OST-EUROPA-MOTORRADTOUR #30: Zurück auf ukrainischen Strassen

Bereits vor meiner Ankunft in Lviv bekam ich Nachricht, dass das Ersatzteil für mein Motorrad eingetroffen sei, und die Honda bis mittags wieder fahrtüchtig wäre. Ich stornierte daraufhin mein gebuchtes Zimmer. Während ich mein Koffeinspiegel noch am Bahnhof auf ein erträgliches Mass brachte, schraubten die Mechaniker die Honda wieder strassentauglich.

Kurz vor Mittag gab’s noch ein Erinnerungsfoto, dann drehte ich am Gasgriff. Bereits 30 Kilometer weiter sprang der Kilometerzähler auf die runde 140’000km! Ich nahm der Maschine das Versprechen ab, diese Zahl mindestens zu verdoppeln. Das Versprechen der Strassenkarte, auf der Achse Lviv – Uman eine gut ausgebaute Verbindungsstrasse vorzufinden, wurde hingegen nicht gehalten. Schlechter Belag, Schlaglöcher, Spurrillen von schweren LKW’s, Querrillen und Bodenwellen. Auf einigen Abschnitten wurde gebaut und ausgebessert, wobei ich die schwere Maschine über losen Schotter oder gar glitschigen Lehm balancieren musste. Eine echte Herausforderung für ein Asphaltverwöhnter.

Allen Widrigkeiten zum Trotz kam ich doch 380km weit bis nach Winnyzja. Der neue Stossdämpfer hat sich dabei bestens bewährt. Im einfachen Gästehaus kümmerten sich der Eigentümer um meine Maschine und liessen sie über Nacht in einer Waschanlage einschliessen. So konnte ich beruhigt im schwindenden Tageslicht eine kleinen Rundgang unternehmen. Typische Wohnblöcke, kleine Kirchen und grosse Monumente beherrschten das Stadtbild. Mein Hunger trieb mich am Nightclub vorbei, liess mich dann aber im Gentleman’s Cafe eintreten. Der erst nette Eindruck, einer gediegenen Atmosphäre mit freundlichem Begrüssungslächeln der Kellnerin, wurde dann aber jäh geschmälert. Mangels vegetarischen Alternative, blieb mir nur eine Gemüsepizza, die nach Karton schmeckte, die ich mit zu milchigem Cappuccino runterspülte.

OST-EUROPA-MOTORRADTOUR #29: Der Abschied von Kiev

Wenn man etwas länger in einem Ort verweilt, auch die wichtigsten Sehenswürdigkeiten abgeklappert hat, dann fängt man an einfach drauflos zu gehen. Ohne Plan und Ziel. Manche Kilometer sind nichts besonderes, gar langweilig. Dann aber entdeckt man etwas ganz überraschendes oder trifft interessante Leute.

So liess ich mich auch an meinem letzten Tag in Kiev treiben. Pärke mit moderneren, zumindest neueren, Kunstwerke lenkten mein Augenmerk. Auch immer wieder Graffitis. Und natürlich ausgefallene Café’s, mal als Hexenhäuschen, mal als Bus oder auch als Schnecke. Mit Schreiben und Spaziergängen näherte sich die Abfahrtzeit des Nachtzugs nach Lviv. Ich mag lange Bahnfahrten, insbesondere auch Nachtzüge, doch freue ich mich auch wieder auf meine zweirädrige Honda.

OST-EUROPA-MOTORRADTOUR #28: Kiev, Mariinskyi-Park

Der Tagesausflug zu einer ehemaligen Militärbasis fiel aus. Also einfach mal durch die Stadt bummeln und einen der berühmten Parks besuchen. Der Mariinskyi Park soll der schönste von allen sein.

Aber erst einfach mal drauf losgehen. Strassen, Parks und Fluss entlang. Ich sehe Graffitti. Treffe auf einige Protestierende, die entweder ihr Zelt vor Ministerien aufgebaut haben, oder laute Musik vor öffentlichen Gebäuden abspielen. Auch Spuren und Mahnmale aus der 2013/14er Bewegung sind noch zu sehen. Dann Statuen, grosse und kleinere. In den Parks, am Strassenrand, bei Brunnen, vor öffentlichen Gebäuden. Überall. Über Kopfsteinpflaster gelange ich in den besagten Park. Viel Grün und schattige Bäume. Einige Blumenrabatte um den grossen Brunnen herum. Ein Park wie jeder andere auch. Mit Jungfamilien, Jungverliebten und jung gebliebene Retter. Und Kaffee-Stände natürlich. Ich kann nicht was Besonderes hervorheben, muss aber zugeben, dass mir Kiev insgesamt gefällt. Nur schon einfach durch die Stadt zu schlendern macht Spass. Und so bleibe ich in Bewegung, bis auf wenige Kaffeepausen und ein abendliches Bier.

OST-EUROPA-MOTORRADTOUR #27: Kiev; Michail Bulgakov Museum

Kiev hat viele Museen zu bieten. Das Geburtshaus von Michail Bulgakov aber wollte ich nicht verpassen. Neben vielen Bühnenstücke, wurde der sowjetische Arzt und Schriftsteller für sein Werk Der Meister und Margarita weltberühmt.

Nach einem obligaten Frühstückskaffee fand ich das Haus Nummer 13. Eine Dame begleitete mich beim Durchgang durchs Haus. Leider sprach sie kein englisch, versuchte aber trotzdem wortreich und mit Gesten die einzelnen Gegenständen und Fotos zu erklären. Manchmal verstand ich sogar wer die Familienangehörigen sind, oder welcher der drei Frauen, die er im Laufe seines Lebens heiratete, abgebildet war. Möbelstücke wurden nett arrangiert und mit kitschigen Licht überflutet. Es finden sich auch Gegenstände, die sich auf seinen berühmten Roman beziehen, der in viele Sprachen übersetzt wurde.

Wieder in der Wirklichkeit musste ich mich einer ganz alltäglichen Herausforderung stellen. Das Besorgen eines Bahntickets zurück nach Lviv. Zwar hatte ich noch zwei weitere Tage Zeit, doch wollte ich keineswegs eine weitere Verzögerung riskieren. Nachdem ich mich zur richtigen Halle durchgefragt hatte, stellte ich mich geduldig in die Reihe vor dem Schalter Nummer 13. Krampfhaft versuchte ich mich zu erinnern wann ich das letzte mal für ein Ticket anstand. Dann begrüsste ich die Schalterbeamtin, die sofort die Augen rollte, als sie meinen fremden Akzent hörte. Darauf vorbereitet, drückte ich mein Smartphone an die Scheibe, auf dem ich die Details des gewünschten Tickets notierte; Abfahrts- und Ankunftsort, Datum und Zeit der Reise und meinen vollen Namen. Besänftigt beginnt die Dame auf eine Tastatur zu hacken und zeigt mir die Auswahl der möglichen Verbindungen. Wir einigen uns bald und keine drei Minuten später hielt ich das Ticket in den Händen. Ich bin überzeugt, sie war ebenso erleichtert wie ich.

OST-EUROPA-MOTORRADTOUR #26a: Chernobyl, zweiter Tag in der Geisterstadt

Pripyat, die Stadt die in unmittelbarer Nähe des Kernkraftwerks stand, hatte zur Zeit des Reaktorunfalls etwa 50’000 Einwohner. Es war ein weiterer Ausbau des Kraftwerkes im Gange und damit wäre die junge Stadt, gegründet 1970, auf mindestens 80’000 Einwohner angewachsen. Durch das Atomkraftwerk als guter Arbeitgeber war es eine prosperierende Stadt mit grosszügiger Infrastruktur und Angeboten. Der Supermarkt hatte vielfältigeres Sortiment, das Schwimmbad war in Olympiagrösse gebaut, viele Schulen und Sportplätze waren für mehr kinderreiche Jungfamilien ausgelegt. Ein Rummelplatz war eben gerade fertiggestellt worden und die Eröffnung für nur wenige Tage nach dem Unfall geplant. Unbenutzt nagt nun der Zahn der Zeit an der Vergnügungseinrichtungen. Anstatt ein Ort des Lachens und Vergnügens, wurde es zur Ikone des leisen, nuklearen Todes.

 

 

OST-EUROPA-MOTORRADTOUR #25(b): Chernobyl und die Geisterstadt Pripyat

Die Stadt, die am meisten radioaktive Strahlung und Material abbekam war nur knappe 3km vom Reaktor IV entfernt. Von hier aus begannen Feuerwehrleute den Brand nach der Explosion vom Kernreaktor zu löschen zu versuchen. Während der ersten 36 Stunden nach der Explosion wurden die ca 50’000 Einwohner von Pripyat über das Ausmass des Unglücks im Dunkeln gelassen. Erst dann wurde die gesamte Stadt evakuiert. Den Menschen blieb nur zwei Stunden Zeit zum Packen, bevor sie mit Bussen und Lastern in sicherer Entfernung gebracht wurden.

Heute versperrt ein Schlagbaum die Strasse zur Stadt. Ein Kontrollposten überprüfte die Papiere. Dann erst biegen wir in die Strassen der Stadt ein, oder was davon übrig blieb. Büsche und ein dichter Wald eroberten sich ihr Terrain zurück. Ein schmaler Weg wo früher breite Stadtstrassen waren. Durch’s Gehölz erkannte ich Mauern von hohen Wohnhäuser. Vor einem 16 Stockwerke hohen Haus hielten wir. Unser Guide machte uns darauf aufmerksam, dass es offiziell nicht mehr erlaubt wäre in die Häuser einzudringen. Offensichtlich wird dies aber lasch gehandhabt, und wir wurden nur gewarnt aufzupassen. Minuten später keuchten alle 15 Mitglieder der Tourgruppe die verstaubte Treppen hoch. Einige trugen die Staubmasken, die uns angeboten wurden, um nicht radioaktiven Staub einzuatmen. Oben auf dem Dach öffnete sich ein herrliches Panorama über die bewaldete Stadt, bis hin zum neuen Sarkophag des Atomkraftwerkes.

Es war lange nicht das einzige Gebäude, das wir in den folgenden Stunden betraten. Ein Krankenhaus, das stellenweise besonders hohe Werte anzeigte, der Flusshafen mit dem halbversunkenem Hausboot, Ein Musik Konservatorium, dessen demoliertes Klavier einsam vor eingebrochenen Sitzbänken steht oder Turnhallen, an deren Wänden noch vergilbte Fotos von Sportereignisse hängen.

Zu unserem Erstaunen näherte sich ein Fuchs unserer Gruppe. Er war sich bereits an Menschen gewöhnt und bettelte um Fressen. Das ihm zugeworfene Brot mochte er aber nicht besonders. Auch Bären und Wölfe siedeln sich in dieser Gegend an, erfuhren wir. In der nun menschenleeren Region können sie wieder frei leben. Was die Strahlung für Auswirkungen haben, kann man aber noch nicht genau sagen.

Wir hingegen konnten das Gebiet nicht verlassen ohne zuvor durch eine Schleuse mit Dosimeter zu gehen. Diese Apparatur testete bei jedem Einzelnen die aufgenommene Strahlendosis, dessen Höchstwert nicht überschritten werden darf. Natürlich kamen alle einwandfrei durch, und strahlten erst recht beim Anblick eines echten Chernobyl-Feierabendbiers. Prost.

OST-EUROPA-MOTORRADTOUR #25(a): Chernobyl; Check-Points, verlassene Dörfer und ein neuer Sarkophag

Punkt 8:00 Uhr Abfahrt von Kiew, hiess es. Wenn aber der Reisebus erst um 5 vor 8 erscheint und die Teilnehmer nach gebuchten Touren kontrollieren muss, wird’s kaum klappen. Dafür schafften wir es pünktlich zum morgendlichen Berufsverkehr in die Innenstadt. Immerhin war ein kurzer Stopp zum Kaffee tanken eingeplant. Der musste reichen bis zum ersten Check-Point an der 30km-Zone um den verunfallten Atomreaktor.  Hier wurden alle Pässe kontrolliert und mit den Genehmigungen verglichen, die die Reiseagentur im Voraus besorgen musste.

Bei der nordukrainischen Stadt Chernobyl kam ein Reaktor eines Atomkraftwerks in der Nacht vom 26./27. April 1986 ausser Kontrolle und explodierte. Die Folgen waren katastrophal und auf der ganzen Welt zu spüren, bzw. messbar. Radioaktives Material verbreitete sich und machte die nächste Umgebung des Katastrophengebiet für mindestens 20’000 Jahre unbewohnbar. Alle Bewohner innerhalb 30 km wurden evakuiert. Verlassene Dörfer und ganze Städte, allen voran die Stadt Pripyat, die nur knapp drei Kilometer vom explodierten Reaktor lag.

Die ersten Besuche galten verlassenen Dörfer, ihre einfallenden Häuser und düsteren Schulen. In Kindergärten zeugen zurückgelassene Puppen und Schulbücher von ihrer Vergangenheit. Die Natur erobert sich langsam wieder ihr Territorium zurück.

Natürlich gibt’s auch Mahnmale, Gedenkstätte und Erinnerungstafeln, die das Unvergessliche in Erinnerung behalten wollen. Schon fast idyllisch mutet die Umgebung der Kirche an. Sanfte Sonnenstrahlen lassen die Trauben reifen, die wie alles hier, aus einem radioaktiven Boden wächst. Auch die Lenin Statute aus der Zeit der Sowjetunion strahlt ruhig vor sich hin. Selbstbewusst und trotzig steht sie da. Während alle andere Lenin Statuen der Welt gestürzt wurden, darf sie hier weiter vor sich hin strahlen.

Die Spannung steigt mit der Dosis der empfangenen Gammastrahlung. Wir nähern uns der Unfallstelle vor 31 Jahren. Schon von Weitem glitzert der neue Sarkophag silbrig in der Sonne. Nach der Katastrophe wurde eiligst ein Betonbunker über den strahlenden Reaktor errichtet. Dieser musste aber durch eine bessere Lösung ersetzt, bzw überbaut werden. In jahrelanger Arbeit wurde eine Hülle erbaut, die dann über den noch immer strahlenden Reaktor geschoben wurde. Hier eine Animation: https://www.youtube.com/watch?v=6wso-xD0FnU

Der Geigerzähler, der die Radioaktivität misst zeigt noch immer gut über 1.0 msv/h an. Normalwerte sind zwischen 0,1 und 03 msv/h.

 

OST-EUROPA-MOTORRADTOUR #24: Kiev; Höhlenkloster, Parkanlagen und mobiler Kaffeewagen.

Kiev hat, wie viele andere historische Städte, hunderte von Kirchen und Kathedralen. Diese eine aber, wieder eine UNESCO-gschützte, versprach nochmals etwas Besonderes zu beherbergen. Nicht umsonst wird dieses Kloster Kiewer Höhlenkloster genannt. In den Felswänden zum Fluss Dnepr hin siedelten Mönche in Höhlen an. Später wurden Kapellen und Kathedrale etc darum herum gebaut. Auch ein Glockenturm gibt’s wieder zu besteigen. Dieses ganze Treppensteigen ersetzt jegliches Fitnessprogramm. Der Blick über die Dnepr und Stadt ist aber von hier besonders lohnenswert.

Vom sonnigen Glockenturm in die dunklen Höhlen der Mönche. Fotografieren ist dort verboten. Aber das Licht und die engen Gänge würden es sowieso nicht zulassen. Nur Kerzenlicht erhellen einige Ausbuchtungen in den Gängen. Vielerorts liegen Särge und Schreine. Ein kleiner Altar flackert goldig im Kerzenlicht. Wären nicht so viele Geistliche und Besucher, es wäre beinahe unheimlich dort.

Gemütlich folge ich daraufhin dem Fluss. Parks reihen sich hier aneinander, versehen mit Statuen, Mahnmalen und Monumenten. Stadtleute kommen um Sonne zu tanken, sich gegenseitig zu fotografieren oder Händchen zu halten. Da kommt ein geschäftstüchtiger Kaffe-Van gerade recht. Wie in so vielen Quartieren der Stadt, kam auch hier ein umgebauter Kaffeewagen angerollt. Eine clevere Geschäftsidee, die ich natürlich unterstützen musste.

OST-EUROPA-MOTORRADTOUR #23: Kiev; Monumente, Stahlruinen und Graffiti

Als ich frühmorgens aus dem Nachtzug stieg war der Himmel so trübe und grau wie mein verschlafenes Gesicht. Das wird noch besser, log die Wettervorhersage. Aber darüber machte ich mir vor dem ersten Kaffee noch keine Gedanken. In weiser Voraussicht buchte ich ein Bett in Bahnhofsnähe, wo ich zumindest ein Teil meines Gepäck schon mal unterstellen konnte. Ich erkundigte mich bei der Rezeption nach einem Cafe für’s Frühstück. Da gäbe es ganz viel, erwiderte die verschlafene Rezeptionistin, mit erstauntem Gesicht. Ich bin das erste Mal in Kiev und wäre dankbar wenn sie mir nur schon eines empfehlen könnte, hakte ich nach. Wiederum erntete ich einen erstaunten Blick, gefolgt von den Worten, sie kenne keines. Aha! Dann schaute sie aber pflichtbewusst in Computer und empfahl mir die Pizzeria. Die geht aber erst in gut zwei Stunden auf.

Meinem Gespür folgend endete ich einem grossem Restaurant im sowjetischem Retro-Stil. Neben der Einrichtung schienen auch die Kellner aus der kommunistischen Zeit hinüber gerettet zu sein. Nur widerwillig und ohne Blickkontakt legte einer eine Bestellkarte hin. Die hatte es aber in sich. Einem Hochglanz-Magazin gleich, wurden die Gerichte in Fotos dargestellt und mit Preisen versehen. Das erleichtert den Bestellvorgang in fremder Sprache doch wesentlich, dachte ich. Dass das bestellte Omelette dem Foto kaum ähnelte, konnte ich da noch nicht wissen.

Gestärkt ging’s erst Richtung Maidan-Platz, der eine traurige Bekanntheit durch die Aufstände 2013/14 bekam. Davon ist im heutigen Kiev nichts mehr zu spüren, und auch über den Konflikt, der weiterhin im Osten schwelgt, ja sogar brennt, mag man hier nicht so recht reden. Über was die Fernsehteams auf dem Platz berichten, blieb mir ebenso verschleiert, wie der Bekanntheitsgrad der gefilmten Personen. Ich nahm nur erstaunt wahr, wie ein Ambulanzfahrzeug mit Sirene und Blaulicht daher rauschte und vor dem TV-Team stoppte. Die stiegen dann seelenruhig in die ihnen geöffnete Tür.

Die Sophienkathedrale ist UNESCO-Weltkuturerbe und schon deswegen einen Pflichtbesuch schuldig. Ich erfahre, dass die Erbauer, die grosse Hagia Sophia in Konstantinopel, dem heutigen Istanbul, zum Vorbild nahmen. Schon mal um einen direkten Vergleich vornehmen zu können, wollte ich ins Innere der Sophienkathedrale blicken. Tatsächlich lassen sich einige architektonische Gemeinsamkeiten erkenne, wie die hohe Kuppeln auf Säulen getragen, die doppelstöckigen Seitenschiffe und Fresken und Mosaiken von Heiligen etc.

Weitere Spaziergänge durch die Stadt, entlang alten Fabrikarealen mit rostigen Pipelines, durch Flohmärkte mit sowjetischen Relikten und zu Wohngegenden mit riesigen, kunstvollen Graffiti, gaben mir ein kleiner Überblick über die Innenstadt.

 

OST-EUROPA-MOTORRADTOUR #22: Umsteigen auf die Bahn

Das Motorrad in der Werkstatt wartet auf das Ersatzteil, der Himmel über Lviv erwartet Regen und ich kann’s kaum erwarten Kiev zu sehen. Ich hatte nur mal laut den Gedanken ausgesprochen, während der Wartezeit mit der Bahn nach Kiev zu fahren, da telefonierten die Mechaniker auch schon herum, um mir ein Bahnticket zu besorgen.

Urtümliche Schliessfächer hielten meine Reisetasche in Verwahrung. Derweil ein wenig in der Innenstadt rumstrollen, war der Plan. Doch schon verdunkelte sich der Himmel. In einer Pizzeria fand ich Unterschlupf und Kaffee, und seit langem wieder mal ne Pizza.

Spätabends brachte mir der Mechaniker meines Vertrauens sogar das Bahnticket bis an den Bahnhof, wer sicher ging, dass ich auch den richtige Zug erwische. Das Viererabteil teilte ich mit einem jungen Ukrainer, der geschäftlich nach Kiev musste und den nächsten Tag fit sein sollte. Also machten wir es uns im Abteil bequem, rollten die Decken aus und löschten das Licht. Im Rattern des Zuges entflohen die Gedanken ins Traumland.