OST-EUROPA-MOTORRADTOUR #42: Der Schädelturm in Nis/Serbien

Kurz nach der Grenze zu Serbien empfängt mich ein enges Tal mit herrlichen Kurven. Dahinter fand ich Nis, ein kleiner Ort mit grosser Vergangenheit. Es lag schon immer an wichtigen Handelswegen und deshalb auch immer wieder umkämpft.

Der Besitzer des Hostels konnte zwar kein englisch, versuchte mir aber doch die Geschichte seiner Stadt näher zu bringen. Vor allem machte er mich auf die vielen Sehenswürdigkeiten aufmerksam. Einige Sachen waren geschlossen, aber der alte Schädelturm war zur Besichtigung offen. Nach einer Schlacht, in dem die Osmanen die aufsässigen Serben bezwangen, richteten die Sieger einen Turm auf, in dem sie Hunderte von Schädeln der Gefallenen einmauerten. Es diente seither als Mahnmal und Abschreckung.

Nach einem Rundgang mit weiteren Sehenswürdigkeiten, fand ich das empfohlene Restaurant. Erstaunlich scharf wurde mir der serbische Salat serviert, schmeckte aber wie die anderen Gerichte währschaftlich gut. Ein Bier kühlte dann die Kehle wieder und brachte eine angenehme Müdigkeit.

OST-EUROPA-MOTORRADTOUR #41: Viel Archäologie in Sofia

In der Hauptstadt Bulgariens hielt ich mich nur kurz auf. Trotzdem kann man in Sofia in kurzer Zeit viel entdecken. Wenn man im Stadtzentrum aus der Metro steigt, befindet man sich auch gleich in einer römischen Ausgrabungsstätte. Davor steht eine mittelalterliche, orthodoxe Kirche und dahinter eine Statue aus der kommunistischen Ära, die von modernem Geschäftsgebäude überschattet wird. Einfach rumschlendern, die Stadt und ihre Zeugnisse der Vergangenheit auf sich wirken lassen, hin und wieder ein Kaffe oder abends ein Bier trinken. Sofia hat alles zu bieten.

OST-EUROPA-MOTORRADTOUR #40: Eine Bergfestung in Bulgarien

Von der weiten Ebenen der Walachei überquerte ich die Donau und betrete, bzw. befahre, das 13. Land auf meiner Osteuropa-Tour. Bulgarien. Anstatt der gemächlich fliessenden Donau flussaufwärts zu folgen, beschloss ich einen Umweg in die Berge zu machen. Dort klebt am Hang der kleine Ort Veliko Tarnovo, dessen wechselreiche Geschichte bis zur Römerzeit zurück reicht. Das mittelalterliche anmutende Zentrum am Berg wird von einem idyllischen Fluss umschlossen. Auf der Spitze thront ein Burgareal mit mächtigen Mauern. Ich parkte kurz davor, beschloss aber dann doch, lieber die Pause bei einem Kaffee mit Ausblick zu nutzen. Der Cappuccino des „Panorama Restaurant“  schmeckte scheusslich. Aber man kann ja nicht alles im Leben haben, dachte ich und wendete mich dem wahrlich erhebenden Ausblick über den Ort und das Tal zu.

OST-EUROPA-MOTORRADTOUR #39: Der Charme von Bukarest

Der äussere Ring von Bukarest scheint aus grauen, eintönigen Plattenbauten zu bestehen. Das Herz von Bukarest bildet aber eine pittoreske Altstadt. Orthodoxe Kirchen, grosse Herrschaftshäuser und schön angelegte Stadtpärke. Ein riesiger Boulevard führt zum protzigen ‚Palast des Volkes‘, das vor allem einem Zweck zu dienen scheint: Das Volk mit schierer Grösse zu beeindrucken. Und das tut es auch. Ein monumentaler Bau, vor dem sich der einfache Mensch klein und nichtig vorkommt.

 

OST-EUROPA-MOTORRADTOUR #38: Durch das goldene Moldawien

Die Vermutung vom Vortag bestätigte sich: Die Strassen sind viel besser als in der Ukraine. So glitt die Honda ruhig und zügig durch das hügelige Land. Einzelne Dörfer zogen vorbei, herbstlicher Wald fing mich ein, um dann von riesigen Feldern abgelöst zu werden. Kaum Verkehr, der diese Atmosphäre störte.

Auch der Grenzübergang nach Rumänien gestaltete sich unproblematisch. Die relativ kurze Wartezeit wurde mit gratis WLAN versüsst, und andere Reisende wollten mehr über meinen Motorradtrip erfahren. Diese Pause brauchte ich auch, denn danach ging’s in hohem Tempo durch flaches Land auf die Hauptstadt Rumäniens zu. Budapest empfing mich mit zähem Verkehr, der sich immer wieder staute. Endlich fand ich das gebuchte Hostel, das seinem Namen gerecht war, Zen Tribe Hostel. Mit einem offenem Lachen begrüsste mich Peter, stellte mich den anderen Gästen vor, die mich alle ebenfalls offen begrüssten, und waren besorgt meine Honda durch das engen Gartentor in den sicheren Vorgarten zu bringen. Ich mochte die Stadt entgegen meiner Erwartung auf Anhieb.

OST-EUROPA-MOTORRADTOUR #36: Die Burg Akkerman in Bilhorod-Dnistrovskyi

Die Stadt Bilhorod-Dnistrovskyi liegt südlich von Odessa am Schwarzen Meer. Eine strategische wichtige Position, die seit jeher besiedelt wurde. Darum ist es auch nicht verwunderlich, hier eine grosse Burganlage zu finden. Nach der Feriensaison ist es besonders ruhig und ich hatte die Anlage fast für mich alleine. Ich schlenderte also gemütlich darin herum, erklomm die Zinnen, kämpfte gegen anstürmende Drachen und befreite gefangen genommene Prinzessinnen…

Auf der Suche nach einem netten Cafe stoppte ich an einem Park, der die Helden vergangener Kriege huldigt. Kanonen und ein echter Radpanzer wurden neben vergoldetem Soldatendenkmal aufgestellt. Hier wird nicht an die Gräuel der Kriege erinnert und ermahnt, die Zukunft friedlicher zu gestalten, sondern propagiert den Heroismus und huldigt den Kampf.

 

OST-EUROPA-MOTORRADTOUR #35: Ans Schwarze Meer

Es drängte mich weiter zu kommen. Aus diesem unfreundlichen Hotel raus. Raus aus der Stadt. Ans Schwarze Meer, ohne grossen Hafen, dafür mit Sandstrand. Doch nach zwei Kilometer Fahrt streikte die Honda auf’s Neue. Mitten in der Kreuzung, auf den Tramschienen, ging der Motor aus und liesst sich nicht mehr starten. Auf den Bürgersteig geschoben, setze ich mich erst ins Café nebenan und checkte die Lage. Glücklicherweise gab’s nicht weit entfernt eine Honda-Werkstatt, die einen Bus vorbei schickte. Der Fahrer und ich waren soeben am Einladen, als spontan ein weiterer Motorradfahrer anhielt und mithalf. Ein weiteres Beispiel, wie ein verbindendes Element, hier das Motorradfahren, ein Zusammengehörigkeitsgefühl vermittelt. Wir sollten öfters nach Gemeinsamkeiten und Verbindendes schauen und weniger nach dem was uns unterscheidet und trennt.

Trotz allen philosophischen Überlegungen, der Fehler am Motorrad musste gefunden werden. Die anfängliche Vermutung, es liege an der Benzinpumpe, würde eine weitere Woche Warten auf das Ersatzteil bedeuten. Eine Woche, in der ich hoffte, viele Kilometer hinter mich zu bringen. Dann aber die Erleichterung; der Fehler lag an einem kleinen Schalter, der den elektrischen Zugang zur Benzinpumpe unterbrach, oder so. Egal, Hauptsache die Maschine läuft, ohne lange Wartezeiten, ohne grosse Kosten. Der Tag war zwar fast verloren, dafür gewann ich einen weiteren (Motorrad-)Freund mehr.

Eine gute Stunde Fahrt gen Süden liegen einige Orte direkt am Meer. Die Badesaison ist vorbei, dementsprechend verlassen wirkte die Gegend auch. Der Weg zur angepeilten Unterkunft, führte auf lose Schotterwege, die dann in Sand führten. Also die schwere Maschine mühsam drehen und weitersuchen. Immerhin war ich am Meer. Die Motorradstiefeln ausziehen und die Füsse ins kalte Schwarze Meer stellen. Kurz vor Sonnenuntergang fand ich doch noch ein Gästehaus. Und Abendessen. Und Bier. Alles wird gut.

OST-EUROPA-MOTORRADTOUR #34: Letzter Spaziergang durch Odessa

Ohne festes Ziel. Zum Hafen, wo die ganzen Kreuzfahrtschiffe einlaufen und von wo sich Touristengruppen in der Stadt verteilen. Der Strassen entlang, wo sich Halbstarke mit ihren Motorräder wichtig machen. Zu einem der Parks, wo sich Schachspieler duellieren und sich einer als Meister entpuppt. Durch Kaufhäuser, die nicht durch ihr Warenangebot beeindrucken, sondern durch ihre Architektur. An interessanten Statuen und schönen Frauen vorbei, die Geschichten aus der Vergangenheit und der Gegenwart erzählen. Ich kann nicht etwas heraus picken, was Odessa besonders macht. Aber wenn es was ist, dann ist es das Flair, das am Schwarzen Meer einzigartig ist.

OST-EUROPA-MOTORRADTOUR #33: Die Bühnen Odessa’s: Markt, Gotteshäuser, Oper, Bars…

Samstagmorgen. Die Hotelangestellten sind auch heute unfreundlich. Es scheint hier Pflicht zu sein, den Gast zu ignorieren. Wenn er doch Auskunft will oder Hilfe braucht, ihn mit so gekonntem Widerwillen zu strafen, dass man sich in einer Komödie wähnt.

Ein Markt, ebenfalls Bühne des Lebens, wo gefeilscht wird, dramatische Geschichten übertrieben wiedergegeben werden und noch zappelnde Fische entschuppt werden. Das riesige Dach überm Markt erinnerte mich sehr an eine Theaterkuppel. Damit gab es mir den Anstoss, das Leben als Theater zu sehen, das sich auf vielen Bühnen abspielt. Mit dieser Metapher gehe ich weiter durch Odessa. Gotteshäuser, zum Beispiel, in denen sich Menschen verkrampft an überholte Regeln und Rituale halten,die dann im nächsten Wirtshaus gleich wieder mit Bier runtergespült wird. Die Fassaden an den Strassen sind überzogen mit bunten Graffitis, verstecken die grauen, eintönigen Wohnbunkern. Davor kreuzen weisse Stretch-Limousinen und schwarze Nobelschlitten mit Stern auf der Kühlerhaube. Sie halten vor dem Opernhaus, was ich sehr passend finde, und inszenieren mit dem Fotografen eine romantische Szene in Kleidern, die sie den Rest des Lebens nicht mehr tragen werden.

Es wird Abend in Odessa, doch das Leben geht weiter, schläft nicht. Besonders nicht Samstagnacht. Also gehe ich in eine Bar, bestelle mir, nach längerer Wartezeit, ein Bier. Das Wechselgeld behält er grad bei sich. So spart er sich das Suchen von Kleingeld und mir die Überlegung, wieviel Trinkgeld ich da lassen soll. Auf dem Bildschirm zappelt ein Mann aufgeregt mit dem Mikrofon in der Hand, während aus den Lautsprecher eine schrille Frauenstimme ihren Hit rausbrüllt. Warum bringen sie in der Bar nie die Musik, die am Bildschirm als Video gezeigt wird? Ist es ein technisches Problem oder steckt da was anderes dahinter, sinnierte ich. Da wurde ich aber auch schon von zwei Frauen abgelenkt, die sich gleich neben mich setzten. Ich erinnerte mich gelesen zu haben, dass in Odessa, obwohl offiziell illegal, viele Prostituierte in Bars und Nachtklubs auf Kundenfang gingen. Davon zeugen auch die vielen Stripclubs und Cabarets, denen ich auf der Strasse vorüberging. Nach dem zweiten, oder dritten, Bier gehe ich aber ins Hotel zurück. Alleine, denn auf dieses Theater kann ich nun wirklich verzichten.

OST-EUROPA-MOTORRADTOUR #32: Caroussel De Odessa

Das zweite Frühstück war um einiges leckerer als das vom Hotel angebotene, obwohl es den selben Namen trug. Dafür musste ich mich aber überwinden in den Regen hinaus zu treten. Ich hab’s mir gerade im Frühstückslokal gemütlich gemacht, da kam ein Tipp rein, wo ich meine Halterungen für Motorradboxen verstärken lassen könnte. Das Leben ist ein ewiger Kreislauf, dachte ich mir, schälte mich aus der bequemen Sitzposition und machte mich auf den Weg. Aber auch der Regen war wiederkehrend. Dieses mal in Strömen, der anhielt, während sich der Mechaniker und ich mit wiederholenden Gesten verständigten , bis klar wurde, wie das Resultat aussehen sollte.

Unter dem grauen Himmel ging ich den Strassen entlang, mal links mal rechts, bis ich irgendwann das erste mal zum Hafen und zum Schwarzen Meer runtersah. Eigentlich wollte ich da näher ran, doch irgendwie spazierte ich im Kreis und landete an einer Kirmes. Neben dem Karussell lachte mich ein Gorilla hämisch an. Es ist doch wie im Leben, immer wiederkehrend , dachte ich als ich das Schild las: Caroussel de Odessa.