere spielen Schach oder Domino. Ein 93-jähriger demonstriert unter den Augen der Nachbarn, dass er trotz Hüftprobleme noch kräftige Arme hat, die er auch noch täglich trainiert. Noch schlimmer ist Fidel dran, der beide Beine verlor. Er nutzt die öffentliche Fitnessanlage zur Kräftigung der Arme. Behände hievt er sich zurück in seinen Rollstuhl und zeigt mir stolz seinen aufgereckten Daumen. Andere Probleme wälzen grad die zwei jungen Frauen, die sich in ihrem kleinen Beauty-Salon für das geeignete Design für ihre Nägel finden wollen. Alle diese Szenen lasse ich auf mich einwirken, halte hier mal für einen Schwatz oder trinke dort mal einen schnellen Kaffee. Die Nacht legt sich tiefblau über die Stadt. Unterm lauen Gelblicht der Strassenlaternen sammeln sich die Dominospieler wie Motten bis der nächste Stromunterbruch sie nach Hause zwingt.

Santiago de Cuba

Durch die Strassen wandern und Augen, vor allem aber auch die Ohren offen halten. Musik ertönt. Sich davon leiten lassen, auf einen Platz ankommen und sich dem Genuss der kubanischen Rhythmen hingeben. Cha-cha-cha oder Salsa, es zieht Menschen an. Im Parque Cespedes hört Oskar mit. Der junge Kubaner überrascht mich mit guten Deutschkenntnisse. Ein Onkel von ihm lebt in Deutschland, erzählt er mir. In seiner Sonnenbrille spiegelt sich die Kathedrale als ich mich von ihm verabschiede.

Nicht weit weg steht eine Band mitsamt einem Lochstreifen gesteuerter Orgel. Daneben spielen Männer und einige wenige Frauen Domino. Umrundet von Zuschauer werden sie beobachtet und angefeuert.

In der Mittagszeit wird es in den Quartierstrassen ruhiger. Im Schatten ist ein Frisör am Werk. Kinder spielen in Wasserlachen. Andere halten auf den Schulbänken eine kurze Siesta. Es ist fast so ruhig wie auf dem Friedhof Santa Ifegenia. Dort gucken bedächtig Marmorfiguren auf das Denkmal von Jose Marti, dem Dichter und Staatsheld. Auf dem Weg zurück zur Innenstadt fallen bunte quadratische Häuser auf. Geschenke vom grossen Freund Nicaragua, wie mir der Taxifahrer erklärt.

Bunte, fröhliche Töne locken gegen Abend wieder. Die Stadt erwacht zum Tanz, Essen und Trinken. Viva la vida!