OST-EUROPA-MOTORRADTOUR #29: Der Abschied von Kiev

Wenn man etwas länger in einem Ort verweilt, auch die wichtigsten Sehenswürdigkeiten abgeklappert hat, dann fängt man an einfach drauflos zu gehen. Ohne Plan und Ziel. Manche Kilometer sind nichts besonderes, gar langweilig. Dann aber entdeckt man etwas ganz überraschendes oder trifft interessante Leute.

So liess ich mich auch an meinem letzten Tag in Kiev treiben. Pärke mit moderneren, zumindest neueren, Kunstwerke lenkten mein Augenmerk. Auch immer wieder Graffitis. Und natürlich ausgefallene Café’s, mal als Hexenhäuschen, mal als Bus oder auch als Schnecke. Mit Schreiben und Spaziergängen näherte sich die Abfahrtzeit des Nachtzugs nach Lviv. Ich mag lange Bahnfahrten, insbesondere auch Nachtzüge, doch freue ich mich auch wieder auf meine zweirädrige Honda.

OST-EUROPA-MOTORRADTOUR #28: Kiev, Mariinskyi-Park

Der Tagesausflug zu einer ehemaligen Militärbasis fiel aus. Also einfach mal durch die Stadt bummeln und einen der berühmten Parks besuchen. Der Mariinskyi Park soll der schönste von allen sein.

Aber erst einfach mal drauf losgehen. Strassen, Parks und Fluss entlang. Ich sehe Graffitti. Treffe auf einige Protestierende, die entweder ihr Zelt vor Ministerien aufgebaut haben, oder laute Musik vor öffentlichen Gebäuden abspielen. Auch Spuren und Mahnmale aus der 2013/14er Bewegung sind noch zu sehen. Dann Statuen, grosse und kleinere. In den Parks, am Strassenrand, bei Brunnen, vor öffentlichen Gebäuden. Überall. Über Kopfsteinpflaster gelange ich in den besagten Park. Viel Grün und schattige Bäume. Einige Blumenrabatte um den grossen Brunnen herum. Ein Park wie jeder andere auch. Mit Jungfamilien, Jungverliebten und jung gebliebene Retter. Und Kaffee-Stände natürlich. Ich kann nicht was Besonderes hervorheben, muss aber zugeben, dass mir Kiev insgesamt gefällt. Nur schon einfach durch die Stadt zu schlendern macht Spass. Und so bleibe ich in Bewegung, bis auf wenige Kaffeepausen und ein abendliches Bier.

OST-EUROPA-MOTORRADTOUR #27: Kiev; Michail Bulgakov Museum

Kiev hat viele Museen zu bieten. Das Geburtshaus von Michail Bulgakov aber wollte ich nicht verpassen. Neben vielen Bühnenstücke, wurde der sowjetische Arzt und Schriftsteller für sein Werk Der Meister und Margarita weltberühmt.

Nach einem obligaten Frühstückskaffee fand ich das Haus Nummer 13. Eine Dame begleitete mich beim Durchgang durchs Haus. Leider sprach sie kein englisch, versuchte aber trotzdem wortreich und mit Gesten die einzelnen Gegenständen und Fotos zu erklären. Manchmal verstand ich sogar wer die Familienangehörigen sind, oder welcher der drei Frauen, die er im Laufe seines Lebens heiratete, abgebildet war. Möbelstücke wurden nett arrangiert und mit kitschigen Licht überflutet. Es finden sich auch Gegenstände, die sich auf seinen berühmten Roman beziehen, der in viele Sprachen übersetzt wurde.

Wieder in der Wirklichkeit musste ich mich einer ganz alltäglichen Herausforderung stellen. Das Besorgen eines Bahntickets zurück nach Lviv. Zwar hatte ich noch zwei weitere Tage Zeit, doch wollte ich keineswegs eine weitere Verzögerung riskieren. Nachdem ich mich zur richtigen Halle durchgefragt hatte, stellte ich mich geduldig in die Reihe vor dem Schalter Nummer 13. Krampfhaft versuchte ich mich zu erinnern wann ich das letzte mal für ein Ticket anstand. Dann begrüsste ich die Schalterbeamtin, die sofort die Augen rollte, als sie meinen fremden Akzent hörte. Darauf vorbereitet, drückte ich mein Smartphone an die Scheibe, auf dem ich die Details des gewünschten Tickets notierte; Abfahrts- und Ankunftsort, Datum und Zeit der Reise und meinen vollen Namen. Besänftigt beginnt die Dame auf eine Tastatur zu hacken und zeigt mir die Auswahl der möglichen Verbindungen. Wir einigen uns bald und keine drei Minuten später hielt ich das Ticket in den Händen. Ich bin überzeugt, sie war ebenso erleichtert wie ich.

OST-EUROPA-MOTORRADTOUR #24: Kiev; Höhlenkloster, Parkanlagen und mobiler Kaffeewagen.

Kiev hat, wie viele andere historische Städte, hunderte von Kirchen und Kathedralen. Diese eine aber, wieder eine UNESCO-gschützte, versprach nochmals etwas Besonderes zu beherbergen. Nicht umsonst wird dieses Kloster Kiewer Höhlenkloster genannt. In den Felswänden zum Fluss Dnepr hin siedelten Mönche in Höhlen an. Später wurden Kapellen und Kathedrale etc darum herum gebaut. Auch ein Glockenturm gibt’s wieder zu besteigen. Dieses ganze Treppensteigen ersetzt jegliches Fitnessprogramm. Der Blick über die Dnepr und Stadt ist aber von hier besonders lohnenswert.

Vom sonnigen Glockenturm in die dunklen Höhlen der Mönche. Fotografieren ist dort verboten. Aber das Licht und die engen Gänge würden es sowieso nicht zulassen. Nur Kerzenlicht erhellen einige Ausbuchtungen in den Gängen. Vielerorts liegen Särge und Schreine. Ein kleiner Altar flackert goldig im Kerzenlicht. Wären nicht so viele Geistliche und Besucher, es wäre beinahe unheimlich dort.

Gemütlich folge ich daraufhin dem Fluss. Parks reihen sich hier aneinander, versehen mit Statuen, Mahnmalen und Monumenten. Stadtleute kommen um Sonne zu tanken, sich gegenseitig zu fotografieren oder Händchen zu halten. Da kommt ein geschäftstüchtiger Kaffe-Van gerade recht. Wie in so vielen Quartieren der Stadt, kam auch hier ein umgebauter Kaffeewagen angerollt. Eine clevere Geschäftsidee, die ich natürlich unterstützen musste.

OST-EUROPA-MOTORRADTOUR #23: Kiev; Monumente, Stahlruinen und Graffiti

Als ich frühmorgens aus dem Nachtzug stieg war der Himmel so trübe und grau wie mein verschlafenes Gesicht. Das wird noch besser, log die Wettervorhersage. Aber darüber machte ich mir vor dem ersten Kaffee noch keine Gedanken. In weiser Voraussicht buchte ich ein Bett in Bahnhofsnähe, wo ich zumindest ein Teil meines Gepäck schon mal unterstellen konnte. Ich erkundigte mich bei der Rezeption nach einem Cafe für’s Frühstück. Da gäbe es ganz viel, erwiderte die verschlafene Rezeptionistin, mit erstauntem Gesicht. Ich bin das erste Mal in Kiev und wäre dankbar wenn sie mir nur schon eines empfehlen könnte, hakte ich nach. Wiederum erntete ich einen erstaunten Blick, gefolgt von den Worten, sie kenne keines. Aha! Dann schaute sie aber pflichtbewusst in Computer und empfahl mir die Pizzeria. Die geht aber erst in gut zwei Stunden auf.

Meinem Gespür folgend endete ich einem grossem Restaurant im sowjetischem Retro-Stil. Neben der Einrichtung schienen auch die Kellner aus der kommunistischen Zeit hinüber gerettet zu sein. Nur widerwillig und ohne Blickkontakt legte einer eine Bestellkarte hin. Die hatte es aber in sich. Einem Hochglanz-Magazin gleich, wurden die Gerichte in Fotos dargestellt und mit Preisen versehen. Das erleichtert den Bestellvorgang in fremder Sprache doch wesentlich, dachte ich. Dass das bestellte Omelette dem Foto kaum ähnelte, konnte ich da noch nicht wissen.

Gestärkt ging’s erst Richtung Maidan-Platz, der eine traurige Bekanntheit durch die Aufstände 2013/14 bekam. Davon ist im heutigen Kiev nichts mehr zu spüren, und auch über den Konflikt, der weiterhin im Osten schwelgt, ja sogar brennt, mag man hier nicht so recht reden. Über was die Fernsehteams auf dem Platz berichten, blieb mir ebenso verschleiert, wie der Bekanntheitsgrad der gefilmten Personen. Ich nahm nur erstaunt wahr, wie ein Ambulanzfahrzeug mit Sirene und Blaulicht daher rauschte und vor dem TV-Team stoppte. Die stiegen dann seelenruhig in die ihnen geöffnete Tür.

Die Sophienkathedrale ist UNESCO-Weltkuturerbe und schon deswegen einen Pflichtbesuch schuldig. Ich erfahre, dass die Erbauer, die grosse Hagia Sophia in Konstantinopel, dem heutigen Istanbul, zum Vorbild nahmen. Schon mal um einen direkten Vergleich vornehmen zu können, wollte ich ins Innere der Sophienkathedrale blicken. Tatsächlich lassen sich einige architektonische Gemeinsamkeiten erkenne, wie die hohe Kuppeln auf Säulen getragen, die doppelstöckigen Seitenschiffe und Fresken und Mosaiken von Heiligen etc.

Weitere Spaziergänge durch die Stadt, entlang alten Fabrikarealen mit rostigen Pipelines, durch Flohmärkte mit sowjetischen Relikten und zu Wohngegenden mit riesigen, kunstvollen Graffiti, gaben mir ein kleiner Überblick über die Innenstadt.

 

OST-EUROPA-MOTORRADTOUR #22: Umsteigen auf die Bahn

Das Motorrad in der Werkstatt wartet auf das Ersatzteil, der Himmel über Lviv erwartet Regen und ich kann’s kaum erwarten Kiev zu sehen. Ich hatte nur mal laut den Gedanken ausgesprochen, während der Wartezeit mit der Bahn nach Kiev zu fahren, da telefonierten die Mechaniker auch schon herum, um mir ein Bahnticket zu besorgen.

Urtümliche Schliessfächer hielten meine Reisetasche in Verwahrung. Derweil ein wenig in der Innenstadt rumstrollen, war der Plan. Doch schon verdunkelte sich der Himmel. In einer Pizzeria fand ich Unterschlupf und Kaffee, und seit langem wieder mal ne Pizza.

Spätabends brachte mir der Mechaniker meines Vertrauens sogar das Bahnticket bis an den Bahnhof, wer sicher ging, dass ich auch den richtige Zug erwische. Das Viererabteil teilte ich mit einem jungen Ukrainer, der geschäftlich nach Kiev musste und den nächsten Tag fit sein sollte. Also machten wir es uns im Abteil bequem, rollten die Decken aus und löschten das Licht. Im Rattern des Zuges entflohen die Gedanken ins Traumland.