Die Felsenstadt Petra

 

In Fels gehauene Geschichte, in Gruften begrabene Vergangenheit, in Höhlen versteckte Geheimnisse. Petra.

Ein Regenbogen begrüsst uns am Eingang. Gezaubert aus der Verschwendung von Wasser, das einmal sorgfältig gesammelt durch die enge Schlucht geleitet wurde. Ein ausgeklügeltes System versorgte die Felsenstadt mit allem was es brauchte. An weiten Handelsrouten gelegen entstand hier eine Metropole des Überflusses, das viele Tempel, Gebäude, Strassen und Gräber zurückliess. Heute ziehen jeden Tag Hunderte von Touristen durch, auf dem Weg ihren Abenteuerdurst zu stillen. Die stolzen Nomaden helfen ihnen dabei, führen sie in Pferdekarren oder auf Kamel- und Eselsrücken durch die Schluchten und auf Berghöhen. Einige bleiben wenige Stunden, andere ein paar Tage. Die gesamte Stadt wird man aber nie zu Gesicht bekommen. Es gibt zu viele versteckte Täler und Gräber in der Felsenwüste. Ganz zu schweigen von all den archäologischen Schätzen, die noch immer unterm festen Sandboden begraben liegen.

 

 

 

Kings Road: Madaba – Berg Nebo – Totes Meer – Burg Kerak

Kings Road: Madaba – Berg Nebo – Totes Meer – Burg Kerak    

 

In kurzer Zeit fanden sich fünf Reisende zusammen, die gemeinsam ein Auto mit Fahrer charten, um eine Tour von Amman bis Petra zu unternehmen. Statt im Bus auf der langweiligen Wüstenautobahn nach Süden zu brettern, wollen wir auf der abwechslungsreichen Kings Road einige interessante Orte anfahren. Madaba besticht durch das Mosaik einer Landkarte in der Michaelskirche. Auf dem Berg Nebo soll Moses dazumal übers Tote Meer ins gelobte Land geblickt haben, es aber bekannter weise nie erreicht haben. Auch wir kommen nur bis zum Toten Meer, wo wir an einem öffentlichen Strand über Müll hinweg ins Wasser steigen. Einige Rohbauten versprechen Touristen anzulocken, und hoffentlich den Strand aufzuräumen. Die klotzige Burg Kerak aus der Zeit der Kreuzritter enthüllt unerwartet viele versteckte und verschachtelte Gänge und Räume in ihrem Inneren. Wir durchstöbern es bis uns der Hunger in die nächste Schnellimbissbude treibt. Der Rest der Fahrt führt durch abwechslungsreiche Wüstengegend. Trockene Hochebenen wechseln mit zerklüfteten Tälern ab. Staudämme und kleine Grünflächen zaubern Farbtupfer in die Landschaft. Kurven und Schafherde bremsen die zügige Reise, die dann in Wadi Musa bei einem Ständchen in Gästehaus endete.

Die Säulen von Jerash

 


 

 

Eine altrömische Stadt liegt zerstört unter der glühenden Sonne Jordaniens. Säulen der Vergangenheit weisen den Weg durch die Geschichten der ehemaligen Einwohner, der Pferderennen im Hippodrom, den Spielen in den Theatern bis hin zu den Opfergaben in den Tempeln. Einfach eintauchen, sich in die Zeiten zurückversetzen und treiben lassen.

Ankommen in Amman

 

 

Das erste sichere Zeichen, dass ich in Jordanien gelandet bin, brachte mir der Muezzin vom nahesten Minarett. Ein tiefgehender Gesang, melodiös und harmonisch. Kein schepperndes Geplärre wie von anderen Orten gewohnt. Es begleitete mich durch die dunklen Strassen zur Unterkunft und am nächsten Morgen aus der Stadt zum toten Meer.

Der hohe Salzgehalt lässt Salz sogar am Grund des Toten Meeres auskristallisieren. Bunte Muster zieren den Küstenverlauf. Schlieren bilden sich sobald man die Oberfläche berührt. Doch das eindruckvollste ist der Auftrieb wenn man im warmen Wasser schwimmt. Einfach reinliegen und treiben lassen.

Die Zitadelle mit ihren römischen Überresten und der Zeit der  Omayyaden gibt nicht nur einen Überblick der Stadt, sondern bietet den Kindern auch genug wind ihren Drachen steigen zu lassen.

Durch die schmalen Gassen hinunter zu den Märkten, vorbei an Kaffebars, Falafelküchen und zwielichtigen Kinos.

Vor Tagesende noch ein letztes untrügliches Zeichen der arabischen Welt; das gemütliche Paffen einer Wasserpfeife.

Cuba; Im Labyrinth von Camagüey

 

Die Strassen sind verwinkelt, biegen mal nach links oder folgen sachte und unbemerkt einer Rechtskurve. Sie gleichen nicht -wie im Reiseführer beschrieben- einer arabischen Medina, sondern unterliegen einer ganz eigener undurchschaubarer Struktur. Vielleicht ist das gerade der Reiz, der auf mich wirkt. Stunden- und tagelang ziehe ich durch die Gassen, gucke in Innenhöfe, entdecke neue, kleine Plätze und dunkle Kneipen. In einigen davon setze ich mich nieder, beobachte das Treiben oder schreibe in mein Heft. Meist bleibe ich nicht alleine, werde entweder schon auf der Strasse angesprochen oder in der Bar mit einem Augenzwinkern aufgefordert ein Getränk zu spendieren. Und doch wirken die Menschen etwas reservierter, weniger aufdringlicher. Wenn man sie anspricht sind sie aber offen, erzählen von ihrem Leben, lassen einen kleinen Einblick. Hier erst einmal einige Impressionen aus der Stadt. Mehr Geschichten von ihren Bewohner werden folgen.

Spaziergang durchs Quartier Tivoli

 

 

Der Stadtteil Tivoli in Santiago de Cuba gilt als lebhaft. Da muss ich hin. Am frühen Abend sind die Strassen voll spielenden Kinder, schwatzenden Jugendlichen und Erwachsene, die ruhig die Szene beobachten. Einige verkaufen Früchte und Gemüse aus ihrem Garten, andere spielen Schach oder Domino. Ein 93-jähriger demonstriert unter den Augen der Nachbarn, dass er trotz Hüftprobleme noch kräftige Arme hat, die er auch noch täglich trainiert. Noch schlimmer ist Fidel dran, der beide Beine verlor. Er nutzt die öffentliche Fitnessanlage zur Kräftigung der Arme. Behände hievt er sich zurück in seinen Rollstuhl und zeigt mir stolz seinen aufgereckten Daumen. Andere Probleme wälzen grad die zwei jungen Frauen, die sich in ihrem kleinen Beauty-Salon für das geeignete Design für ihre Nägel finden wollen. Alle diese Szenen lasse ich auf mich einwirken, halte hier mal für einen Schwatz oder trinke dort mal einen schnellen Kaffee. Die Nacht legt sich tiefblau über die Stadt. Unterm lauen Gelblicht der Strassenlaternen sammeln sich die Dominospieler wie Motten bis der nächste Stromunterbruch sie nach Hause zwingt.

Santiago de Cuba

Durch die Strassen wandern und Augen, vor allem aber auch die Ohren offen halten. Musik ertönt. Sich davon leiten lassen, auf einen Platz ankommen und sich dem Genuss der kubanischen Rhythmen hingeben. Cha-cha-cha oder Salsa, es zieht Menschen an. Im Parque Cespedes hört Oskar mit. Der junge Kubaner überrascht mich mit guten Deutschkenntnisse. Ein Onkel von ihm lebt in Deutschland, erzählt er mir. In seiner Sonnenbrille spiegelt sich die Kathedrale als ich mich von ihm verabschiede.

Nicht weit weg steht eine Band mitsamt einem Lochstreifen gesteuerter Orgel. Daneben spielen Männer und einige wenige Frauen Domino. Umrundet von Zuschauer werden sie beobachtet und angefeuert.

In der Mittagszeit wird es in den Quartierstrassen ruhiger. Im Schatten ist ein Frisör am Werk. Kinder spielen in Wasserlachen. Andere halten auf den Schulbänken eine kurze Siesta. Es ist fast so ruhig wie auf dem Friedhof Santa Ifegenia. Dort gucken bedächtig Marmorfiguren auf das Denkmal von Jose Marti, dem Dichter und Staatsheld. Auf dem Weg zurück zur Innenstadt fallen bunte quadratische Häuser auf. Geschenke vom grossen Freund Nicaragua, wie mir der Taxifahrer erklärt.

Bunte, fröhliche Töne locken gegen Abend wieder. Die Stadt erwacht zum Tanz, Essen und Trinken. Viva la vida!

 

Valle de los Ingenios

 

Früher, da schossen mit dem Zuckerrohr auch die Auswüchse der Sklaverei und Intrigen in den Himmel. Legenden von Ärzten, die ihre Gutsherren vergiften um an ihre hässlichen Frauen zu kommen. Das nur um diese zu bezirzen, zu heiraten und einem schnelleren Ableben zu verhelfen, damit der Weg zum Erbe frei wird. In der Nachbarschaft streiten sich zwei Söhne um eine schöne Mulattin. Ein Wettbewerb sollte die Herrschaft über sie regeln. Wer höher baut oder tiefer gräbt bekommt die dunkle, gutgebaute Trophäe. Während der eine einen Brunnenschacht grub, baute der Zweite einen Turm zur Beobachtung der Sklaven auf den Felder. Die Bauten endeten unentschieden. Was mit der Mulattin passierte erfuhr ich nicht. Wahrscheinlich ist die in der Zwischenzeit von einem Dritten geschnappt worden.

Heute schnappen Touristen nur noch nach Luft wenn sie sich auf den Turm schleppen. Unten warten dann eine Reihe Verkäufer um ihre Ware los zu werden. Der gepflegte Tourist reist im überteuerten (Touri-) Zuge. Wir heuer ein noch teureres Taxi an. Die Hoffnung damit weiter zu kommen und mehr zu sehen schwindet spätestens als der Taxifahrer selbst nach dem Weg fragen muss. Die Frage nach weiteren sehenswerten Dinge oder Orte werden mit unverständlicher Miene quittiert. Neben einer ehemalige Hazienda, nun zum Restaurant und Reitstall ausgebaut, bietet eine Eisenbahnbrücke ein Fotosujet. Schöne Gegend hier, meinte der Taxifahrer und brachte uns zurück nach Trinidad.

Zeitreisen in Trinidad

Ernesto sitzt im Schatten neben seinen Gummistiefel. Die müssen heisse Füsse machen, bemerke ich. Ja, aber auf dem Feld bin ich froh um die Stiefel, entgegnete er mir. Die Stadt endet abrupt bei einem alten Haus umgeben von Büschen und Bäumen. Pferdekarren ziehen vorbei, rattern über jahrhundertalte Pflasterwege. Pferde werden mitsamt Lasso vor den Häusern parkiert, wo auch ein Metzger stolz sein halbes Schwein zeigt und das Kuba beflaggte T-Shirt über den Wanst spannt. In diesem abgelegenenTeil der Stadt scheint die Zeit noch stehen geblieben zu sein. Je mehr man sich dem Plaza Mayor, dem zentralen Platz der Stadt, kommt, desto eher wirkt es museal, weniger lebendig. Die Geschichte wird noch in den Kolonialhäusern am Leben gehalten. Dank meiner Begleiterin, die mir das Spanische geduldig und perfekt übersetzt, bekomme ich einige geschichtliche Hintergründe samt Klatsch und Tratsch zu hören. Dies muss natürlich abends weiter bei einem Bier erörtert werden. Ein sturmartiger Regenguss hindert am Verlassen der Bar. Also nochmals hinsetzen und den Kellner rufen. „Una cerveza, por favor!“

Die Strassen von Trinidad

Schelmisch guckt die Kleine durch das vergitterte Fenster auf mein Frühstück. Als ich die Kamera zücke schwingt sie reflexartig ihre Hüfte zur Seite und lächelt noch breiter. Es scheint ein gutes Omen für den Tag auf Trinidad’s Pflastersteinen zu sein. Das muss aber erst noch warten. Der scheue Junge auf dem Pferdekarren bringt vor Angst keinen Ton von sich. In der Bibliothek durchdringt beschämt das Klicken meiner Kamera durch die klosterhafte Stille. Der Drechsler zeigt mir grinsend durch das Kreischen seiner Maschinen, dass er taubstumm ist und deshalb meine Fragen nicht beantworten kann. Diego mit Down-Syndrom versucht gestenreich mich Blödmann auf irgendwas aufmerksam zu machen, was ich aber nicht kapiere. Und die fächelnde Schülerin hat nur einen verächtlich gelangweilten Blick für mich übrig. Wer kann’s ihr bei der Mittagshitze verübeln. Ricardo ist da schon etwas redseliger. Zwei seiner sechs bis sieben Zigarren täglich hat er immer griffbereit, wartet geduldig auf vorbeiziehende Touristen, die ihm Abwechslung und etwas Geld bringen. Mit ähnlicher Geduld musiziert die Band auf dem nächsten Platz, bringt die flirrende Luft zum Tanzen.
Angelica stolziert verspielt mit ihrem Sonnen-Regenschirm, während ihr Spielgefährte Maicol versucht sich einen gefundenen Riesenschuh überzuziehen. Von der Hitze fliehend, vorbei am Schweinekopf des Metzgers, findet sich ein kühler Innenhof, überwachsen mit Farnen, Efeu und Mangobäume. Erst gegen Abend macht man sich wieder auf um den Salsklängen auf den Plätzen zu lauschen oder -noch besser- gleich ausserhalb der Stadt in die Höhlen-Disco durch die Nacht tanzen.