OST-EUROPA-MOTORRADTOUR #14: Banksa Bystrica, die Perle in den Tatra Bergen

Gut ausgebaute Strassen mit langezogene Kurven führen von Ungarn nach Slowakien. Immer weiter nördlich führt mich der Weg, direkt auf’s Tatra Gebirge zu. Eigentlich weiss ich gar nicht was mich dort erwartet. Es sah auf der Karte nur verheissungsvoll aus. Bevor ich aber das Donaugebiet verlasse, stoppe ich für ein Foto an. Ein Auto hält kurz darauf, lässt die Scheibe runter und eine Frau zeigt mir ihren hochgereckten Daumen. Fragend blicke ich zurück, worauf sie „Okay?“ fragte. Sie stieg aus dem Auto aus, nimmt ihren eigenen Helm aus der hinteren Sitzbank und gibt mir zu verstehen, dass sie auch Motorradfahrerin ist. Und Motorradfahrer kümmern sich für einander. Gerührt bedanke ich mich, worauf sie mir noch ein Maskottchen übergibt, etwas wie ‚Angry Bird‘ oder ‚Furby‘. Vielleicht sollte ich ihn ‚Angry Furby‘ nennen, oder noch besser ‚Flying Furby‘? Hupend zieht jeder wieder seines Weges.

Als ich in Banksa Bystrica einfuhr, landete ich direkt beim Marktplatz. Nichts einfacheres als sich den ersten Cappuccino zu leisten und den Sonnenschein für einen kurzen Stadtrundgang zu nutzen. Ein alter Mann grüsste höflich, freute sich über meinen offensichtlichem Gefallen am Ort. Er kommt aus Bratislava, erklärte er, aber findet diesen Ort am Fusse der Tatra schöner zu leben. Ich konnte ihm beipflichten. Gepflegte Gebäuden, sauberer Marktplatz und blumengeschmückte Brunnen zieren dieses Kleinod. Ich überlegte sogar in der Nähe mein Nachtlager aufzuschlagen, beschloss dann aber trotz aufziehenden Wolken noch einige Kurven mehr unter die Räder zu nehmen. Immer tiefer mäandert der Weg ins Tatra Gebirge, bis ich am Liptovska See ein geeigneten Camping finde.

Ich wähne mich bereits alleine auf dem weitem, sattem Grün, als ein Fahrzeug mit Schweizer Kennzeichen auftauchte. Das Paar, das dem blauen Campingbus entstieg, kam mir sofort bekannt vor, konnte die zwei samt ihrem Bus auch gleich zuordnen. „Hallo“, sprach ich sie an, „euch kenne ich doch als Vlogger mit You-Tube-Kanal.“ Steffi und Lui haben sich vorgenommen, alle Länder Europas mit ihrem Bus „Karl“ zu bereisen. Aus dem vermeintlich ruhigen Abend, wurde es ein gemütlicher und spannender Austausch. Nichts ist kurzweiliger als mit Gleichgesinnten zusammen zu sitzen.

Wer ebenfalls die zwei sympathischen Reisenden kennen lernen will besucht am Besten ihren website/blog: http://comewithus2.com oder besucht ihren Youtube-Kanal 

 

OST-EUROPA-MOTORRADTOUR #13: Das Szechenyi Thermalbad in Budapest

Die Wahl war brutal einfach: Entweder auf dem Motorrad nass werden oder im warmen Nass in einem der berühmten Thermalbäder planschen. Ich suchte mir das Szechenyi Thermalbad aus. Schon der Name wirkt authentisch. Am Empfang bekam ich ein Magnetarmband und, für einen kleinen Aufpreis, eine winzige Privatkabine zugeteilt. Sofort eilte ich zum ersten Pool. Wohlige Wärme umschloss mich, liess mich in Tagträume sinken. Um nicht ganz tatenlos zu sein wollte ich ins nächste Becken wechseln, das Schwimmbecken. Dort wurde mir aber der Zugang verweigert. Nur mit Badekappen, wie ein Schild und der Bademeister streng darauf hinwiesen. Während Hunderte von Badegäste in der restlichen Badeanlage ihre Haare wild dem Wasser preisgeben durften, sogar, gegen das beschilderte Verbot, ihre Biergläser und Drinks ins Wasser nahmen, wurde im Schwimmbecken strikt auf Kopfhygiene geachtet. Kopfschüttelnd schlenderte ich in den Innenbereich, tauchte mal in das kühlere, dann wieder ins warme Becken. Unter Kuppeln dösend oder zwischen Säulen treibend vergeht die Zeit. Auch Sauna und Dampfbäder fehlten nicht. Bei dem sonntäglichen Andrang wirkten diese aber eher einem Bienenstock. Gruppen von jungen Touristen, vor allem aus England, wurden ihrem Ruf gerecht. Johlend traten die Neulinge in die Sauna, keuchten nach wenigen Minuten ob der Hitze und tauchten prustend ins Kaltwasserbecken. Ich traf sie dann wieder in den Aussenbäder, wo die Partygeneration von den wenigen Einheimischen konsternierte Blicke ernteten. Ich lehnte mich in einer ruhigen Ecke zurück bis die Dunkelheit über die Bäder hereinbrach. Für eine Weile noch genoss ich das besondere Abendlicht, das sich mit dem altgelbem Licht der Badeanstalt mischt, bevor ich, warm und wohlig, den Weg in mein Camp antrat.

OST-EUROPA-MOTORRADTOUR #12: Budapest zeigt sich bedeckt

Das kühle Herbstwetter holte mich in Budapest ein. Schwer und träge hingen die Wolken über der Stadt, zogen zähe gen Osten. Das graue Wetter schien hier auf die Menschen abzufärben. In einem so bezeichnetem ‚Touristen Information‘ -Shop wurde ich hinausgewiesen, als ich merkte, dass mir Touren angedreht wurden und nach einem „offiziellem Tourist Information“ fragte. Später trat ich in ein Café, suchte erst nach einer Toilette, um barsch angefahren zu werden. Natürlich trinke ich dann auch ein Cappuccino, erklärte ich, worauf sich die Gesichtszüge der Bediensteten milderten.

Ziellos schlenderte ich durch die Stadt, an das Ufer der Donau, entlang grosser Durchgangsstrassen und durch kleine Gassen. Die alte U-Bahn-Stationen versprühen nostalgischen Charme. Moderne Touren werden per Segway gefahren, man holt sich ein grünes Leihfahrrad um die Stadt zu erkunden. Und dann sind noch die „fahrenden Bierfässer“, ein Gefährt, das Platz für acht Menschen hat, die um einen Tisch sitzen, und per Pedale angetrieben wird. Während der Stadtrundfahrt wird Bier ausgeschenkt und somit Historisches gleich mit dem Gebräu runtergeschluckt.

Ich gehe da lieber nochmals in einen der zahlreichen Cafés und wärme mich etwas auf.

OST-EUROPA-MOTORRADTOUR #11: Kurzer Stop in Bratislava

„Geh nach Bratislava“, meinten einige, „Da gibt’s nichts Aussergewöhnliches“, sagten andere. Da es sowieso auf meinem Weg liegt, will ich wenigstens einen Blick in die Altstadt werfen. Nach meinem frühen Aufbruch in Wien, liegt auch gleich eine Frühstückspause an. Wie oft darf ich in dem Cafe auch meine Motorradjacke und schwere Tankrucksack zurück lassen. Mit der Kamera um den Hals spaziere ich durch die Gassen, sehe wiederum viele sakrale Bauten, gehe den Touristengruppen aus dem Wege und versuche die eine oder andere Besonderheit der Stadt zu entdecken. Hier ist’s die Figur „man at work“, die in Boden einer Gasse eingelassen ist und aus einem Gulli-Loch zu kriechen scheint. Er verweilt so, guckt von unten den Fussgänger nach.

In einer ruhigen Gasse knattert ein Moped an mir vorbei und parkt. Ich erkenne sofort die australische Flagge und das Nummernschild von Down Under. Bob reist mit seinem kleinhubraumigen Gefährt um die Welt. Den Seitenwagen hat er selbst drangebastelt, erklärt er nicht ohne Stolz. Wir unterhalten uns eine Weile, bis ich erfahre, dass er auch gen Osten unterwegs ist. Vielleicht sehen wir uns wieder, irgendwo im Osten.

OST-EUROPA-MOTORRADTOUR #10: Stippvisite in Wien

Eigentlich wollte ich Wien auslassen und direkt in die Slowakei reisen. Doch dann überwog der Wunsch einer kurzen Visite in die geschichtsträchtigen Stadt. Nicht ganz unbeteiligt waren Reisefreunde, die ich wieder mal treffen wollte. Die Zeit bis zum Wiedersehen verbrachte ich mit touristischem Sightseeing in der Innenstadt. Immer wieder faszinieren mich die detaillierten Ausarbeitungen von Skulpturen, die monumentalen Bauten und prächtig angelegten Gärten und Parks. In einem solchen beobachtete ich eine junge Russin, die eine Szenerie auf Leinwand bannte. Mit dem Verkauf der Bilder finanziert sie sich den Lebensunterhalt und „ermalt“ sich so ihre Reise.

Ums Reisen drehten sich auch viele Gespräche mit Freunde, aber auch über das Leben in Wien und allgemein. Dazu gehört natürlich ein echtes Wiener Cafe oder ein abendliches Bier in einer der populären Plätze, von denen es viele in der Stadt gibt.

Eigentlich könnte man Tage und Wochen in dieser mit Geschichten vollgepackten Stadt verbringen, doch eine Kaltwetterfront mit Temperatursturz und Regen bestärkten meine Weiterreise nach Osten. Und ich bin mir gewiss, Wien ist ein Ort an dem man immer wieder zurückkehrt.

OST-EUROPA-MOTORRADTOUR #9: Der Wein von Süd-Mähren

Für einmal ausserhalb der Stadt übernachten. In einer ruhigen, ländlichen Gegend schlafen. Mein Zelt im Grünen aufbauen und der Natur lauschen. Und wo wäre so ein Vorhaben besser als in einem Weinanbaugebiet? In Süd-Mähren, unweit von Brno, liegt das älteste Weinanbaugebiet von Tschechien. Ein Campingplatz ist schnell gefunden und bereits die Hinfahrt versprach Gutes: Weinreben entlang des Weges. Ein See gleich beim Camping rundete die Sache idyllisch ab.

Beim Schlendern durch das stille Dorf liebäugelte ich mit einem Ruhetag in dieser Idylle. vor einer kleinen Bar sassen Männer im mittleren Alter und darüber. Jeder ein Bier oder Weinglas vor sich. Sie musterten die wenigen Spaziergänger, die vorüber gingen. Ich trat in die Bar, fragte nach hiesigem Wein. Der junge Barkeeper schenkte mir ein Glas Weisswein ein. Süss und süffig. Mit dem Wein kamen Geschichten aus dem jungen Leben des Barkeepers. Wenn das Leben zu süss ist, kann es zu Kopf steigen, sinnierten wir. So wie der süsse Wein mir zu Kopf steigt. Ich trete in die frische Luft raus. Müde von der fahrt und vom Wein lege ich mich ins Zelt. Draussen trinken sie weiter, hören laut Musik, feiern das Leben und den Wein. Der nächste Camping vielleicht doch nicht mehr in einem Weinanbaugebiet, denke ich als ich den Schlaf suche.

OST-EUROPA-MOTORRADTOUR #8: Brno’s Unterwelt

Brno ist besuchenswert, sagten sie. Und sie hatten recht. Vom Schlosshügel sieht man über die Stadt, orientiert sich an den Kirchtürmen und an den Plätzen der Stadt. Doch gewisse Dinge liegen in Brno verborgen. Tief unter der Oberfläche. Es gibt unter den Kirchen Grüften mit gestapelten Gebeinen und unter den Plätzen haben sich labyrinth-artige Tunnelsysteme und Keller entwickelt. Sie wurden gebaut als die aufstrebende Handelsstadt im Mittelalter immer mehr Lager und Kühlräume brauchte. Man buddelte einfach die Keller tiefer unter die Marktplätze und verknüpfte sie schliesslich unterirdisch. Diese Besonderheit von Brno durfte ich mir nicht entgehen lassen und war ein Halt in der Stadt wirklich wert.

OST-EUROPA-MOTORRADTOUR #7: Der berühmte Marktplatz von Kromeriz

Der Rückfahrt von Polen nach Tschechien führt auf herrlicher Motorradstrecke durch die Böhmischen Schweiz. Immer weiter ziehen sich die Kurven bis ich kurz vor Kromeriz stehen bleibe. Ich bekam ein Übernachtungsangebot von Karel, der mich herzlichst bewirtete, Bier und Slibowitz ausschenkte und sehr besorgt um einen sicheren Platz meiner Honda war.

Am nächsten Morgen fand ich dann einen um so schöneren Parkplatz direkt auf dem UNESCO geschützten Marktplatz von Kromeriz. Ein leckeres Frühstück und kleiner Stadtrundgang folgten. Dabei begegnete ich Hare Krishna Anhänger, die singend und tanzend durch den Ort zogen. Sie hätten eine Farm, auf der sie leben und meditieren, erklärt mir ein Anhänger der Glaubensrichtung. Er lud mich herzlich ein, ihnen auf diese farm zu folgen. Doch mein weg führt mich weiter Richtung Süden nach Brno…

 

OST-EUROPA-MOTORRADTOUR #6: Wroclaw und seine Zwerge

Keine Frage: Wroclaw ist eine weitere sehenswerte Stadt, die sich wie Perlen auf meiner Motorradtour in Osten aneinanderreihen. Mögen viele dieser Städte auch eine ähnliche Vergangenheit haben, schon vor Jahrhunderten auch durch adelige Heirat und/oder Handel verknüpft gewesen sein, so birgt aber auch jede Stadt einige Besonderheiten, die sie auszeichnet. In Wroclaw, oder zu deutsch Breslau, sind es die witzigen Zwerge, die in der ganzen Innenstadt verstreut und versteckt sind. Unwillkürlich hält man Ausschau nach ihnen. So bekommt ein Stadtrundgang zusätzliche Würze.

OST-EUROPA-MOTORRADTOUR #5: Melnik und die gruselige Gruft

Mein Motorrad-/Reisekumpel erzählte mir beim Frühstück von der Knochengruft in Melnik, das nur etwa 40 Kilometer ausserhalb Prag liegt. Spontan entschlossen wir zusammen dorthin zu fahren. Melnik, ein kleiner, schmucker Ort, liegt auf einem Hügel. Von der Kirche aus kann man den Zusammenfluss von Moldau und Elbe unter dem Weinberg sehen. Unter der Kirche aber befindet sich die Gruft, in der tausende von Knochen und Schädel aufgeschichtet liegen. Ehrfürchtig traten wir in den modrigen Raum, staunten über die bleichen Wänden aus Menschenknochen. Eine dumpfe, drohende Musik erschallte aus versteckten Lautsprecher. Aus dem Off begann jemand die Geschichte der Kirche, des Ortes und den nahen Schlachtfelder zu erzählen, aus denen viele dieser Überreste stammten.

Wieder am Tageslicht erfreuten wir uns dem Grün der Umgebung und einem stärkendem Kaffee, bevor wir voneinander Abschied nahmen. Jeder in einer anderen Richtung fahrend, die Hoffnung mit sich tragend, sich einander wieder zu sehen bevor man in einer Gruft endet.