OST-EUROPA-MOTORRADTOUR #20: Eine beschwingte Fahrt nach Lviv

Was sich dem Titel nach an eine Kaffeefahrt denken lässt, war in Wahrheit ein Tortur. Okay, kann eine Kaffeefahrt auch sein. Wobei ich das Motorradabenteuer, jetzt im Nachhinein, natürlich bevorzuge. Die morgendliche Fahrt durch die nebelverhangene Bergwelt Transkarpatiens hätte was mystisches haben können, wenn da nicht die gelöcherte Strasse und das kaputte Motorrad gewesen wären. Jedes Schlagloch und jede Bodenwelle liess die Honda extrem nachschwingen. Obwohl Lviv über 200 Kilometer entfernt ist, fasste ich es als Ziel ins Auge. Die Chance dort den defekten Stossdämpfer ersetzen zu lassen, schien mir um einiges grösser als wo anders. So rüttelte und schwang ich mich mühselig von Kurve zu Kurve. Kaum war der Belag mal besser, taten sich unvermittelt riesige Schlaglöcher auf. Einmal nicht aufgepasst versinkt das Vorderrad darin und die Schwingen lassen mich in die Höhe springen. Legenden nach verschwinden hier ganze Kleinwagen in unheimlichen Schlaglöcher. Für -wortwörtlich-geschlagene hundert Kilometern folgten Schlagloch auf Schlagloch. Ich glaube man kann sich sogar an das gewöhnen.

Dann plötzlich wurde die Strasse sanft und ruhig. Ich war aus dem verwunschenen Tälern heraus. Sachte konnte ich den Gashebel aufdrehen. Bis die nächste Bodenwelle mich fast aus dem Sattel warf. Aber auch daran gewöhnt man sich und lernt die Strasse zu lesen. Diese führte mich schnurstracks zu meinem billigen Hotel ausserhalb Lviv. Für günstige 10€/Nacht durfte ich ein einfaches Doppelzimmer beziehen, also der Preis, den ich sonst für Camping bezahle.

Na, dann reicht das Budget auch noch für einen Cappuccino in der Altstadt, denke ich mir, und sitze bald darauf bei herrlichem Sonnenschein auf dem Marktplatz vor dem Rathaus. Die ersten Eindrücke gesammelt und auf Pixel gespeichert, vernahm ich bereits die nächste Hiobsbotschaft. Der Bankautomat rückte kein Geld raus. Es scheint, meine Bank blockte die Karte.

Kein Problem, dachte ich, und zückte triumphierend meine „back-up“-Karte. Doch auch damit weigerte sich der Automat Geld abzuheben. Nun stehe ich mit kaputtem Motorrad in der Ukraine und komme nicht an mein Geld. Das vermeintliche Restaurant beim Hotel gibt mir kein Essen aus, da sie gerade einer Festgesellschaft ein Bankett herrichtete, und das nächste Esslokal serviert mir einen überteuerten Avocado Salat, wobei die mickrigen Brotscheiben extra verrechnet werden. Zu allem Überdruss sind die Hotelwände noch so dünn. Im Dunkeln liegend, wähnte ich das schreiende Kind zu meiner rechten und das stöhnende Liebespaar zur meiner linken zu haben. Irgendwie schlief ich dann doch noch ein, und wache hoffentlich in einer besseren Woche auf…

OST-EUROPA-MOTORRADTOUR #18: Tour nach Transkarpatien

Transkarpatien? Noch nie davon gehört. Dann erzählt mir meine Gastgeberin in Uzhhorod, dass ich mich bereits im Hauptort dieses ukrainischen Gebietes befinde. Sie gibt mir weitere Tipps für die Streckenwahl, rät mir aber erst die Altstadt von Uzhhorod zu besichtigen. Ja klar, es ist ja nicht weit in die Bergwelt von Transkarpatien, erwidere ich. Nicht weit, aber schlechte Strassen dort, warnt sie.

So nehme ich in der Innenstadt einen herzhaften Brunch und den obligaten Cappuccino zu mir und setze mich voller Vorfreude auf die Honda. Zügig ging’s los. Nur LKW’s bremsten das Fahrvergnügen auf kurvigen Hauptstrassen. Dann aber bog ich Richtung Nationalpark Synevir ab, wo ich zwischenzeitlich bereits eine Unterkunft buchte. Die vermeintlich ruhige Waldstrecke entpuppte sich als holprige, von Asphaltflicken und Schlaglöcher übersäte Strasse. Immer wieder katapultierte mich eine Bodenwelle aus dem Sitz und brachte die Honda ins Schlingern. Langsam und konzentriert nahm ich jede Kurve, immer bereit auf das nächste Hindernis, ob Schlagloch, gemächliche Kuh oder langsames Pferdefuhrwerk.

Ein einsames Haus auf einem Grat versprach Kaffee. Ich fragte nach einem kleinen Imbiss. Einer gemeinsamen Sprache nicht mächtig, artikulierte ich ein internationales „Sandwich“, worauf ich nur Kopfschütteln erntete. In einem Wortschwall pickte ich sinngemässe Aussagen heraus wie; kein Sandwich, kein Burger, hier gibt’s nur ukrainisches Essen. Nicht russisch, nicht tschechisch, aber echte ukrainische Kost. Okay, das wäre mir sogar sehr recht, solange kein Fleisch drin ist. „Ahh, Vegetarianskji“ antwortet der bullige Kerl verständnisvoll. Daraufhin serviert er mir eine Gerstensuppe, Tomaten-Gurkensalat mit viel Zwiebeln und einen (vermutlich) Maisbrei mit Schafskäse. Dazu ein Getränk, das mich sehr an Holundersaft erinnert. Selbst hergestellt, erklärt er stolz. So gesättigt setze ich meine Fahrt fort.

Doch meine Freude währte nicht lange. Kurz vor Menem Ziel bemerkte ich ein zunehmendes Schlingern und Schaukeln des Motorrades. Ich schrieb das erst dem Strassenzustand zu, musste aber dann feststellen, dass der Stossdämpfer Öl verliert und damit unbrauchbar wurde. Und das hier in den tiefen Wälder von Transkarpatien.

Immerhin erreichte ich die Unterkunft einige Kilometer ausserhalb eines schnuckeligen Dorfes mit schöner Holzkirche. Besitzer hiessen mich an einem grossen Gebäude willkommen, das früher als Jugendherberge und Schulausflugs-Zentrum diente. Nun steht es die meiste Zeit leer. Mein Zimmer durfte ich selber auswählen, das Haus gehörte nun für zwei Tage ganz mir. Der Besitzer zog wieder ab und liess mich im knarrenden Haus buchstäblich im Wald stehen. Hier verbringe ich also abends am Laptop tippend, gucke die langen, leeren Gängen entlang und kann die Bilder vom Film ‚Shining‘ nicht ganz aus dem Kopf verdrängen …wenn nur keine Zwillinge mit mir spielen wollen.

OST-EUROPA-MOTORRADTOUR #17: Einreise in die Ukraine

Der Abschiedsabend in der Slowakei konnte gar nicht besser ausfallen. Das Personal des Camping/Hotel Villa Betula feierte ihr Saisonende mit Essen, Drinks und lauter Musik. Kurzerhand wurde ich dazu eingeladen, was zu Wein, Tanz und neuen Freunde führte. Als ich mich dann morgens aus dem Zelt schälte schien dann auch die Sonne, was das Packen und losfahren erleichterte. Der Hohe Tatra, würdig erhebend zu meiner Rechten, und der Niedere Tatra, sanft hügelig zur Linken, standen mir Spalier, als ich gen Osten gleitete. Unverhofft tauchte dann auch noch eine grosse Burg auf einem Hügel am Wegesrand auf, als ob die Slowakei nochmals ihr Bestes zeigen wollte.

Das tat sie auch nochmals in Kosice, der letzten grösseren Stadt vor der Grenze. Ein kurzer Kaffeestopp an der Kathedrale musste reichen. Einen grösseren Rundgang, so befürchtete ich, würde mich an der Grenze, zeitlich in die Enge treiben. Und tatsächlich standen schon Kilometer vor der Grenze die LKW’s auf einer Spur. Die Fahrer warteten geduldig in ihrer Kabinen, tranken Kaffee, telefonierten oder unterhielten sich draussen untereinander. Ich zog an der LKW-Schlange vorbei. Am Zoll wurde ich dann mit einer um so kürzeren Wartezeit überrascht. Die paar Autos vor mir wurden speditiv abgefertigt. Pass und Wagenpapiere aushändigen, die schon mal zur Bearbeitung zu Kollegen im Häuschen weitergegeben wurden, und ein kurzer Blick ins Wageninnere und Kofferraum. Bei mir zögerte der Beamte kurz, zeigte dann entschlossen auf die nähere Seitenbox und hiess mich sie zu öffnen. Kaum war der Deckel weg, griff er kurz rein, war aber dann auch schon wieder fertig mit der Inspektion.

Auf der ukrainischen Seite ging’s sogar noch schneller. Nur zwei Autos waren vor mir. Dann zeigte ich meinen Pass, ein Stempel wurde nach kurzem durchblättern eingedrückt und eine weitere Beamtin tippte etwas in einen Computer. Nach etwa sieben Minuten  war ich offiziell in die Ukraine eingereist. Zur Begrüssung stand eine propagandistische Statue vor der untergehenden Sonne und winkte mich herein. Was ich als erstes bemerkte, waren die schlechten Strassen im Grenzort Uzhhord. Ich musste mich nicht nur auf die kyrillischen Strassenschilder, sondern auch auf Unebenheiten der Fahrbahn und Schlaglöcher konzentrieren. Einiges Suchen und Fragen später fand ich den Wohnblock meiner AirB&B Gastgeberin. Weder war der Briefkasten beschriftet, noch eine funktionierende Klingel zu finden. Zum Glück hatte ich aber bereits eine ukrainische SIM-Karte zuvor besorgt, und so fand ich mich dann in der gemütlichen Wohnung ein. Meine Gastgeberin war sehr bemüht, einerseits einen sicheren, bewachten Parkplatz für meine Honda zu finden, anderseits mir auch etwas leckeres aufzutischen. So begann mein Ukraine Aufenthalt in gemütlicher Atmosphäre.

OST-EUROPA-MOTORRADTOUR #16: Kurze Tour in der Niederen Tatra

Nachdem ich in der Hohen Tatra überraschend schöne Ecken entdeckte, wollte ich nun auch noch einen Kurztrip in die Niedere Tatra wagen. Gerade rechtzeitig kam ich zur Tour in die ‚Eishöhle‘. Von der Natur tief ins Gebirge gegrabene Gänge führten in eine kalte Dunkelheit. Hier unten hält sich tatsächlich das Eis das ganze Jahr über und formt skurrile Skulpturen. Gut nachvollziehbar, dass im Mittelalter gefundene Bärenknochen für Überbleibsel von Drachen gehalten wurden. Naja, vielleicht hausten die ja wirklich hier.

Im Nachbartal besuchte ich die grösste Holzkirche Slowakiens, oder gar der Welt, je nach Quelle. Kein einziger Nagel oder sonstiges Metall wurde verbaut. Alle tragende Teile und auch der Altar sind aus Holz gefertigt. Nur eine Minute vor dem Schliessen der Kirche wurde ich noch kurz rein gelassen. Trotz der monumentalen Grösse von innen, wirkt das Holz freundlich, warm und heimelig.

Und dann war noch das kleine Dorf, nicht weit von meinem Camp entfernt. Ein Geheimtipp soll die Ruine einer Kirche sein, dessen Holzturm noch erhalten ist. Stolz und unbändig ragt der Turm über die verwachsenen Ruinen empor. Hinter dem einfachen Bauerndorf türmt sich das Tatra-Gebirge, gibt der ganzen Szenerie einen malerischen Anstrich.

OST-EUROPA-MOTORRADTOUR #15: Die Holzkirchen der Hohen Tatra

Von der Existenz von typischen, einzigartigen Holzkirchen der Region erfuhr ich erst von  Lui und Steffi ( www.comewithus2.com ), die ich hier traf. Hellhörig geworden, beschloss  ich den trüben Tag mit kulturellen Highlights zu füllen. Mit leichtem Gepäck kurvte ich die Honda in die Hohe Tatra hinauf, genoss den Fahrtwind und die Kurvenschrägen. Die Tatra erinnert mich an Schwarzwald, nur schwärzer, oder waldiger. Als sich der Wald bei Zuberec lichtete, erscheint ein Schild, das auf ein Freilichtmuseum hinweist. Einfach hinfahren. Ein ganzes Dorf mit Holzkirche, Bauernhäuser, Wassermühle und Gärten dokumentieren das traditionelle Leben der Region. Tolle Einblicke, nett umgesetzt. Auch der einsetzende Regen ist ganz typisch, erklärt man mir. So hautnah wollte ich dann die Region doch nicht kennen lernen. Trotz langer Kaffeepause in der Mühle, hielt der Regen an, ging in feinen Nieselregen über.

Ich packte mich wasserdicht ein und fuhr weiter nach Tvrdosin, wo eine UNESCO- Weltkulturgeschützte Holzkirche steht. Mit mir kam ein Bus voll Rentner an, die sich pilgermässig in die Kirche begaben. Erst ärgerte ich mich wegen den ungewollten Statisten vor meiner Kamera, realisierte dann aber, dass dank dieser Tourgruppe die Kirche erst geöffnet wurde. So konnte auch ich den holzgeschnitzten Altar bewundern und fotografieren. Ich musste mich nur etwas gedulden bis die Gruppe wieder Richtung Bus pilgerten.

Bei der dritten Kulturstätte, die ebenfalls zur UNESCO-Weltkulturerbe gehörende Holzkirche von Lestiny, war ich wieder ganz allein. Und ausgeschlossen. Immerhin hatte sie ein Vordach, das mich vom erneuten Regenguss schützte. Das erstaunliche an all den Holzkirchen sind die so unterschiedlichen Formen und Architekturen, die sie haben. So ist jede, trotz einigen Gemeinsamkeiten, ein Unikat an Gotteshäuser.

OST-EUROPA-MOTORRADTOUR #14: Banksa Bystrica, die Perle in den Tatra Bergen

Gut ausgebaute Strassen mit langezogene Kurven führen von Ungarn nach Slowakien. Immer weiter nördlich führt mich der Weg, direkt auf’s Tatra Gebirge zu. Eigentlich weiss ich gar nicht was mich dort erwartet. Es sah auf der Karte nur verheissungsvoll aus. Bevor ich aber das Donaugebiet verlasse, stoppe ich für ein Foto an. Ein Auto hält kurz darauf, lässt die Scheibe runter und eine Frau zeigt mir ihren hochgereckten Daumen. Fragend blicke ich zurück, worauf sie „Okay?“ fragte. Sie stieg aus dem Auto aus, nimmt ihren eigenen Helm aus der hinteren Sitzbank und gibt mir zu verstehen, dass sie auch Motorradfahrerin ist. Und Motorradfahrer kümmern sich für einander. Gerührt bedanke ich mich, worauf sie mir noch ein Maskottchen übergibt, etwas wie ‚Angry Bird‘ oder ‚Furby‘. Vielleicht sollte ich ihn ‚Angry Furby‘ nennen, oder noch besser ‚Flying Furby‘? Hupend zieht jeder wieder seines Weges.

Als ich in Banksa Bystrica einfuhr, landete ich direkt beim Marktplatz. Nichts einfacheres als sich den ersten Cappuccino zu leisten und den Sonnenschein für einen kurzen Stadtrundgang zu nutzen. Ein alter Mann grüsste höflich, freute sich über meinen offensichtlichem Gefallen am Ort. Er kommt aus Bratislava, erklärte er, aber findet diesen Ort am Fusse der Tatra schöner zu leben. Ich konnte ihm beipflichten. Gepflegte Gebäuden, sauberer Marktplatz und blumengeschmückte Brunnen zieren dieses Kleinod. Ich überlegte sogar in der Nähe mein Nachtlager aufzuschlagen, beschloss dann aber trotz aufziehenden Wolken noch einige Kurven mehr unter die Räder zu nehmen. Immer tiefer mäandert der Weg ins Tatra Gebirge, bis ich am Liptovska See ein geeigneten Camping finde.

Ich wähne mich bereits alleine auf dem weitem, sattem Grün, als ein Fahrzeug mit Schweizer Kennzeichen auftauchte. Das Paar, das dem blauen Campingbus entstieg, kam mir sofort bekannt vor, konnte die zwei samt ihrem Bus auch gleich zuordnen. „Hallo“, sprach ich sie an, „euch kenne ich doch als Vlogger mit You-Tube-Kanal.“ Steffi und Lui haben sich vorgenommen, alle Länder Europas mit ihrem Bus „Karl“ zu bereisen. Aus dem vermeintlich ruhigen Abend, wurde es ein gemütlicher und spannender Austausch. Nichts ist kurzweiliger als mit Gleichgesinnten zusammen zu sitzen.

Wer ebenfalls die zwei sympathischen Reisenden kennen lernen will besucht am Besten ihren website/blog: http://comewithus2.com oder besucht ihren Youtube-Kanal 

 

OST-EUROPA-MOTORRADTOUR #9: Der Wein von Süd-Mähren

Für einmal ausserhalb der Stadt übernachten. In einer ruhigen, ländlichen Gegend schlafen. Mein Zelt im Grünen aufbauen und der Natur lauschen. Und wo wäre so ein Vorhaben besser als in einem Weinanbaugebiet? In Süd-Mähren, unweit von Brno, liegt das älteste Weinanbaugebiet von Tschechien. Ein Campingplatz ist schnell gefunden und bereits die Hinfahrt versprach Gutes: Weinreben entlang des Weges. Ein See gleich beim Camping rundete die Sache idyllisch ab.

Beim Schlendern durch das stille Dorf liebäugelte ich mit einem Ruhetag in dieser Idylle. vor einer kleinen Bar sassen Männer im mittleren Alter und darüber. Jeder ein Bier oder Weinglas vor sich. Sie musterten die wenigen Spaziergänger, die vorüber gingen. Ich trat in die Bar, fragte nach hiesigem Wein. Der junge Barkeeper schenkte mir ein Glas Weisswein ein. Süss und süffig. Mit dem Wein kamen Geschichten aus dem jungen Leben des Barkeepers. Wenn das Leben zu süss ist, kann es zu Kopf steigen, sinnierten wir. So wie der süsse Wein mir zu Kopf steigt. Ich trete in die frische Luft raus. Müde von der fahrt und vom Wein lege ich mich ins Zelt. Draussen trinken sie weiter, hören laut Musik, feiern das Leben und den Wein. Der nächste Camping vielleicht doch nicht mehr in einem Weinanbaugebiet, denke ich als ich den Schlaf suche.

OST-EUROPA-MOTORRADTOUR #7: Der berühmte Marktplatz von Kromeriz

Der Rückfahrt von Polen nach Tschechien führt auf herrlicher Motorradstrecke durch die Böhmischen Schweiz. Immer weiter ziehen sich die Kurven bis ich kurz vor Kromeriz stehen bleibe. Ich bekam ein Übernachtungsangebot von Karel, der mich herzlichst bewirtete, Bier und Slibowitz ausschenkte und sehr besorgt um einen sicheren Platz meiner Honda war.

Am nächsten Morgen fand ich dann einen um so schöneren Parkplatz direkt auf dem UNESCO geschützten Marktplatz von Kromeriz. Ein leckeres Frühstück und kleiner Stadtrundgang folgten. Dabei begegnete ich Hare Krishna Anhänger, die singend und tanzend durch den Ort zogen. Sie hätten eine Farm, auf der sie leben und meditieren, erklärt mir ein Anhänger der Glaubensrichtung. Er lud mich herzlich ein, ihnen auf diese farm zu folgen. Doch mein weg führt mich weiter Richtung Süden nach Brno…

 

OST-EUROPA-MOTORRADTOUR #5: Melnik und die gruselige Gruft

Mein Motorrad-/Reisekumpel erzählte mir beim Frühstück von der Knochengruft in Melnik, das nur etwa 40 Kilometer ausserhalb Prag liegt. Spontan entschlossen wir zusammen dorthin zu fahren. Melnik, ein kleiner, schmucker Ort, liegt auf einem Hügel. Von der Kirche aus kann man den Zusammenfluss von Moldau und Elbe unter dem Weinberg sehen. Unter der Kirche aber befindet sich die Gruft, in der tausende von Knochen und Schädel aufgeschichtet liegen. Ehrfürchtig traten wir in den modrigen Raum, staunten über die bleichen Wänden aus Menschenknochen. Eine dumpfe, drohende Musik erschallte aus versteckten Lautsprecher. Aus dem Off begann jemand die Geschichte der Kirche, des Ortes und den nahen Schlachtfelder zu erzählen, aus denen viele dieser Überreste stammten.

Wieder am Tageslicht erfreuten wir uns dem Grün der Umgebung und einem stärkendem Kaffee, bevor wir voneinander Abschied nahmen. Jeder in einer anderen Richtung fahrend, die Hoffnung mit sich tragend, sich einander wieder zu sehen bevor man in einer Gruft endet.

Sister Therese

A friend wrote me a message, telling me about a German lady, who lives in Africa since decades as a nun and founded several dispensaries. If i’m passing by that area i should visit her, he suggested. And indeed, it seemed i’m pretty close there anyway.

On my way i got stopped by the traffic police. Once more. While the officer check my papers he wanted to know where i’m heading to. I told him the story of the old lady, doing so many good things for local people. I admire to meet her and maybe making some photos of the place she founded, i explained. As the officer has seen my camera he wanted me to do a portrait shot of himself. I did. With a smile on both of us he let me go.

Just ask for ‚Sister Therese‘ when you reach the town, my friend advised me. And indeed, even the people on the street didn’t recognized the name of the dispensary, they reacted promptly on the name of the nun. But Sister Therese doesn’t live here anymore. The new chairman of the small hospital organized a nice chap who’s guiding me to the new founded dispensary of Sister Therese. It was about an hour drive or so. Maurice asked me to stop in a village to introduce me with the chief, who owns a shop. It’s all interesting and so much to learn about, but also time consuming. Finally we reached the dispensary and i met Sister Therese in person. After a brief tour trough the building and nearby garden, she told me her story by a soup and tea. Since she was a young girl she wanted go somewhere far. As a young nun she went to Southern Africa, studied to become a nurse and stayed many years in Zimbabwe. Many stories about trouble and terrible times, in Southern and later in Eastern Africa, but also about never ending hope and times of happiness. Her eyes are always smiling even when she’s telling dark stories. A truly strong woman, which i’d like to spend more time with, but it got late and time to leave for me. Despite the short time with her, it let a deep impression on my way out of the bush.