OST-EUROPA-MOTORRADTOUR #24: Kiev; Höhlenkloster, Parkanlagen und mobiler Kaffeewagen.

Kiev hat, wie viele andere historische Städte, hunderte von Kirchen und Kathedralen. Diese eine aber, wieder eine UNESCO-gschützte, versprach nochmals etwas Besonderes zu beherbergen. Nicht umsonst wird dieses Kloster Kiewer Höhlenkloster genannt. In den Felswänden zum Fluss Dnepr hin siedelten Mönche in Höhlen an. Später wurden Kapellen und Kathedrale etc darum herum gebaut. Auch ein Glockenturm gibt’s wieder zu besteigen. Dieses ganze Treppensteigen ersetzt jegliches Fitnessprogramm. Der Blick über die Dnepr und Stadt ist aber von hier besonders lohnenswert.

Vom sonnigen Glockenturm in die dunklen Höhlen der Mönche. Fotografieren ist dort verboten. Aber das Licht und die engen Gänge würden es sowieso nicht zulassen. Nur Kerzenlicht erhellen einige Ausbuchtungen in den Gängen. Vielerorts liegen Särge und Schreine. Ein kleiner Altar flackert goldig im Kerzenlicht. Wären nicht so viele Geistliche und Besucher, es wäre beinahe unheimlich dort.

Gemütlich folge ich daraufhin dem Fluss. Parks reihen sich hier aneinander, versehen mit Statuen, Mahnmalen und Monumenten. Stadtleute kommen um Sonne zu tanken, sich gegenseitig zu fotografieren oder Händchen zu halten. Da kommt ein geschäftstüchtiger Kaffe-Van gerade recht. Wie in so vielen Quartieren der Stadt, kam auch hier ein umgebauter Kaffeewagen angerollt. Eine clevere Geschäftsidee, die ich natürlich unterstützen musste.

OST-EUROPA-MOTORRADTOUR #23: Kiev; Monumente, Stahlruinen und Graffiti

Als ich frühmorgens aus dem Nachtzug stieg war der Himmel so trübe und grau wie mein verschlafenes Gesicht. Das wird noch besser, log die Wettervorhersage. Aber darüber machte ich mir vor dem ersten Kaffee noch keine Gedanken. In weiser Voraussicht buchte ich ein Bett in Bahnhofsnähe, wo ich zumindest ein Teil meines Gepäck schon mal unterstellen konnte. Ich erkundigte mich bei der Rezeption nach einem Cafe für’s Frühstück. Da gäbe es ganz viel, erwiderte die verschlafene Rezeptionistin, mit erstauntem Gesicht. Ich bin das erste Mal in Kiev und wäre dankbar wenn sie mir nur schon eines empfehlen könnte, hakte ich nach. Wiederum erntete ich einen erstaunten Blick, gefolgt von den Worten, sie kenne keines. Aha! Dann schaute sie aber pflichtbewusst in Computer und empfahl mir die Pizzeria. Die geht aber erst in gut zwei Stunden auf.

Meinem Gespür folgend endete ich einem grossem Restaurant im sowjetischem Retro-Stil. Neben der Einrichtung schienen auch die Kellner aus der kommunistischen Zeit hinüber gerettet zu sein. Nur widerwillig und ohne Blickkontakt legte einer eine Bestellkarte hin. Die hatte es aber in sich. Einem Hochglanz-Magazin gleich, wurden die Gerichte in Fotos dargestellt und mit Preisen versehen. Das erleichtert den Bestellvorgang in fremder Sprache doch wesentlich, dachte ich. Dass das bestellte Omelette dem Foto kaum ähnelte, konnte ich da noch nicht wissen.

Gestärkt ging’s erst Richtung Maidan-Platz, der eine traurige Bekanntheit durch die Aufstände 2013/14 bekam. Davon ist im heutigen Kiev nichts mehr zu spüren, und auch über den Konflikt, der weiterhin im Osten schwelgt, ja sogar brennt, mag man hier nicht so recht reden. Über was die Fernsehteams auf dem Platz berichten, blieb mir ebenso verschleiert, wie der Bekanntheitsgrad der gefilmten Personen. Ich nahm nur erstaunt wahr, wie ein Ambulanzfahrzeug mit Sirene und Blaulicht daher rauschte und vor dem TV-Team stoppte. Die stiegen dann seelenruhig in die ihnen geöffnete Tür.

Die Sophienkathedrale ist UNESCO-Weltkuturerbe und schon deswegen einen Pflichtbesuch schuldig. Ich erfahre, dass die Erbauer, die grosse Hagia Sophia in Konstantinopel, dem heutigen Istanbul, zum Vorbild nahmen. Schon mal um einen direkten Vergleich vornehmen zu können, wollte ich ins Innere der Sophienkathedrale blicken. Tatsächlich lassen sich einige architektonische Gemeinsamkeiten erkenne, wie die hohe Kuppeln auf Säulen getragen, die doppelstöckigen Seitenschiffe und Fresken und Mosaiken von Heiligen etc.

Weitere Spaziergänge durch die Stadt, entlang alten Fabrikarealen mit rostigen Pipelines, durch Flohmärkte mit sowjetischen Relikten und zu Wohngegenden mit riesigen, kunstvollen Graffiti, gaben mir ein kleiner Überblick über die Innenstadt.

 

OST-EUROPA-MOTORRADTOUR #22: Umsteigen auf die Bahn

Das Motorrad in der Werkstatt wartet auf das Ersatzteil, der Himmel über Lviv erwartet Regen und ich kann’s kaum erwarten Kiev zu sehen. Ich hatte nur mal laut den Gedanken ausgesprochen, während der Wartezeit mit der Bahn nach Kiev zu fahren, da telefonierten die Mechaniker auch schon herum, um mir ein Bahnticket zu besorgen.

Urtümliche Schliessfächer hielten meine Reisetasche in Verwahrung. Derweil ein wenig in der Innenstadt rumstrollen, war der Plan. Doch schon verdunkelte sich der Himmel. In einer Pizzeria fand ich Unterschlupf und Kaffee, und seit langem wieder mal ne Pizza.

Spätabends brachte mir der Mechaniker meines Vertrauens sogar das Bahnticket bis an den Bahnhof, wer sicher ging, dass ich auch den richtige Zug erwische. Das Viererabteil teilte ich mit einem jungen Ukrainer, der geschäftlich nach Kiev musste und den nächsten Tag fit sein sollte. Also machten wir es uns im Abteil bequem, rollten die Decken aus und löschten das Licht. Im Rattern des Zuges entflohen die Gedanken ins Traumland.

OST-EUROPA-MOTORRADTOUR #21: Lviv und die Honda-Werkstatt.

Montagmorgen. Noch vor dem Frühstück ging’s zum offiziellen Honda-Vertreter, der ironischerweise auch gleich die grosse Konkurrenz BMW vertritt. Der erste Eindruck hier war, wie so oft in der Ukraine, kühl und distanziert. Dann aber öffnen sich die Menschen und zeigen ihre herzliche und hilfsbereite Seite. Dmitriy, der auch gut englisch spricht, nimmt sich meiner Varadero an. Gleich über mehrere Kanäle versuchen sie das kaputte Teil zu reparieren, bzw zu ersetzen. Das halbe Team telefoniert mit Reparaturspezialisten, anderen Motorradwerkstätten, bis über die Landesgrenze hinaus nach Polen. Doch weit und breit kein passendes Teil. Von Polen wäre ein Stossdämpfer des Nachfolger-Serie zu erhalten, doch wir wagen es nicht einzubauen. Dann halt eine Woche bis zehn Tage auf’s originale Ersatzteil warten. Ich erwähnte, ich wolle in der Zwischenzeit Kiev mit der Bahn besuchen, und schon begann der Chef mir ein Bahnticket zu besorgen. Das nenne ich Service.

Mein Motorrad liess ich gleich in der Werkstatt. Das erste mal ‚Uber‘ benutzend, traf ich auf den Fahrer Ramon, der sogar eine Weile in der Schweiz gewohnt hat. Die Fahrt in die  Innenstadt gestaltete sich daher als unterhaltsam und angenehm. Ist denn meine Pechsträhne der letzten Tage bereits vorüber? Und tatsächlich; die Bankautomaten spucken wieder Geld raus, das Wetter bleibt trocken , die Menschen freundlich und hilfsbereit, Ersatzteil für die Varadero unterwegs, die Stadt Lviv hat viel Schönes zu bieten und auch der Kaffee schmeckt hier.

OST-EUROPA-MOTORRADTOUR #20: Eine beschwingte Fahrt nach Lviv

Was sich dem Titel nach an eine Kaffeefahrt denken lässt, war in Wahrheit ein Tortur. Okay, kann eine Kaffeefahrt auch sein. Wobei ich das Motorradabenteuer, jetzt im Nachhinein, natürlich bevorzuge. Die morgendliche Fahrt durch die nebelverhangene Bergwelt Transkarpatiens hätte was mystisches haben können, wenn da nicht die gelöcherte Strasse und das kaputte Motorrad gewesen wären. Jedes Schlagloch und jede Bodenwelle liess die Honda extrem nachschwingen. Obwohl Lviv über 200 Kilometer entfernt ist, fasste ich es als Ziel ins Auge. Die Chance dort den defekten Stossdämpfer ersetzen zu lassen, schien mir um einiges grösser als wo anders. So rüttelte und schwang ich mich mühselig von Kurve zu Kurve. Kaum war der Belag mal besser, taten sich unvermittelt riesige Schlaglöcher auf. Einmal nicht aufgepasst versinkt das Vorderrad darin und die Schwingen lassen mich in die Höhe springen. Legenden nach verschwinden hier ganze Kleinwagen in unheimlichen Schlaglöcher. Für -wortwörtlich-geschlagene hundert Kilometern folgten Schlagloch auf Schlagloch. Ich glaube man kann sich sogar an das gewöhnen.

Dann plötzlich wurde die Strasse sanft und ruhig. Ich war aus dem verwunschenen Tälern heraus. Sachte konnte ich den Gashebel aufdrehen. Bis die nächste Bodenwelle mich fast aus dem Sattel warf. Aber auch daran gewöhnt man sich und lernt die Strasse zu lesen. Diese führte mich schnurstracks zu meinem billigen Hotel ausserhalb Lviv. Für günstige 10€/Nacht durfte ich ein einfaches Doppelzimmer beziehen, also der Preis, den ich sonst für Camping bezahle.

Na, dann reicht das Budget auch noch für einen Cappuccino in der Altstadt, denke ich mir, und sitze bald darauf bei herrlichem Sonnenschein auf dem Marktplatz vor dem Rathaus. Die ersten Eindrücke gesammelt und auf Pixel gespeichert, vernahm ich bereits die nächste Hiobsbotschaft. Der Bankautomat rückte kein Geld raus. Es scheint, meine Bank blockte die Karte.

Kein Problem, dachte ich, und zückte triumphierend meine „back-up“-Karte. Doch auch damit weigerte sich der Automat Geld abzuheben. Nun stehe ich mit kaputtem Motorrad in der Ukraine und komme nicht an mein Geld. Das vermeintliche Restaurant beim Hotel gibt mir kein Essen aus, da sie gerade einer Festgesellschaft ein Bankett herrichtete, und das nächste Esslokal serviert mir einen überteuerten Avocado Salat, wobei die mickrigen Brotscheiben extra verrechnet werden. Zu allem Überdruss sind die Hotelwände noch so dünn. Im Dunkeln liegend, wähnte ich das schreiende Kind zu meiner rechten und das stöhnende Liebespaar zur meiner linken zu haben. Irgendwie schlief ich dann doch noch ein, und wache hoffentlich in einer besseren Woche auf…

OST-EUROPA-MOTORRADTOUR #18: Tour nach Transkarpatien

Transkarpatien? Noch nie davon gehört. Dann erzählt mir meine Gastgeberin in Uzhhorod, dass ich mich bereits im Hauptort dieses ukrainischen Gebietes befinde. Sie gibt mir weitere Tipps für die Streckenwahl, rät mir aber erst die Altstadt von Uzhhorod zu besichtigen. Ja klar, es ist ja nicht weit in die Bergwelt von Transkarpatien, erwidere ich. Nicht weit, aber schlechte Strassen dort, warnt sie.

So nehme ich in der Innenstadt einen herzhaften Brunch und den obligaten Cappuccino zu mir und setze mich voller Vorfreude auf die Honda. Zügig ging’s los. Nur LKW’s bremsten das Fahrvergnügen auf kurvigen Hauptstrassen. Dann aber bog ich Richtung Nationalpark Synevir ab, wo ich zwischenzeitlich bereits eine Unterkunft buchte. Die vermeintlich ruhige Waldstrecke entpuppte sich als holprige, von Asphaltflicken und Schlaglöcher übersäte Strasse. Immer wieder katapultierte mich eine Bodenwelle aus dem Sitz und brachte die Honda ins Schlingern. Langsam und konzentriert nahm ich jede Kurve, immer bereit auf das nächste Hindernis, ob Schlagloch, gemächliche Kuh oder langsames Pferdefuhrwerk.

Ein einsames Haus auf einem Grat versprach Kaffee. Ich fragte nach einem kleinen Imbiss. Einer gemeinsamen Sprache nicht mächtig, artikulierte ich ein internationales „Sandwich“, worauf ich nur Kopfschütteln erntete. In einem Wortschwall pickte ich sinngemässe Aussagen heraus wie; kein Sandwich, kein Burger, hier gibt’s nur ukrainisches Essen. Nicht russisch, nicht tschechisch, aber echte ukrainische Kost. Okay, das wäre mir sogar sehr recht, solange kein Fleisch drin ist. „Ahh, Vegetarianskji“ antwortet der bullige Kerl verständnisvoll. Daraufhin serviert er mir eine Gerstensuppe, Tomaten-Gurkensalat mit viel Zwiebeln und einen (vermutlich) Maisbrei mit Schafskäse. Dazu ein Getränk, das mich sehr an Holundersaft erinnert. Selbst hergestellt, erklärt er stolz. So gesättigt setze ich meine Fahrt fort.

Doch meine Freude währte nicht lange. Kurz vor Menem Ziel bemerkte ich ein zunehmendes Schlingern und Schaukeln des Motorrades. Ich schrieb das erst dem Strassenzustand zu, musste aber dann feststellen, dass der Stossdämpfer Öl verliert und damit unbrauchbar wurde. Und das hier in den tiefen Wälder von Transkarpatien.

Immerhin erreichte ich die Unterkunft einige Kilometer ausserhalb eines schnuckeligen Dorfes mit schöner Holzkirche. Besitzer hiessen mich an einem grossen Gebäude willkommen, das früher als Jugendherberge und Schulausflugs-Zentrum diente. Nun steht es die meiste Zeit leer. Mein Zimmer durfte ich selber auswählen, das Haus gehörte nun für zwei Tage ganz mir. Der Besitzer zog wieder ab und liess mich im knarrenden Haus buchstäblich im Wald stehen. Hier verbringe ich also abends am Laptop tippend, gucke die langen, leeren Gängen entlang und kann die Bilder vom Film ‚Shining‘ nicht ganz aus dem Kopf verdrängen …wenn nur keine Zwillinge mit mir spielen wollen.

OST-EUROPA-MOTORRADTOUR #17: Einreise in die Ukraine

Der Abschiedsabend in der Slowakei konnte gar nicht besser ausfallen. Das Personal des Camping/Hotel Villa Betula feierte ihr Saisonende mit Essen, Drinks und lauter Musik. Kurzerhand wurde ich dazu eingeladen, was zu Wein, Tanz und neuen Freunde führte. Als ich mich dann morgens aus dem Zelt schälte schien dann auch die Sonne, was das Packen und losfahren erleichterte. Der Hohe Tatra, würdig erhebend zu meiner Rechten, und der Niedere Tatra, sanft hügelig zur Linken, standen mir Spalier, als ich gen Osten gleitete. Unverhofft tauchte dann auch noch eine grosse Burg auf einem Hügel am Wegesrand auf, als ob die Slowakei nochmals ihr Bestes zeigen wollte.

Das tat sie auch nochmals in Kosice, der letzten grösseren Stadt vor der Grenze. Ein kurzer Kaffeestopp an der Kathedrale musste reichen. Einen grösseren Rundgang, so befürchtete ich, würde mich an der Grenze, zeitlich in die Enge treiben. Und tatsächlich standen schon Kilometer vor der Grenze die LKW’s auf einer Spur. Die Fahrer warteten geduldig in ihrer Kabinen, tranken Kaffee, telefonierten oder unterhielten sich draussen untereinander. Ich zog an der LKW-Schlange vorbei. Am Zoll wurde ich dann mit einer um so kürzeren Wartezeit überrascht. Die paar Autos vor mir wurden speditiv abgefertigt. Pass und Wagenpapiere aushändigen, die schon mal zur Bearbeitung zu Kollegen im Häuschen weitergegeben wurden, und ein kurzer Blick ins Wageninnere und Kofferraum. Bei mir zögerte der Beamte kurz, zeigte dann entschlossen auf die nähere Seitenbox und hiess mich sie zu öffnen. Kaum war der Deckel weg, griff er kurz rein, war aber dann auch schon wieder fertig mit der Inspektion.

Auf der ukrainischen Seite ging’s sogar noch schneller. Nur zwei Autos waren vor mir. Dann zeigte ich meinen Pass, ein Stempel wurde nach kurzem durchblättern eingedrückt und eine weitere Beamtin tippte etwas in einen Computer. Nach etwa sieben Minuten  war ich offiziell in die Ukraine eingereist. Zur Begrüssung stand eine propagandistische Statue vor der untergehenden Sonne und winkte mich herein. Was ich als erstes bemerkte, waren die schlechten Strassen im Grenzort Uzhhord. Ich musste mich nicht nur auf die kyrillischen Strassenschilder, sondern auch auf Unebenheiten der Fahrbahn und Schlaglöcher konzentrieren. Einiges Suchen und Fragen später fand ich den Wohnblock meiner AirB&B Gastgeberin. Weder war der Briefkasten beschriftet, noch eine funktionierende Klingel zu finden. Zum Glück hatte ich aber bereits eine ukrainische SIM-Karte zuvor besorgt, und so fand ich mich dann in der gemütlichen Wohnung ein. Meine Gastgeberin war sehr bemüht, einerseits einen sicheren, bewachten Parkplatz für meine Honda zu finden, anderseits mir auch etwas leckeres aufzutischen. So begann mein Ukraine Aufenthalt in gemütlicher Atmosphäre.

OST-EUROPA-MOTORRADTOUR #16: Kurze Tour in der Niederen Tatra

Nachdem ich in der Hohen Tatra überraschend schöne Ecken entdeckte, wollte ich nun auch noch einen Kurztrip in die Niedere Tatra wagen. Gerade rechtzeitig kam ich zur Tour in die ‚Eishöhle‘. Von der Natur tief ins Gebirge gegrabene Gänge führten in eine kalte Dunkelheit. Hier unten hält sich tatsächlich das Eis das ganze Jahr über und formt skurrile Skulpturen. Gut nachvollziehbar, dass im Mittelalter gefundene Bärenknochen für Überbleibsel von Drachen gehalten wurden. Naja, vielleicht hausten die ja wirklich hier.

Im Nachbartal besuchte ich die grösste Holzkirche Slowakiens, oder gar der Welt, je nach Quelle. Kein einziger Nagel oder sonstiges Metall wurde verbaut. Alle tragende Teile und auch der Altar sind aus Holz gefertigt. Nur eine Minute vor dem Schliessen der Kirche wurde ich noch kurz rein gelassen. Trotz der monumentalen Grösse von innen, wirkt das Holz freundlich, warm und heimelig.

Und dann war noch das kleine Dorf, nicht weit von meinem Camp entfernt. Ein Geheimtipp soll die Ruine einer Kirche sein, dessen Holzturm noch erhalten ist. Stolz und unbändig ragt der Turm über die verwachsenen Ruinen empor. Hinter dem einfachen Bauerndorf türmt sich das Tatra-Gebirge, gibt der ganzen Szenerie einen malerischen Anstrich.

OST-EUROPA-MOTORRADTOUR #15: Die Holzkirchen der Hohen Tatra

Von der Existenz von typischen, einzigartigen Holzkirchen der Region erfuhr ich erst von  Lui und Steffi ( www.comewithus2.com ), die ich hier traf. Hellhörig geworden, beschloss  ich den trüben Tag mit kulturellen Highlights zu füllen. Mit leichtem Gepäck kurvte ich die Honda in die Hohe Tatra hinauf, genoss den Fahrtwind und die Kurvenschrägen. Die Tatra erinnert mich an Schwarzwald, nur schwärzer, oder waldiger. Als sich der Wald bei Zuberec lichtete, erscheint ein Schild, das auf ein Freilichtmuseum hinweist. Einfach hinfahren. Ein ganzes Dorf mit Holzkirche, Bauernhäuser, Wassermühle und Gärten dokumentieren das traditionelle Leben der Region. Tolle Einblicke, nett umgesetzt. Auch der einsetzende Regen ist ganz typisch, erklärt man mir. So hautnah wollte ich dann die Region doch nicht kennen lernen. Trotz langer Kaffeepause in der Mühle, hielt der Regen an, ging in feinen Nieselregen über.

Ich packte mich wasserdicht ein und fuhr weiter nach Tvrdosin, wo eine UNESCO- Weltkulturgeschützte Holzkirche steht. Mit mir kam ein Bus voll Rentner an, die sich pilgermässig in die Kirche begaben. Erst ärgerte ich mich wegen den ungewollten Statisten vor meiner Kamera, realisierte dann aber, dass dank dieser Tourgruppe die Kirche erst geöffnet wurde. So konnte auch ich den holzgeschnitzten Altar bewundern und fotografieren. Ich musste mich nur etwas gedulden bis die Gruppe wieder Richtung Bus pilgerten.

Bei der dritten Kulturstätte, die ebenfalls zur UNESCO-Weltkulturerbe gehörende Holzkirche von Lestiny, war ich wieder ganz allein. Und ausgeschlossen. Immerhin hatte sie ein Vordach, das mich vom erneuten Regenguss schützte. Das erstaunliche an all den Holzkirchen sind die so unterschiedlichen Formen und Architekturen, die sie haben. So ist jede, trotz einigen Gemeinsamkeiten, ein Unikat an Gotteshäuser.

OST-EUROPA-MOTORRADTOUR #13: Das Szechenyi Thermalbad in Budapest

Die Wahl war brutal einfach: Entweder auf dem Motorrad nass werden oder im warmen Nass in einem der berühmten Thermalbäder planschen. Ich suchte mir das Szechenyi Thermalbad aus. Schon der Name wirkt authentisch. Am Empfang bekam ich ein Magnetarmband und, für einen kleinen Aufpreis, eine winzige Privatkabine zugeteilt. Sofort eilte ich zum ersten Pool. Wohlige Wärme umschloss mich, liess mich in Tagträume sinken. Um nicht ganz tatenlos zu sein wollte ich ins nächste Becken wechseln, das Schwimmbecken. Dort wurde mir aber der Zugang verweigert. Nur mit Badekappen, wie ein Schild und der Bademeister streng darauf hinwiesen. Während Hunderte von Badegäste in der restlichen Badeanlage ihre Haare wild dem Wasser preisgeben durften, sogar, gegen das beschilderte Verbot, ihre Biergläser und Drinks ins Wasser nahmen, wurde im Schwimmbecken strikt auf Kopfhygiene geachtet. Kopfschüttelnd schlenderte ich in den Innenbereich, tauchte mal in das kühlere, dann wieder ins warme Becken. Unter Kuppeln dösend oder zwischen Säulen treibend vergeht die Zeit. Auch Sauna und Dampfbäder fehlten nicht. Bei dem sonntäglichen Andrang wirkten diese aber eher einem Bienenstock. Gruppen von jungen Touristen, vor allem aus England, wurden ihrem Ruf gerecht. Johlend traten die Neulinge in die Sauna, keuchten nach wenigen Minuten ob der Hitze und tauchten prustend ins Kaltwasserbecken. Ich traf sie dann wieder in den Aussenbäder, wo die Partygeneration von den wenigen Einheimischen konsternierte Blicke ernteten. Ich lehnte mich in einer ruhigen Ecke zurück bis die Dunkelheit über die Bäder hereinbrach. Für eine Weile noch genoss ich das besondere Abendlicht, das sich mit dem altgelbem Licht der Badeanstalt mischt, bevor ich, warm und wohlig, den Weg in mein Camp antrat.